Es ist der peinliche Klassiker beim Einkauf: Das Marmeladenglas rutscht aus der Hand und zerbricht - wer zahlt den Schaden? Bei Unachtsamkeit ist der Kunde zwar, ebenso wie bei Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz, zum Ersatz verpflichtet, doch lassen die Supermarktbesitzer in der Regel Kulanz walten und übernehmen kleinere Schäden selbst.
Darauf macht Simone Napiontek, Leiterin der Beratungsstellen Bamberg/Forchheim/Ansbach des VerbraucherService Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) aufmerksam. Sie gibt Tipps für den Umgang mit brenzligen Situationen beim Einkaufen im Supermarkt.
Anfassen, öffnen, probieren - jeder Supermarktkunde darf natürlich die Ware vor dem Kauf genau begutachten, ob sie einwandfrei ist und seinen Erwartungen entspricht. Ein behutsames Öffnen der Verpackung ist aber nur zulässig, wenn sie unversehrt wieder verschlossen werden kann. Eine Müslipackung darf folglich nicht aufgerissen und wieder ins Regal zurückgelegt werden - das wäre Sachbeschädigung.
Auch wenn man die Kekspackung auf jeden Fall kaufen will, ist Öffnen und Naschen noch vor dem Bezahlen nicht erlaubt. Denn die Ware bleibt so lange Eigentum des Supermarktes, bis sie bezahlt ist. Besser ist es, einen Mitarbeiter kurz um Erlaubnis zu fragen, bevor man vorzeitig reinbeißt.


Fühlen erlaubt - Essen nicht

Bei Obst und Gemüse gilt: Vorsichtiges Betasten, um den Reifegrad zu testen, ist erlaubt. Probieren, ob das Aroma der Erdbeeren stimmt, gilt dagegen strenggenommen als Diebstahl. Also besser das Verkaufspersonal um Erlaubnis bitten oder sich auf das Verkosten an Aktions-Probierständen beschränken.
Der Supermarkt muss für eine hygienische Entnahme von unverpacktem Brot, Brötchen und Kleingebäck am Selbstbedienungsregal sorgen: Klappen und Entnahmezangen verhindern unnötiges Berühren. Das Zurücklegen entnommener Ware ist nicht erlaubt, was durch Rücklegesperren und Hinweise verhindert werden soll.
Kein Problem ist das Öffnen eines Eierkartons zum Kontrollieren der Eier. Allerdings dürfen keine Eier aus verschiedenen Kartons ausgetauscht werden, sonst stimmen unter Umständen die Angaben auf dem Karton wie Herkunft oder Mindesthaltbarkeit mit dem Ei nicht mehr überein. Also dann lieber die Mitarbeiter auf beschädigte Ware hinweisen.
Viele Kunden möchten den Verpackungsmüll reduzieren. Obst und Gemüse ohne extra Plastiktüte einzukaufen stellt meist kein Problem dar - Wurst und Käse an der Frischetheke direkt in mitgebrachte Behälter füllen zu lassen aber schon. Denn das erlauben die Hygienevorschriften nicht. Das sehen die zuständigen Behörden sehr eng.
Metzger und Händler müssen eine einwandfreie Hygiene hinter der Verkaufstheke garantieren. Da für mitgebrachte Dosen keine Sauberkeitsgarantie gegeben werden kann, dürfen diese nicht hinter die Theke gelangen. Manche Theken behelfen sich im Moment mit sogenannten Theken-Tabletts, auf die die Kundenbehälter gestellt und dann befüllt werden, um anschließend an den Kunden zurückgereicht zu werden.
Bei mangelhafter Ware ist der Supermarkt zum Umtausch oder zur Geldrückgabe verpflichtet. Nicht so bei einem Fehlgriff seitens des Verbrauchers. Hier tauscht der Laden meist aus Kulanz das Nuss- gegen das Früchtemüsli um. Bei Kühlprodukten kann er das wegen der unterbrochenen Kühlkette allerdings nicht machen.


Verfallsdatum nicht verwechseln

Zählen Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum als mangelhafte Ware? Wichtig: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum. Deshalb sind Lebensmittel, bei denen lediglich ein MHD angegeben ist, mit Ablauf des Datums nicht ungenießbar, sondern haben eventuell nur bei Konsistenz und Geschmack eingebüßt.
Deshalb folgt daraus auch kein Verkaufsverbot. Auch der Preis muss nicht reduziert werden, obwohl dies die Händler für einen schnellen Abverkauf meistens tun. Dabei obliegt dem Händler jedoch eine erhöhte Verantwortung. Er muss sich sorgfältig über die Beschaffenheit des Lebensmittels vergewissern und, sofern eine Wertminderung eingetreten ist, dies kenntlich machen. red