von unserer Mitarbeiterin Sylvia Hubele

Hemhofen — Das Bild, mit dem Vera Schiller den ersten Platz in der Kategorie "Illustration" belegte, malte sie zu Hause, erzählte ihr Vater, Dirk Schiller. Seit zehn Jahren malt die inzwischen 17-jährige Schülerin, die auf das Gymnasium Höchstadt geht, und besuchte deswegen sogar eine Kunstschule. Seit der Oberstufe hat sie dafür keine Zeit mehr, doch für das Malen zu Hause nimmt sie sich welche.
Zwei junge Frauen sind zu sehen, die ihre Köpfe zusammenstecken und die eine Freundschaft verbindet, obwohl beide auf einen schrecklichen Hintergrund blicken: So stellte sich Vera Schiller die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel vor. Am Mittwoch bekam die junge Frau im Berliner Reichstag anlässlich des Festaktes den von der SPD-Bundestagsfraktion verliehenen Otto-Wels-Preis überreicht: Vor fünfzig Jahren nahmen Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen zueinander auf. Die bekannte Schauspielerin Iris Berben hielt die Laudatio, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier überreichte den Preis.
"Es war sehr beeindruckend", konstatierte Vater Dirk. Schon den ganzen Tag war Programm für die jungen Preisträger, die alle im Alter zwischen 16 und 20 Jahren waren. Sie sprachen mit den Mitgliedern einer israelischen Delegation, sahen einen Film, nahmen an einer Diskussionsrunde mit Avi Primor teil, israelischer Botschafter in Deutschland von 1993 bis 1999, bevor es zur Preisverleihung ging. Steinmeier fragte nach, ob die Schülerin ihr Bild wirklich mit der Hand gemalt habe. Sie gab zur Antwort: "Am Anfang war einfach ein weißes Blatt Papier."

Eigene Sicht der Dinge

Vera mache sich immer ein eigenes Bild von den Dingen, erzählt ihr Vater, und manchmal male sie bis tief in die Nacht hinein. In der kommenden Woche wird sie auch in der Schule noch anerkennendes Lob ernten. Die junge Frau hat schon einige Preise für ihre Bilder bekommen. Das erste Mal war sie gerade zwölf Jahre alt - und bekam einen Preis vom Landkreis. Im vergangenen Jahr wurde ein weiteres Bild, in dem sie sich mit 25 Jahren Mauerfall auseinandersetzte, mit einen dritten Platz bei einem Wettbewerb prämiert.
Einen Teil ihrer Bilder veröffentlicht Vera Schiller auf ihrem Blog www.silberdistel97.blogspot.de und schreibt englische Texte dazu. Dort erhält sie viel Resonanz, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Taiwan, China und von überall her. "Man kann gucken, woher die Besucher auf dem Blog kommen", erklärt ihr Vater und staunt darüber, dass seine Tochter so viel Resonanz erfährt.