Ein altes, unbewohntes Bauernhaus im Neuenmarkter Ortsteil Hegnabrunn war in den letzten Tagen Schauplatz für die Produktion eines Musikvideos. Die Band "Oporto" kam nicht von ungefähr auf das Bauernhaus, denn ihr Drummer Kilian Pistor stammt aus der Gemeinde Neuenmarkt und seine Eltern Ralf und Angela Pistor haben vor einigen Jahren die Immobilie erworben, um sie in den nächsten Jahren für Wohnzwecke zu sanieren.

Mit dem Musikvideo will die Band "Oporto", die in Bamberg zu Hause ist, neue Wege gehen, denn inzwischen profitieren auch Newcomer, Solokünstler, lokale Bands sowie Alleinunterhalter von einem eigenen Musikvideo. Für zwei Tage wurde das Bauernhaus zweckentfremdet, dabei nicht gerade unter idealen Bedingungen, denn im ganzen Haus war nur ein Ofen, der den Akteuren zum Aufwärmen diente, und draußen herrschten noch winterliche Temperaturen.

Bei der Band "Oporto‘" liegen die Wurzeln in der Straßenmusik, mit Steinen in den Schuhen und mindestens einem Auge, das nach dem Ordnungsamt schielt, die die Musik von "Oporto" auch so maßlos und so zügellos machen. "Oporto" hören bedeutet immer auch aufzusatteln und sich selbst der an Rock'n'Roll, Mississippi Blues, 60s-Folk und Heavy Metal geschulten Liebe zum rhythmischen Ausbruch zu überlassen. Entsprechend orgiastisch gerät das Publikum bei den Konzerten der fünfköpfigen Band aus Bamberg in Zustände, die sonst nur von kaum auffindbaren Schamanen provoziert werden können. Dabei gelingt der Band um Sänger Armano Persau, dessen Stimme nicht nur ins Mark fährt, sondern das Mark gleich komplett ersetzt, immer die Balance zwischen kontrolliertem Können und emotionalem Ausbruch.

"Oporto", das sind Armano Persau (Gesang, Gitarre), André Lautner (Gitarre), Rebekka Wagner (Violine), Markus Erhardt (Kontrabass) und Kilian Pistor (Schlagzeug). Die Band wurde 2013 als Gitarrenduo gegründet und spielt nach stetigem Wachstum seit 2019 in dieser Besetzung zusammen.

Zurück zu dem Musikvideo, das in einem Kurzfilm ein Musikstück filmisch umsetzt. Meist dauert es genau so lang wie das Stück und wird als einzige Tonquelle genutzt. Ein Bestandteil der meisten Musikvideos ist die Inszenierung des Künstlers, zumeist bei der Darbietung des Stücks. Bei "Oporto" war es unter anderem ein Schmied, der in seiner alten, verrauchten Schmiedewerkstatt ein Werkstück bearbeitete. Kilian Pistor war bei dem Video als Schmied auserwählt worden: "Im Mai dieses Jahres wird das erste Album in der aktuellen Besetzung kommen, und deshalb betreiben wir jetzt auch den Aufwand, Musikvideos zu drehen. Hier in dem Bauernhaus wird nur eine Szenerie gedreht und da geht es nur um Bilder, die den Song ein bisschen untermalen. Wenn du heute als Band was erreichen willst, dann geht das nur über Online-Geschichten und da ist es auch wichtig, qualitativ hochwertige Videos zu haben, die nicht einfach mit einer Handy-Kamera gedreht sind."

Am Samstag wurde alles vorbereitet und hergerichtet und der alte Schweinestall wurde schnell zur Schmiedewerkstatt umgebaut, in der auch die Spinnweben nicht fehlen durften. Am nächsten Tag wurden dann Stück für Stück die einzelnen Szenen über zwei, drei Stunden eingefangen.

Kilian Pistor zur Frage, wie so ein Video entsteht: "Das wächst und da kommt mal eine Idee zur nächsten, und es ging auch darum, dass die ganze Szenerie diffus und geisterhaft wirken sollte und wir Musiker in einem düsteren Bereich sind. Und es war natürlich von Vorteil, dass wir dafür ein altes Gemäuer hatten, das schon mit einer gewissen Patina daherkommt." Im Schweinestall wurde ein Amboss und verschiedenes Schmiedewerkzeug aufgebaut und noch weitere Ecken für einzelne Szenen eingerichtet. Natürlich kostet auch dieser Video-Clip Geld, doch hier wurde ein Antrag auf eine Förderung bei einer privaten Musikinitiative eingereicht, wie Rebekka Wagner berichtete, die in der Band die Geige spielt.

Die letzten beiden Jahre waren für die Band eine harte Zeit, denn coronabedingt kam es nur zu wenigen Auftritten. Die Film-Crew bestand aus Kilian Keuchel (Regie und Schnitt), Nico Lindner (Kamera) und Katharina Schwabe (Special Effect Make-up). Kilian Keuchel betreibt den Job professionell: "Ich bin über eine andere Band zu der Aufgabe gekommen und bin hier für die Regie zuständig. Ich habe diesen Video-Clip ausgearbeitet, der dann mit allen Akteuren zusammengeführt wird. Was ich bisher gesehen habe, läuft alles hervorragend und jeder ist super motiviert. Wir haben leider kein großes Budget, um mehrere Tage drehen zu können, es muss alles in einem Tag abgeschlossen sein."