Carmen schwind Ein Spaziergang durch den Wald tut gut, das wissen wir. Doch wie wäre es, nicht einfach nur durch den Wald zu laufen, sondern einzutauchen in die besondere Atmosphäre des Waldes - innezuhalten, den würzigen Geruch einzuatmen, das Licht, das durch die Blätter dringt, zu bewundern, die sich wiegenden Baumwipfel zu beobachten oder bemerken, dass der Boden unter den Füßen federt?

Den Wald bewusst genießen kann man nun auch in Ebermannstadt beim so genannten "Waldbaden". Angeboten wird dieser Genuss als Seminar von Helga Kuplich-Schramm. Entwickelt wurde das Waldbaden in Japan von Qing Li, einem Wissenschaftler der Nippon Medical School in Tokio. Er nannte seine Methode Shinrin-yoku, "Luft-Bad".

"Ich stamme aus einer Landwirtschaft. Als Kinder durften wir im Herbst im Wald unserer Familie das Laub zusammenrechen, das dann im Stall verwendet wurde", erzählt Helga Kuplich-Schramm; daran habe sie sehr positive Erinnerungen. Sie fühlte sich leicht, hatte Spaß an der Arbeit und spürte kindliche Leichtigkeit: "Ich mochte die Gerüche und wir haben Waldpilze gesammelt und sie dann zuhause genossen." Auch zu anderer Jahreszeit halfen die Kinder im Wald und lachten viel.

Von Ihren Eltern lernte Helga Kuplich-Schramm auch die Liebe und den Respekt zur Natur. "Wir haben von der Natur gelebt und waren abhängig davon. Zum Beispiel gab uns das Holz des Waldes im Winter Wärme. Und die Äcker gaben uns Nahrung", erklärt sie. Doch über die Jahre veränderte sich ihr Zugang zur Natur.

Nach 16 Jahren Krisenarbeit beim Verein für Trauerarbeit "Consolare" hatte sie ein Ventil gesucht, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Im Buchladen stieß sie auf ein Buch über Kraftplätze und eines zum Waldbaden und erinnerte sich wieder an die schönen Kindheitserlebnisse im Wald. Sie ging ganz bewusst in den Familienwald, um eben in diese besondere Atmosphäre einzutauchen. "Es war am Anfang gar nicht so leicht, die Ruhe auszuhalten. Dann hörte ich unbekannte Geräusche und war unsicher. Und als sich die Leichtigkeit versuchte einzustellen, war ich das erst gar nicht gewohnt", berichtet Helga Kuplich-Schramm. Doch dann merkte auch sie, wie gut ihr das Waldbaden tat und sie konnte es genießen. "Gerade in der heutigen Zeit der Reizüberflutung tut das Waldbaden gut. Wir spüren uns im Hier und Jetzt. Die frische Luft tut gut, wir nehmen Sauerstoff auf und die Waldfeuchtigkeit macht die Atemwege frei", schildert die Ebermannstadterin ihre Erfahrungen.

Sie empfiehlt, das Waldbaden einmal auszuprobieren. Das könne man einfach auch alleine machen. Für Menschen, die geführt werden möchten, bietet sie Kurse an. "Die sind nicht anstrengend. Man muss keine Angst haben, denn man ist nicht alleine im Wald. Und ich mache mit den Teilnehmern Atemübungen zum Entschleunigen", erklärt Helga Kuplich-Schramm und zählt kurz die einzelnen Schritte des Basiskurses auf: Zuerst laufen die Teilnehmer einen "Entschleunigungsweg" im Wald. Der nächste Schritt ist das bewusste Ankommen und Spüren der Waldatmosphäre. Dann werden Atem- und Entspannungsübungen gemacht und es wird versucht, mit allen Sinnen zu genießen.

In weiteren Kursen wird das mit Lyrik und Sammeln von Naturmaterialien kombiniert. Das Waldbaden in Ebermannstadt dauert etwa zwei Stunden.

"Den Menschen soll bewusst gemacht werden, wie schnell etwas passieren oder sich im Leben verändern kann. Beim Waldbaden wollen wir genießen, dass wir hier sind, und dass es uns gerade gut geht", sagt Helga Kuplich-Schramm und weist auch auf die Umweltveränderungen hin. Ihr ist wichtig, dass die Menschen wieder sorgfältig mit ihrer Umwelt umgehen und der Natur Achtung und Respekt entgegenbringen. Egal, ob sie alleine im Wald "baden" oder in einer Gruppe; wenn sie es bewusst tun, kann das gut für sie selbst und die Natur sein.