Jugend ist Zukunft - eine Aussage, die Politiker immer wieder treffen. Und doch konterkariert ihr derzeitiges Handeln während der Pandemie die Phrase.

In der Realschule Bad Kissingen hat der Elternbeirat jedem Schüler eine Decke gespendet. Niemand soll beim Lüften frieren - sofern Wechsel- oder Präsenzunterricht stattfindet. Eine nett gemeinte Geste, die allerdings nicht das Versagen der Politik verdeckt.

Denn Luftfilteranlagen gibt es wohl nicht für jeden Klassenraum. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Kreistags deutlich. Es sei zu teuer, alle Klassenzimmer der elf kreiseigenen Schulen mit Luftfiltern auszustatten. Schüler wollen lernen? Dann sollen sie doch einfach die Fenster öffnen. Das Lüftungskonzept ist das A und O - so ein Mitglied des Kreistags.

Eine solche Aussage nach gut einem Jahr Pandemie. In einer reichen Industrienation. Noch vor einem Jahr hieß es vom Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), dass die Corona-Krise für schnellere und nachhaltige Innovationen genutzt werden solle.

Schüler frieren

Geschehen ist indes wenig. Online-Plattformen laufen nicht rund und Schüler frieren beim Lüften in den Klassenzimmern bei zweistelligen Minusgraden draußen.

Als Folge des Missmanagements - und weil wegen des Runs auf die Lüfter keine mehr zu bekommen sind - ergriffen mancherorts Schüler die Initiative. Nach Bauplänen des Max-Planck-Instituts bauten sie Luftfilteranlagen aus dem Waren-Sortiment des Baumarkts. Ihre Wirksamkeit? Sie filtern über 90% der Aerosole aus der Raumluft. Die Kosten? 200 Euro pro Anlage. Geht man im Landkreis Bad Kissingen von einer durchschnittlichen Klassenstärke von 20 Schülern aus, sind das 10 Euro pro Schüler.

Wenn dem Kreistag der Weg zu unkonventionell ist, besteht immer noch der Weg über den Freistaat, um die Luft in den Klassenräumen zu filtern. Das kostet jedoch mehr: Statt wie im ersten Förderprogramm im vergangenen Jahr gibt es nun noch 50 Prozent bei Maximalkosten von 1750 Euro pro Klassenzimmer. Bis Dezember 2020 lag die Förderung bei 100 Prozent bei Maximalkosten von 3500 Euro pro Anlage.

Das Angebot war jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Räume, für die es in der ersten Förderperiode eine Luftfiltrationsanlage gegeben hätte, müssen beispielsweise kleine Fensterflächen haben oder aber Räume sein, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen oder nicht vorhanden sind, weil es innenliegende Fachräume sind. Staatliches Sparbrennertum par Excellence.

Aufgrund der Auflagen hatten lediglich vier Schulen im Landkreis die Möglichkeit, in der ersten Förderrunde von Lüftern zu profitieren: die Kissinger Berufsschule, das Gymnasium, die Hammelburger Realschule und das Bad Brückenauer Gymnasium. 99 Filteranlagen will der Landkreis nun kaufen. Hinzu kommen 250 bereits vorhandene CO2 Messgeräte. Von diesen profitiert auch die Bad Kissinger Realschule. Allerdings: Frieren müssen die Schüler immer noch - die Warngeräte filtern schließlich keine Luft.

Ob alle Schüler der restlichen sieben Schulen von der zweiten Förderrunde profitieren, ist zu bezweifeln. Da hilft auch die Prüfung von 250 Klassenzimmern nichts, wenn bereits im Vorfeld klar ist, dass nicht einmal jeder dieser 250 Räume einen Lüfter erhalten soll. Dem Landkreis sind hier die Kosten zu hoch. Es scheint, als hoffe mancher auf den Frühling und Sommer. Dann steigen die Temperaturen und die Infektionsrate sinkt. Das war ja schon im vergangenen Jahr so. Und dann? Dann kommen Herbst und Winter. Welche Auswirkungen die kalte Jahreszeit auf die Infektionsrate hat, haben wir alle in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt.

Der Sparkurs an den Schulen ist ein Spiel auf die Bank, in der Hoffnung, dass heuer die Pandemie endet. Als Einsatz in diesem Spiel ist die Gesundheit der Schüler gesetzt. Der Ausgang der Partie ist offen, es gibt zu viele Unbekannte. Wann die Pandemie endet, darauf mag sich nach wie vor kein Experte festlegen.

Was sich aber sagen lässt, ist dass das Virus heuer unseren Alltag nach wie vor prägen wird. Die Schulen stehen im Oktober dieses Jahres daher höchstwahrscheinlich vor den gleichen Problemen wie jetzt. Ob dann die Fördertöpfe noch gefüllt sind, ist zu bezweifeln. Ausbaden darf die Situation dann der Großteil der Schüler, während in der Standortkampagne des Landkreises die Qualität der Bildungseinrichtungen postuliert wird. Wenn der Landkreis dem Bild, das auf Plakatwänden in Großstädten zu finden ist, gerecht werden will, bleiben nicht viele Optionen. Beim Thema Gesundheit darf es ein "zu teuer" nicht geben.

J.Schlereth@infranken.de