Sabine christofzik

Bamberg — Er war Tagesgespräch in Bamberg. Gleich mehrfach, als nach und nach immer neue Vorkommnisse gemeldet wurden. Die Polizei hat in acht Fällen ermittelt. Jetzt ist der "Autofahrer-Würger" von Bamberg gefasst.
Kriminalbeamte nahmen am Freitag nach einer Wohnungsdurchsuchung einen Drogenkonsumenten fest, der auch im Verdacht steht, für die Übergriffe auf mehrere Verkehrsteilnehmer Anfang Januar verantwortlich zu sein.
Gefunden wurden bei ihm rund 300 Gramm Marihuana. Es erhärtete sich der Verdacht, dass der 35-Jährige auch die Angriffe auf Kraftfahrer begangen hat, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bamberg.


Mit der Krawatte gewürgt

Die Überfälle sind den Bambergern an die Nieren gegangen. Nicht nur auf der FT-Facebook-Seite wurde kontrovers das Für und Wider des Fahrens mit von innen verschlossenen Autotüren diskutiert.
Am frühen Abend des 7. Januar hatte der (damals unbekannte) Täter an der Ecke Memmelsdorfer Straße/Grafensteinstraße die Fahrertür des BMW eines 55-Jährigen geöffnet, ihm ins Gesicht geschlagen, auf dem Rücksitz Platz genommen und ihn von dort aus mit der Krawatte gewürgt. Ein Zeuge kam damals dem Opfer zur Hilfe. Der Täter konnte flüchten.
Bei der Bamberger Kriminalpolizei gingen kurz darauf mehrere Anzeigen mit ähnlichem Sachverhalt ein. Demnach stieg eine halbe Stunde vorher ein Unbekannter an der Ottokirche in ein Auto und würgte den Fahrer.
Bei weiteren Opfern schlug der Täter zum einen mit einem Besenstiel und zum anderen mit den Händen auf deren Autos und versuchte auch einen Außenspiegel abzutreten.
Viel Glück hatte ein 49 Jahre alter Fahrradfahrer, dem der Angreifer eine Whiskeyflasche nachwarf und dabei nur um wenige Zentimeter den Kopf verfehlte.
Ein weiterer Versuch im Bereich der Ottokirche in ein Auto zu gelangen scheiterte, da ein 47-Jähriger die Türen seines Wagens von innen verschlossen hatte.
Die Beschreibung des Unbekannten war in allen Fällen übereinstimmend, heißt es in der Mitteilung.
Am Mittwoch vergangener Woche geriet der 35-Jährige in Tatortnähe zufällig in eine Polizeikontrolle, berichtet Dominik Fehn von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken.
Staatsanwaltschaft und Kripo haben intensiv ermittelt. Der entscheidende Hinweis auf den möglichen Tatverdächtigen kam dann aus dem Kollegenkreis der Bamberger Polizei.
Der 35- Jährige war kein Unbekannter. Unter anderem wurde er Mitte letzten Jahres nach der Einnahme von Psychopharmaka in verwirrtem Zustand angetroffen und musste ins Nervenkrankenhaus eingeliefert werden.
Über das Motiv für die Taten ist noch nichts bekannt. "Den BMW-Fahrer hat er mit dem Tod bedroht. Das war das einzige Detail, das wir hatten."
Am Freitagmorgen nahmen ihn Kriminalbeamte in seiner Wohnung fest. Die Staatsanwaltschaft Bamberg erließ Haftbefehl wegen versuchten Mordes und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.
Er sitzt mittlerweile in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft.
Doch wie oft kommt so etwas wie am 7. Januar vor? Dominik Fehn vom Polizeipräsidium relativiert: "Solche Angriffe auf Autofahrer stellen in Oberfranken eine absolute Ausnahme dar. Deshalb sollten Autofahrer im Großen und Ganzen keine Angst haben, selbst Opfer einer solchen Tat zu werden."


Türen von innen verschließen

Grundsätzlich könnten sich Autofahrer selbst vor etwaigen Übergriffen schützen, indem sie ihr Fahrzeug nach dem Einsteigen verriegeln, rät er. Viele Autos verriegelten bereits beim Anlassen selbstständig die Türen. Ein Aussteigen sei auch dann möglich, wenn die Türen von innen verschlossen wurden.
Wer dennoch in eine derartige Situation kommt, sollte auf sich aufmerksam machen, indem er beispielsweise die Hupe betätigt und das Warnblinklicht einschaltet. Wenn es geht, auch weiterfahren und sich in Sicherheit bringen.
"Soweit es möglich ist, sollte man sich das Aussehen und die Fluchtrichtung des Täters merken. Das ist wichtig für die polizeiliche Fahndung und weiteren Ermittlungen."