Der braune Hut passt zu den langen dunkelblonden Locken, die unter ihm hervorschauen. Sie fallen auf ein olivgrünes Hemd herab, auf dessen Brusttasche ein Schild prangt: "Ranger – Naturparke in Bayern" steht in schwarzen Buchstaben auf grünem Grund. Zudem trägt Katja Winter grüne Hosen und festes Schuhwerk. Das sympathische Lächeln im Gesicht der Zeilerin rundet den Auftritt der neuen Naturparkrangerin des Naturpark Haßberge e.V. ab. Sie ist seit Beginn des Jahres im Amt. Erst seit der "Naturoffensive Bayern" aus dem Jahr 2018 gibt es Ausschreibungen für Rangerstellen in Naturparks – zuvor waren sie überwiegend in Nationalparks zu finden.

Besucherlenkung in der Natur

Die Aufgaben Winters sind vielfältig. Beispielsweise hilft sie teilweise bei der Besucherlenkung mit. Die umfasst im Naturpark neben den zahlreichen Informationstafeln, Beschilderungen und Sitzgelegenheiten auch die Pflege der Wanderwege. Die ist bei einem Wanderwegenetz von über 1200 Kilometern im Naturpark Haßberge ein Mammutprojekt. Die 37-Jährige hat also ordentlich zu tun.

Der Schwerpunkt der Rangerin liegt aber auf der Naturbildung. "Ich nehme sozusagen die Vermittlerrolle zwischen der Natur und der Öffentlichkeit ein", beschreibt sie einen Teil ihrer Arbeit.

Neben öffentlichen Führungen plant sie vor allem viele Projekte mit Schulen und Kitas in der Gegend. Die wären auch schon angelaufen – Corona machte den Kindern und der Rangerin aber einen Strich durch die Rechnung. "Ich gebe Gegenstände aus der Natur in der Gruppe herum – das ist momentan etwas schwierig", erklärt Winter ein wenig resigniert. Begeisterung keimt aber wieder auf, als sie von vergangenen Projekten spricht: "Da gibt es dann schon mal einen Aha-Effekt bei Pflanzen oder auch mal lustige Fakten über Tiere."

Wildnistouren in Schweden

Die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist für sie nicht neu: Nach ihrem Diplomstudium der Umweltwissenschaften mit den Schwerpunkten Umweltkommunikation und Naturschutz an der Universität in Lüneburg – mit einem Praxissemester im Grand Canyon – sammelte sie sehr viel Praxiserfahrung in diesem Bereich. So leitete sie beispielsweise 14-tägige Wildnistouren mit Kindern und Jugendlichen in Schweden: "Mit einem schweren Rucksack durch die unberührte Natur – das kann schon auch anstrengend sein", sagt sie und lächelt. Auch in der Eifel oder beim Life Naturprojekt "Main Muschelkalk" im Würzburger Raum hatte sie Stationen. Dabei gestaltete sie auch Seminare für Erwachsene rund um das Thema Natur.

Das umfasst mehr als nur den Wald: Wiesen, Wasser aber auch Kultur. Letztere sei in den Haßbergen nicht vom Naturpark zu trennen, erklärt die Zeilerin. Der zeichne sich durch Schutz und Nutzung aus. Dass sich das nicht ausschließt, lasse sich beispielsweise an Formen der extensiven Beweidung in Naturschutzgebieten zeigen, weiß die Rangerin. Hierdurch würden Naturflächen nachhaltig offen gehalten. Das sei ein großer Gewinn für die Artenvielfalt , weiß die Rangerin. Die Insektenvielfalt profitiere beispielsweise immens davon, ergänzt sie.

Derartiges Wissen und noch viel mehr will die 37-Jährige weitergeben. So möchte sie bei den Menschen ein Verständnis für die fränkische Kulturlandschaft entwickeln – die ist sehr kleinteilig und vielfältig: "Blühende (Streuobst-) Wiesen, naturnahe Bachtäler, historische Weinberge, ausgedehnte Wälder und ein Mosaik an verschiedensten Lebensräume am Haßbergtrauf", zählt sie einige Beispiele auf. Entsprechend sei auch die Vielfalt der lokalen Flora und Fauna sehr groß.

Wildkatzenpfad bei Ebern

Die biologische Vielfalt ist auf einigen Erlebnispfaden im Naturpark erlebbar. So können vor allem Familien auf dem "Wildkatzenpfad bei Ebern oder auf der "Natour" bei Königsberg mit Spaß und Entdeckergeist die Natur erleben.

Beides scheinen in Zeiten der Pandemie immer mehr Menschen zu entwickeln – selbst Jugendliche. Der Wald wird als Naherholungsziel durch die Kontaktbeschränkungen immer beliebter. "Ich hoffe, dass das direkte Naturerlebnis bei dem einen oder anderen zu einer längerfristigen Naturbegeisterung führt", sagt Winter.

Für sie liegen die Vorteile eines Aufenthalts im Grünen auf der Hand: Neben der guten Luft, der ausgewogenen Stille, aber auch den angenehmen Geräuschen und der großen Vielfalt ist es auch der gesundheitliche Aspekt, der eine Rolle spielt. "Wir sollten uns vor Augen führen, was wir für ein wahnsinniges Glück haben, solch eine Landschaft vor der Haustür zu haben", schwärmt sie. Folglich ist es naheliegend, dass sie ihre Arbeit gerne macht. "Das ist ein absoluter Traumjob", schwärmt sie strahlend.

Weiter Einblicke in diesen sowie in den Naturpark Haßberge gibt es am Sonntag, 5 Juni um 15.15 Uhr, wenn der Bayerische Rundfunk einen Fernsehbeitrag zu diesem Thema ausstrahlt.