Globaler Handel und globaler Reichtum erfordern globale Gerechtigkeit - dieser Kernsatz aus der Rede von Margit Wünsche zum zehnjährigen Bestehen des Weltladens in Forchheim ist die Überzeugung, die die inzwischen 26 ehrenamtlichen Helfer antreibt, sich für den Vertrieb von fair gehandelten Produkten einzusetzen und mit dem Mehrpreis das Überleben vieler kleinbäuerlichen Familien abzusichern und deren Bildungschancen zu ermöglichen.
Margit Wünsche ist die Vorsitzende des Weltladen-Teams. Sie freute sich, in der "Fair-Trade-Town" Forchheim viele Besucher zu dem Jubiläums-Akt in der Stadtbücherei begrüßen zu können. "Mit so einem Echo haben wir gar nicht gerechnet" bekannte sie.


50 000 Aktiven

Aber es war für sie die Bestätigung dafür, dass der Verkauf im Weltladen in der Sattlertorstraße auf eine so große Resonanz stößt "und dass wir so oft präsent sind". Ob in den Schulen, in Pfarreien, beim Kreisjugendring oder beim Kinder-Projekt "Ministadt Forchheim". Wünsche ging auf die Entwicklung des ehemaligen "Dritte-Welt-Ladens" und das Wachsen des "fairen Gedankens" in Forchheim ein und listete auf, dass es in Deutschland 800 Weltläden mit 1000 Aktionsgruppen und 50 000 Aktiven gibt.
Bürgermeister Franz Streit wertete das Jubiläum als klares Signal, "dass das Thema fairer Handel in Forchheim dauerhaft verankert werden konnte". Respekt und Dank sagte er allen ehrenamtlichen Helfern. "Handel kann Partnerschaft und Weiterentwicklung bedeuten", betonte er, und in diesem Sinne hätten die Mitarbeiter neben dem Warenverkauf auch eine Bewusstseinsbildung erfahren.


Das Recht, mehr als satt zu sein

Das Grußwort des Trägervereins "Solidarität in der Einen Welt" übermittelte der Mitbegründer Ulrich Frey vom Weltladen Regensburg e.V. Begonnen habe alles 1983 in Amberg, berichtete er. Heute sei man das Dach für 14 Weltläden und betreibe eine Partnerschaft mit Kenia.
"Jeder Mensch hat ein Recht auf gerechten Lohn für seine Arbeit. Aber er hat ein Recht mehr als satt zu sein, nämlich auf Bildung und auf Gesundheit" umriss er Prinzipien der Bewegung.
Wie nach einem tragischen Ereignis - ein junger Abenteurer aus Deutschland wird im peruanischen Bergregenwald von einem reißenden Fluss mitgerissen - die Familie Kontakt zu Bauern bekommt, die in der üblichen kleingliedrigen Landwirtschaft Kaffee und Kakao anbauen, daraus eine Stiftung "Frederic - Hilfe für Peru" entsteht und die Menschen vor Ort über ein Mikrokredit-System eine ökologische Landwirtschaft aufbauen können und letztendlich die Vermarktung des Chuncho-Urkakao gelingt - davon erzählte Arno Wiegloss aus Frankfurt im "Festvortrag".
Im Grunde war es ein Exkurs über die Bedrohung und den Raubbau am Regenwald, nicht nur in Lateinamerika, über das Bemühen eines fairen Handels, für den die Anfangshürden "Fair trade" oder "Eurobio" für die Produzenten viel zu hoch sind, so Wielgoss, und die fatalen Folgen der Rodung "Wald wird Land" für den Klimawandel. China mit seinem Griff nach Holz und Bodenschätzen sei derzeit die große Bedrohung, aber auch die kontinuierliche Brandrodung durch die einheimischen Bauern auf der Suche nach Weideflächen sei Fakt.
Ein Vortrag, bei dem man hätte Überlänge anmahnen können, aber das Publikum folgte gebannt den Ausführungen Wiegloss, der mit seinen Eltern regelmäßig vor Ort ist. Er stellte resümierend fest: "Weil wir nicht akzeptieren wollten, dass die von uns unterstützten Kleinbauern in Peru, trotz Bio- und Fair-Traide-Zertifizierung keine gerechten Preise erzielen konnten, haben wir 2015 die Pero Puro GmbH gegründet". Jetzt wird vor Ort Rohkakao bezogen, verarbeitet und vermarktet. Die Preise für liegen deutlich über Welthandelsniveau.
Mike Wuttke