Roland Schönmüller Landkreis Kronach —  Hält der Lockdown noch in der Weihnachtszeit an? Werden die Winter-Ferien verlängert? Christbäume zu Hause und auf öffentlichen Plätzen ja, aber ohne Märkte, Meetings und Metten? Das sind derzeit angesichts der Corona-Pandemie aktuelle Überlegungen in der Politik, Wirtschaft, (Vereins-)Kultur, Gesellschaft und bei den Kirchen. Mit Wehmut denkt man frühere Jahre.

Wenn Ende November das alte Kirchenjahr zu Ende ging, freute sich jeder auf die kommende Advents- und Weihnachtszeit. Der trist anmutende, oft nebelige Allerseelen-Monat war nun bald vorbei und die angezündeten Kerzen und Laternen erhellten zu Hause im Flur und in der Wohnung mit einem besonderen vorweihnachtlichen Glanz manche Räume - und auch die Herzen. Noch klang ein wenig das Evangelium des letzten Sonntags im alten Kirchenjahr nach, wo die Rede war von Endzeit, Weltuntergang und Jüngstem Gericht. Statt apokalyptischem Endgericht nun vorweihnachtlicher Hoffnungsschimmer.

Doch am ersten Adventssonntag schob man das Endgericht und das Bild von den dunklen Wolken getrost beiseite. Der Pfarrer sang mit Kindern, Jugendlichen, Ministranten und erwachsenen Gläubigen das mutmachende Lied "Tauet Himmel, den Gerechten". Freude und Hoffnungsschimmer im beginnenden, neuen Kirchenjahr überlagerten so die vorher düsteren, manchmal Angst einflößenden Gedanken.

Einen Lichtblick bildeten auch die in Gottes- und Privathäusern aufgestellten Adventskränze. In den 1960er Jahren wurden sie seltener fertig gekauft, eher selbst gestaltet: Man befestigte die Tannenzweige mit Draht um einen Strohkranz und fixierte per Nagel-Halterung vier Kerzen, meist in roter Farbe, auf dem mit Schleifen umwickelten Kranz.

Lieder und Geschichten

War bei den Kindern und Jugendlichen am späten Nachmittag die Hausaufgabe erledigt, kam nach einem Spiel-Aufenthalt im Freien die hereinbrechende Dämmerung oft schneller als erwartet. Bei Tee und Butterkeksen wurden die Kerzen des Adventskranzes im Lauf der nächsten vier Wochen angezündet, dabei musiziert oder Adventslieder gesungen, besinnliche Geschichten vorgelesen oder in Anwesenheit der Großeltern von früher erzählt.

Im Mittelpunkt standen Grusel-Geschichten, Unheimliches, Rätselhaftes, spannende Sagen, die Bezug nahmen zu Land und Leuten, besonderen Orten und Erscheinungen. Die Oma erzählte gern selbst solche Episoden von früher und bestand darauf, diese selbst erlebt zu haben. Da war stets Spannung und ein Gänsehaut-Effekt bei den meist jungen Zuhörern zu verspüren und der Fernseher hatte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Chance, eingeschaltet zu werden.

Die Barbarazweige

Die Advents- und Weihnachtszeit war früher für alle eine besondere Zeit. Begeistert pflegte man in der Familie, in der Schule und im Dorf Bräuche und Traditionen, die unvergesslich blieben. Beispielsweise durften die Barbarazweige, aufgestellt am 4. Dezember, nicht fehlen. Alljährlich blühten die Obstzweige an Weihnachten wie durch ein Wunder.

Der Nikolaus in der Schule war für die meisten Kinder ein nachhaltiges Erlebnis, auch wenn er mit seinem Knecht Ruprecht am sechsten Dezember außerdem im nächtlichen Ort unterwegs war und sich mehr als Schreckgestalt als ein Gabenbringer präsentierte. Nachhaltig in Erinnerung blieben sicherlich vielen heutigen Sechzigjährigen die (Vor-)Weihnachtsfeiern in den Klassenzimmern oder Turnhallen, verbunden mit dem einen oder anderen Auftritt vor interessiertem Publikum.

Das Plätzchenbacken in der Familie wurde früher eifrig betrieben: um die Teig-Stechformen Herz, Stern, Glocke, Baum und Co. gab es unter Geschwistern immer wieder ein quirliges Gerangel. Auf Lebkuchen aus der Bäckerei freuten sich jung und alt schon Monate vorher: Die gab es damals aber erst im Dezember.

Weihnachtskrippen kennt man heute fast nur noch von Kirchenbesuchen, das Aufstellen der Figuren im familiären Wohnzimmer neben dem Christbaum und rund um den "Stall von Bethlehem" sowie das Dekorieren mit echtem Waldmoos war vor sechs Jahrzehnten wirklich noch gang und gäbe.

"Das Christkind war da!"

Der Heilige Abend mit der Bescherung und der Ausspruch "Das Christkind war da!" ist vielen Senioren noch heute in nachhaltiger Erinnerung und wird gerne erzählt - verbunden mit anderen Weihnachtserlebnissen aus guten und schlechten Nachkriegs-Zeiten. Hierzu gehört als markante Ereignisse auch der Besuch der nächtlichen Christmette in der Kirche und von weiteren Weihnachtsgottesdienste.

Fazit: Viel zu schnell vergingen auch in den sechziger Jahren die Weihnachtsferien mit dem nachfolgenden Silvester, Neujahr und Dreikönigsfest. Spannende und besinnliche Momente blieben aber meist unvergessen.