Biber sind streng geschützt. In Bayern galten die Nager über 100 Jahre lang als ausgestorben. Nun machen sie sich wieder breit. Das gefällt nicht jedem. Der begabte Baumeister besiedelt immer mehr Naturräume. Im Landkreis Haßberge haben die Biber ihre Reviere innerhalb der vergangenen vier Jahre auf nunmehr 142 verdoppelt. Mit seiner regen Bautätigkeit und seinen Dammbauten geraten die Tiere in Konflikt mit Landwirten und Fischteichbesitzern. Um die Probleme zu lösen, hat nun der Umwelt- und Werkausschuss des Kreistages Haßberge empfohlen, eine zweite Biber-Beratungsstelle einzurichten.

Verwaltungswirtin Ramona Hauck, Sachgebiet Wasserrecht und Naturschutz im Landratsamt, erläuterte den Kreisräten bei der Sitzung in Haßfurt die Problematik der Populationszunahme. Der Biber sei 1966 wieder in Bayern angesiedelt worden; in Unterfranken seien 1990 die ersten Tiere aufgetaucht. Diese Zahl sei über 426 Tiere (2010) auf nunmehr 2317 Tiere, verteilt auf 702 Reviere, angestiegen, erfuhr der Ausschuss.

Im Landkreis Haßberge ist der erste Biber im Jahr 2002 bei Sand entdeckt worden. Der Nager hat sich vom Maintal in die anderen Gewässer ausgebreitet. Fand man 2016 noch 70 Biberreviere vor, waren es 2018 schon 112, und 2020 geht der Landkreis von 142 Biberrevieren aus. "Damit hat sich die Zahl innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt, und das ist ein starker Anstieg. Gleichzeitig werden damit auch immer mehr kleinere Gewässer besetzt und biberfreie Gewässerabschnitte werden immer weniger", sagte Ramona Hauck. Mittlerweile sind nach ihrer Darstellung neben den Bächen auch Kläranlagen, Fischteiche, Nutzflächen und private Gärten betroffen.

Gegenmaßnahmen sind nach ihrer Aussage teilweise schwer möglich, weil der Biber unter strengem Naturschutz stehe. "Gerade deswegen ist dringend Beratung notwendig. Mit Biberberater Wolfgang Lappe haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Er nimmt uns sehr viel Arbeit ab und kommt auch bei den Bürgern gut an. Eine flächendeckende Beratung des gesamten Landkreises ist aber aus Zeitgründen und wegen der langen Fahrwege nicht möglich und deswegen sprechen wir uns für einen zweiten Biberberater aus", erklärte Hauck.

Der Kreisrat und Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Klaus Merkel (CSU), sieht besondere Probleme durch den Biber nicht nur in der Landwirtschaft, sondern vor allem an den Gewässerstreifen. "Die Biber sind inzwischen so zahlreich, dass ich nicht glaube, dass es noch freie Stellen gibt. Ich sehe sogar beim Mulchen die Biber im Fluss schwimmen, und wenn ich mit dem Schlepper fahre, muss ich Angst haben einzubrechen. Es gehört eine Biberbeseitigung her, nicht ein Biberberater", forderte der Landwirt.

Räumliche Zuteilung

Kreisrat Claus Bittenbrünn aus Königsberg (CSU) bestätigte: "Da kann uns der Berater nicht helfen. Wir in Königsberg haben schon mehr Biber als Feldhasen. Wir haben massive Probleme mit Wegen, die unterhöhlt sind, und da weiß ich nicht, was ein Berater tun soll."

Den Kreisrat Bernhard Jilke (FDP/FB) interessierte, wie bei dieser Beratung der südliche Landkreis abgedeckt werde. Dazu führte Ramona Hauck aus, dass der Landkreis bereits über fünf Naturschutzwächter-Stellen, eine Wespen- und Hornissenberaterstelle und einen Biberberater verfüge. Biberberater Wolfgang Lappe sei bisher vorwiegend im östlichen Bereich tätig gewesen und übernehme nun die Gemeindegebiete der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern, der Gemeinde Untermerzbach sowie der Marktgemeinde Maroldsweisach. Der zweite Biberberater wäre dann für den Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim sowie die Stadt Königsberg vorgesehen, während den südlichen Landkreis weiterhin die amtlichen Naturschutzfachkräfte der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes betreuen.

Aufgabe der Biberberater sei es, über Gefahrenquellen in Konfliktbereichen, Schadensbilder, Abhilfemaßnahmen sowie Fördermöglichkeiten zu informieren. Seit zehn Jahren sei das bayerische Bibermanagement etabliert, dessen Ziel es ist, schadensbedingte Konflikte möglichst zu verhindern oder zu minimieren und gleichzeitig einen günstigen Erhaltungszustand der bayerischen Biberpopulation sicherzustellen.

"Die starke Population wirft sehr viele Probleme auf. Auch in den Bauhöfen oder in den Kläranlagen haben die Gemeinden ständig damit zu tun, genauso wie die Landwirtschaft", fasste der Landrat Wilhelm Schneider (CSU) zusammen. "Die Biber sind nun einmal da, und deswegen ist die Beratung besonders wichtig."

Für die Stelle ist eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 150 Euro vorgesehen. Der Biberberater wird an der bayerischen Akademie für Naturschutz und Landespflege in einem mehrtägigen Lehrgang ausgebildet. Der Ausschuss stimmte der Schaffung der zweiten Stelle bei zwei Gegenstimmen zu. Ganz aktuell kam jetzt aus dem bayerischen Umweltministerium in München die Meldung, dass die Ausgleichszahlungen für Biberschäden in Bayern zum 1. Januar 2021 um 100 000 Euro auf jährlich jetzt 550 000 Euro erhöht werden.