In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen nutzen einige Menschen die Zeit und räumen Schubladen aus, in die sie sonst alles stecken, das sie später mal brauchen könnten. Andere Menschen lesen endlich die Bücher, die sie sich unter dem Jahr gekauft haben, aber noch keine Zeit zum Lesen hatten. Diese Werke wurden von kreativen Autorinnen und Autoren verfasst. Welche Auswirkungen haben die derzeitigen Beschränkungen wohl auf ihr Schaffen?

Maria Dries aus Kunreuth beispielsweise schreibt Krimis rund ums Walberla, aber auch welche, die in Frankreich spielen. Hierfür unternimmt sie regelmäßig Recherche-Reisen. "Das ist natürlich im Augenblick nicht möglich. Eigentlich wollte ich im Juni wieder nach Frankreich fahren. Da bin ich gerade dabei, eine Lösung zu suchen", erzählt Maria Dries. Sie sagt, dass es ihr wichtig sei, die Eindrücke und die Atmosphäre des Handlungsortes richtig wiederzugeben.

"Da wurde ich zum Beispiel von einem Nachbarn angesprochen, der als Schüler Biscarrosse besucht hatte. Er meinte, dass man meinem Buch anmerke, dass ich wirklich auf den Dünen gestanden habe. Denn genau die beschriebene Stimmung habe er damals auch gefühlt", berichtet Maria Dries, die aktuell an einer zweiten Krimireihe arbeitet, die in Bordeaux spielt. "Bordeaux deshalb, weil viele Deutsche die Stadt oder zumindest den Wein kennen", verrät die Autorin und lacht. Zum Glück hatte sie die Stadt bereits vor zwei Jahren besucht: "Für dieses Buch hat es gereicht."

Der erste Band dieser Reihe sollte am 2. April veröffentlicht werden. Doch da die Buchhandlungen geschlossen waren, wurde die Veröffentlichung auf den 20. Mai verschoben. "Zum Glück beeinträchtigt mich die Krise nicht so sehr, da ich auch noch psychisch kranke Menschen betreue und weiter diszipliniert am nächsten Band schreibe. Außerdem ist die Dorfgemeinschaft in Kunreuth sehr gut und ich fühle mich gut aufgehoben", berichtet Maria Dries.

Anders ist das bei Birgit Ringlein, die in der Fränkischen Schweiz aufgewachsen ist, in vielen Ländern der Welt gearbeitet hat, aktuell in Bayreuth lebt und Krimis schreibt, die in der Fränkischen Schweiz spielen. "Ich schreibe gerade am dritten Band über die ermittelnde Schlossköchin Dora", verrät Birgit Ringlein. Die Veröffentlichung des zweiten Bandes wurde jedoch auf den 25. Juni verschoben. "Da gibt es wohl Probleme mit den Druckereien", ergänzt die Autorin.

Sie nutzt die Zeit, in der sie die Wohnung nicht verlassen kann, um zu schreiben und zu lesen: "Ich gehöre zu den Leuten, die aus einer Buchhandlung nicht ohne Bücher rauskommen. Und jetzt arbeite ich meinen Stapel mit Büchern ab."

Allerdings vermisst sie ihre Freundinnen und Lesungen. "Es waren für ‚Meuchelmord und Mandelkracher‘ einige große Lesungen vereinbart. Die fallen natürlich alle aus", meint Birgit Ringlein traurig. Die Autorin erzählt, dass sie sich sehr darauf gefreut und hingefiebert hatte. "Außerdem hat Amazon den Buchversand eingeschränkt. Die meisten meiner Bücher werden darüber verkauft", erklärt sie und ergänzt, dass sie den Einbruch der Verkäufe sehr spürt.

Sie versteht aber auch, dass es in der aktuellen Zeit wichtiger ist, Masken und Desinfektionsmittel zu versenden: "Im Verlag arbeiten auch alle im Homeoffice. Für mich ist es unklar, ob ich für das nächste Buch einen neuen Vertrag bekomme."

Birgit Ringlein weiß nicht genau, wie es weitergeht: "Es ist für uns alle keine leichte Situation. Wenn ich die Wahl habe, den Kühlschrank oder das Bücherregal zu füllen, entscheide ich mich natürlich auch für den Kühlschrank."