Veronika Schadeck

Christa Büttner war nicht wiederzuerkennen. Von der Verwaltungsangestellten schlüpfte sie am regionalen Museumstag am Samstagabend im Europäischen Glasflakonmseum in die Rolle der Joséphine de Beauharnais. Und ihr Partner war nicht Napoleon, sondern Monsieur Pierre-François Guerlain (Museumsleiter Sandro Welsch).
Guerlain war es, der im 19. Jahrhundert die Düfte von England nach Frankreich brachte und in Paris im Jahre 1828 ein Kosmetikhaus eröffnete. Joséphine, die Gattin Napoleons, liebte Düfte - vor allem Moschus hatte es ihr angetan. Als ihr Mann Kaiser Napoleon sie verließ, weil kein Nachfolger in Sicht war, besprühte sie ihre kaiserlichen Räume mit Moschus, damit Napoleon sie nicht zu schnell vergisst. Diese und andere Geschichten waren am Samstag im Europäischen Glasflakonmuseum bei den sogenannten "Haute Couture der Sinnenverführung" zu hören.
Es war alles anders an diesem Abend im Museum. Bürger, die sonst die Besucher durchs Museum führen, schlüpften in Kostüme. Und sie hatten eine Menge Freude daran. "Manche Besucher haben mich erst auf den zweiten Blick erkannt", schwärmt Christa Büttner. Und sie bekennt: "Was Kleidung und Outfit ausmachen, ich fühle mich heute anders als sonst."
Und ihr Partner Sandro Welsch ergänzt, dass in den letzten Tagen zu Hause alles liegen geblieben sei. Er habe sich mit der Person Pierre-Fançois Guerlain intensiv befasst. Nicht zuletzt deshalb merkt man Büttner und Welsch an, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind. Begeistert führen sie die Besucher durch das Museum, erklären Düfte und erzählen Geschichten. Ihre Kollegen wiederum befassen sich intensiv mit "Feuer und Flamme - mit der Bierholerin und dem Glasmachen".


Gemeinsam mehr bewegen

Zwei Besucher, die sich unter anderem mit Dürfen auseinandersetzten, waren Gerhard Walther und Karin Weber. Sie bringt sich unter anderem bei "Handwerk und Kultur" ein. Karin Weber führt Busreisende durch die Rennsteig-Region und erklärt ihnen die Sehenswürdigkeiten. Die Ludwigsstadterin begrüßt es sehr, dass in diesem Jahr auch das Schiefermuseum aus ihrem Heimatort zum ersten Mal beim Museumstag mit dabei ist. Das Schiefermuseum, so erklärt Weber, hatte zwar schon in der Vergangenheit eine Museumsnacht, aber "zusammen kann man doch mehr bewegen". Gerhard Walther schwärmte vom Angebot: "Es ist eine tolle Sache." Die Bürger hätten Gelegenheit, sich gleich in mehreren Museen mit der Geschichte der Region auseinanderzusetzen. Oftmals wisse man gar nicht, welche Besonderheiten und Schönheiten es gibt.


Mit Leidenschaft

Sandro Welsch kann dies nur bestätigen. Sein Job als Museumsleiter mache ihm viele Freude. Es gehe um Forschen, um die Bewahrung und Weitergabe der Geschichte an die Einheimischen und an die Touristen. Und Christa Büttner ergänzt: "Man muss mit Leidenschaft durch ein Museum führen."
In Ludwigsstadt wurden die Zeiten der besonderen Handwerkskunst mit Schiefer gezeigt. Es gab Geschichten aus dem Alltag der Schieferarbeiter und deren Familien. Und es gab eine besondere Attraktion, nämlich den ältesten stanniolverzierten Waldgiebel aus Zeyern aus dem Jahre 1673. In mühevoller Arbeit haben die Mitglieder der Geologischen Arbeitsgemeinschaft (GHagG) diesen Wandgiebel mit dem original Schiefer im Schiefermuseum wieder aufgebaut.
Es war eine regionale Museumsnacht deshalb, weil neben den beiden Museen im Landkreis Kronach neun weitere Museen aus den Landkreisen Coburg, Sonneberg und Hildburghausen ihre Pforten geöffnet hatten. Eingesetzt waren auch Shuttlebusse. Die Schirmherrschaft hatten die vier Landräte der beteiligten Landkreise, Christine Zitzmann (Sonneberg), Michael Busch (Coburg), Oswald Marr (Kronach) und Thomas Müller (Hildburghausen), inne.
Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, die dazu beitrug, der Bevölkerung die Geschichte, Kultur und Besonderheiten der Region näherzu bringen.