Nach fast einem Jahr läuteten die Glocken der Kirche St. Martin in Tiefenpölz endlich wieder und riefen zur Kirche. Obwohl es am Nachmittag war, folgte doch eine stattliche Zahl Tiefenpölzer ihrem Ruf zur Segnung des neu vergoldeten Kreuzes für den 31 Meter hohen Kirchturm. Pfarrer Christian Kaiser begrüßte außer seinen Gläubigen auch Monika Schenk von Stauffenberg, Zweite Bürgermeisterin (CSU) aus Heiligenstadt, Architekt Udo Keßler aus Kulmbach, Handwerker und die Mitglieder der Kirchenverwaltung. Er führte aus, dass sie alle einen großen Anteil an der Baumaßnahme hätten. Des weiteren sagte er: "Durch ihre Anwesenheit zeigen sie ihre Verbundenheit mit diesem Ort, dieser Kirche und mit Jesus Christus."

Nach einer Lesung und Gebeten segnete Pfarrer Kaiser das Kreuz, das zwei Handwerker während der Zeremonie zum Schutz gegen Abdrücke mit weißen Baumwollhandschuhen hielten. Es ist 2,10 Meter groß und wiegt etwa 50 Kilogramm. Es weist nun wieder schon aus aller Ferne den Weg zur Pfarrkirche.

Sie ist bereits 1274 indirekt erwähnt und wurde 1372 das erste Mal erweitert. Bischof Marquardt Schenk von Stauffenberg setzte 1692 für die erweiterte Pfarrei den neuen Pfarrer ein. Der Neubau des jetzigen Kirchenschiffes erfolgte 1874

Nach der Andacht wurden die Dokumente für die Turmkapsel unterzeichnet. Wieder eingebracht wurden die Urkunden oder Abschriften davon von 1902 ebenso wie die kleine alte Kapsel. Sie ist eine alte Patronenhülse mit 40 Millimeter Durchmesser und enthält die alten Münzen, erweitert mit neuen Münzen und Geldscheinen von einem Cent bis zu Scheinen von 5 bis 50 Euro. Auch einige Sonderprägungen von Zweieuromünzen stiftete die Kirchenverwaltung. Mit Wachs wurde die Kartusche dann luftdicht abgeschlossen.

So war das Leben 2020

In die neue Kapsel kam auch ein Bericht von Josef Pickel. Er schrieb über die Situation und das Leben in Tiefenpölz um das Jahr 2000, wo man noch mit Deutscher Mark (DM) bezahlte, und dem jetzigen 2020 mit der Eurowährung. Der Preis für ein Seidla Bier und ein Kilo Brot wurden aufgelistet, die Preise für das Benzin, aber auch der Monatsverdienst einer Krankenschwester und eines Arbeiters. Er erwähnte auch, dass die Kinder früher noch Schlitten fahren konnten, was durch den Klimawandel immer schwieriger, wenn nicht unmöglich würde. Wichtig war Pickel auch zu schreiben, dass im Hitzesommer 2018 die Leinleiterquelle, die Zegelquelle und der Tiefenpölzer Brunnen versiegten, der übrigens auch heuer wieder zwei Monate kein Wasser schüttete. Das Fichtensterben wegen der großen Trockenheit und die Borkenkäfergefahr waren weitere Themen. Im Bericht wurde auch Lehrer Eberhard Willmann gewürdigt, der seit 60 Jahren das kulturelle Leben des Juradorfes präge. Da heuer wegen Corona keine Feste stattfinden können, wurden auch die Maßnahmen gegen die Pandemie beschrieben. Der Autor beklagte, dass ein Wirtshaus geschlossen wurde und im zweiten, bei der Wirtin vom "Ochsenwirt" das Dorftreffen am Mittwoch, zu dem auch Besucher aus umliegenden Dörfern kommen sollten, wegen der Seuche ausfallen musste.

Neben dem Dorflehrer werden der frühere Pfarrer Erhard Maria Melcher und sein Nachfolger Christian Kaiser gewürdigt. Die fünf eng geschriebenen Seiten, nicht auf der Schreibmaschine, sondern am Computer verfasst, enden mit dem Absatz über die jetzige Kirchenrenovierung.

Als weitere Beigaben wurden in die Turmkapsel hineingefügt: die aktuelle Ausgabe des Fränkischen Tag, des Heinrichsblattes und eine Reihe von Fotos von Tiefenpölz und seiner Bewohner, die Barbara und Franz Langer geschossen hatten. Alle Dokumente wurden um die kleine Kapsel herumgewickelt und in die größere neue Kupferkapsel gesteckt, was wegen des umfangreichen Materials erst auf den zweiten Anhieb gelang. Spenglermeister Alfred Tröppner verlötete dann die Kapsel.

Mit dem Aufzug ging es nun in die Höhe und den Rest bis zur Spitze mussten alle Beteiligten die Leitern hochklettern. Da es aber ein wunderbarer goldener Oktobertag war und kein Wind wehte, war es für Schwindelfreie das reinste Vergnügen. Der herrliche Blick von oben auf den Ort, hinüber nach Hohenpölz, zum Seigelstein und in die weitere Umgebung mit den Bäumen voll der prächtigen Herbstblätter wird allen unvergesslich bleiben.

In luftiger Höhe

Das Kreuz wurde über eine Rolle hochgezogen. Zuerst aber wurden die Kapsel und die sie umgebende ebenfalls neu vergoldete Hülle, die sogenannte "Vase" auf die Turmspitze aufgesetzt. Schließlich wurde das Turmkreuz von den Handwerkern auf den Metallbolzen gesteckt und im 90-Grad-Winkel zum First des Kirchendaches ausgerichtet. Da das gar nicht so leicht war, wurden Direktiven über Handy von unten gegeben. Zwei starke Schrauben sichern das Kreuz nun, damit es sich nicht verdreht.

Die letzte Aktion in luftiger Höhe war das Anschrauben der zwei kupfernen Blitzableiter. Architekt Keßler war die Freude über den gelungenen Abschluss der Renovierungsarbeiten anzumerken. Er schloss: "Gott sei Dank ist alles gut gegangen und keinem Arbeiter etwas passiert." Ihm pflichtete auch Kirchenpfleger Markus Lukas bei.

Bei den Baumaßnahmen war zuerst das Dach des Kirchenchores saniert worden, da die Balken nur noch wenig Auflage hatten und stabilisiert werden mussten. Bei den Arbeiten am Turm musste ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz errichtet werden, da der alte aus Metall sich abgesetzt hatte und am Sandsteinmauerwerk gerieben hatte. Verschiedene Balken im Turm erneuerten die Zimmerer, da Wasser eingedrungen war und das Holz marode wurde. Verschiedene Podeste und die Turmtreppen wurden erneuert. Alle Holzarbeiten verrichtete die Firma HBS von Zimmerermeister Manfred Pfeufer aus Herzogenreuth.

Auch das Ziffernblatt der Uhr wurde ausgetauscht, die Uhrsteuerung und das Glockengeläut mit Fernsteuerung durch die Firma Perner aus Passau versehen. Den Glockenstuhl elektrifizierte die Firma Brehm neu. Die Holzverschalung des Turmes tauschten die Dachdecker mit ihrem Meister Heiko Donath aus Wonsees komplett aus und deckten ihn mit spanischem Schiefer neu ein.

Viele fleißige Helfer

Architekt und Kirchenpfleger bezifferten die Gesamtkosten der Renovierung auf etwa 315 000 Euro. In die Arbeiten war auch eingebunden Petra Postler, Baudirektorin des Erzbischöflichen Ordinariats. Zu den Kosten gewährt das Erzbischöfliche Ordinariat eine Förderung von 65 Prozent. Die Oberfrankenstiftung gibt 14  00 Euro und das Landesamt für Denkmalpflege 5000 Euro. Für die Kirchenstiftung Tiefenpölz bleiben also über 100 000 Euro, die sie finanzieren muss, für eine kleine Juragemeinde eine stattliche Summe.

Die Gläubigen haben sich beim Bauen bereits mit rund 200 Stunden Arbeit eingebracht. "Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, sich an der Renovierung unseres Gotteshaus zu beteiligen, um es für uns und unsere Kinder zu erhalten", sagte Mesner Alfons Herold.