Nach Königsberg wünschen sich auch die Fünf-Sterne-Gemeinden ein Naturparkzentrum, und zwar nahe Oberschleichach am Marswaldspielplatz. Damit lägen zwei Zentren, das für die Haßberge und das für den Steigerwald relativ nahe beieinander - was wegen der schnellen Erreichbarkeit touristisch nicht unbedingt ein Nachteil sein müsste. So sieht es aber der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus eher nicht. Trotzdem hatte seine Gemeinde mit guten Ideen und einer sehenswerten Präsentation die Bewerbung für das durch den Staat geförderte Naturparkzentrum Steigerwald ausgearbeitet und sich in Workshops vorgestellt. Stellvertretend für die "fünf Sterne im Steigerwald", die Stadt Eltmann und die Gemeinden Oberaurach, Rauhenebrach, Sand und Knetzgau. Drei andere Bewerber müssen die "fünf Sterne" ausstechen, die sich allesamt nicht mit einem Standort im Wald bewerben können, sondern allenfalls mit Gebäuden in der Stadt oder einem Gutshof. Die Stärke der eigenen Bewerbung liege, betonte Bürgermeister Stefan Paulus (CWG/SPD) die Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung am Montag darin, dass der Wald in dem Naturwaldreservat direkt erlebbar sei. Freilich sehen die anderen im Verein Naturpark Steigerwald möglicherweise mangelnde Besucherströme als Nachteil - läge der Standort (obgleich in der Nähe der A 70) doch verhältnismäßig abseits. Am Freitag, 30. Oktober, werden sechs Landräte im Naturparkverband eine Entscheidung treffen, sagte Paulus.

Hotel mit 21 Zimmern

Länger wurde im Gemeinderat über die Ansiedelung eines Hotels im Gewerbegebiet diskutiert. Ein Investor will in der "Seelohe" auf 1800 Quadratmetern ein Hotel mit 21 Zimmern erbauen. Das Hotel mit Vier-Sterne-Niveau soll nur online buchbar sein und ohne Rezeption auskommen. Zugang zum Hotel erhält der Gast per Pin-Code über sein Handy. Zielgruppe sind Monteure, Tagestouristen wie Radfahrer oder Lkw-Fahrer. Laut Bürgermeister Paulus bestehe hier eine Nachfrage. Gemeinderat Bernhard Jilke sah ein Hotel als Ergänzung zu den bestehenden Übernachtungsmöglichkeiten. Das Gremium begrüßte einstimmig den Neubau des Hotels.

Neun Hektar Photovoltaik?

Eine einstimmige Absage erteilte der Gemeinderat hingegen dem Bau einer Flächenphotovoltaikanlage entlang des Flurwegs zwischen Knetzgau und Zell südlich der Maintalautobahn. Eine Firma aus Nürnberg will hier auf neun Hektar Fläche die Anlage bauen. Das Projekt stieß auf Ablehnung, unter anderem weil es mitten im Naherholungsgebiet von Zell liegt. Außerdem hatte der Gemeinderat eine geplante Photovoltaikanlage in der Nähe bereits zuvor abgelehnt. Photovoltaikanlagen sollten besser auf Dächern gebaut werden, war der Tenor im Gremium. Mark Zehe regte an, einen Kriterienkatalog für den Bau derartiger Anlagen zu erstellen, um in Zukunft Entscheidungsprozesse zu vereinfachen.

Als Ortssprecher wurden Rudolf Symmank (Eschenau), Stefan Lindner (Unterschwappach) und Florian Storch (Hainert) vereidigt. Dem Abschluss einer Vereinbarung mit der Stadt Haßfurt über die Übertragung der Aufgaben des Standesamts stimmte das Gremium mit fünf Gegenstimmen zu. Die Gemeinde Knetzgau zahlt pro Jahr und Einwohner 1,95 Euro hierfür an die Stadt Haßfurt.

Um als Gemeinde ein Zeichen gegen Machtmissbrauch, Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen zu setzen stellte Paulus das Projekt "Gefangene/r des Monats" vor. Er will in jeder Gemeinderatssitzung einen Fall vorstellen, der Unterstützung verdient. Als ersten Fall stellte Paulus eine Gefangene vor, die von Amnesty International unterstützt wird. Es handelt sich um die Menschenrechtsanwältin Nasrim Sotudeh aus dem Iran, die zu 38 Jahren Haft verurteilt wurde und 148 Peitschenhieben, weil sie unter anderem gegen die Zwangsverschleierung von Frauen protestierte. Ein Brief an die iranische Botschaft in Berlin fordert ihre Freilassung. Kopierte Exemplare des Briefes werden in allen gemeindlichen Einrichtungen ausliegen. Bürger können den Brief unterschreiben und an die Botschaft senden. Die Aktion geht bis 18. November.

"Fair Trade-Stadt"

Knetzgau will - wie rund 900 Kommunen in Deutschland - eine "Fair Trade-Stadt" werden. Im Landkreis gehören Eltmann und Ebern dazu. Ziel ist es, fair gehandelte Produkte, die den Erzeugern einen fairen Preis bieten, in der Gemeinde anzubieten. Dazu gehören auch Aktionen wie Aufklärungsarbeit, Diskussionen oder kirchliche Veranstaltungen, begleitet von Öffentlichkeitsarbeit. Als ersten Schritt will die Gemeinde nur fair gehandelten Kaffee, Zucker und Orangensaft kaufen.

Mark Zehe wurde zum Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses gewählt. Zweiter Vorsitzende wurde Martina Döllner. Die neu gewählten Feuerwehrkommandanten Tobias Steinmetz und Gerhard Beck aus Wohnau wurden in der Sitzung bestätigt.