Braucht die Feuerwehr neue Kleidung?

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Ein Feuerwehrmann kühlt sich bei einem Einsatz ab.SMS|Schalk, Manfred, Schrobenhausen
Ein Feuerwehrmann kühlt sich bei einem Einsatz ab.SMS|Schalk, Manfred, Schrobenhausen

Hitzewellen machen den Rettern zu schaffen – Aber es wird an besonderer Ausrüstung geforscht

Je nach Art eines Brandes haben es Feuerwehrkräfte mit Temperaturen von über 1000 Grad zu tun. Doch nicht nur die Hitze der Flammen ist eine Herausforderung, auch sommerliche Außentemperaturen können im Einsatz zur Belastung werden.

Erst kürzlich sackte ein Feuerwehrmann in Neustadt bei Coburg am Steuer seines Einsatzfahrzeuges bewusstlos zusammen. Zwar ist die genaue Ursache nicht bekannt, die Polizei geht aber von Hitze und Dehydrierung aus. Am Tag des Unfalls, Sonntag, 12. Juli, herrschten Temperaturen von rund 30 Grad.

Die Schutzkleidung der Einsatzkräfte ist überlebensnotwendig, die Außenschicht besteht aus hitze- und flammenbeständigen Spezialfasern. Moderne Schutzkleidung kann Hitze und Feuchtigkeit nach außen abgeben. Das funktioniert über atmungsaktive Stoffe. Die verringern das Risiko gefährlicher Hitzestaus. Aber dieser Effekt hat Grenzen.

Gefährliche Hitzewellen

Das gilt besonders für Hitzewellen wie im Juni 2026. Starke Sonneneinstrahlung heizt die Kleidung auf, schon bevor die Feuerwehrleute beim Brand sind. „Es ist ein großer Unterschied, ob man bei 30 bis 35 Grad oder bei 15 Grad zum Einsatzort kommt“, sagt Stefan Püls, Kreisbrandrat des Landkreises Coburg.

„Man muss sich überlegen, wie belastend über 30 Grad schon im normalen Alltag sind. Bei solchen Temperaturen in schwerer Uniform zu arbeiten, das ist eine erhebliche körperliche Belastung. Das kann natürlich auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit gehen. Hier achten die Einsatzleiter sehr auf ihre Kräfte, genauso wie die Kollegen untereinander auch. “

Dem stimmt auch Sebastian Sorge, Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Coburg zu: „Wichtig ist auch, dass man seine eigenen Grenzen einschätzen kann. Es ist keine Schande, wenn man mal nicht einsatzfähig ist, das ist völlig menschlich. Die Sicherheit unserer Leute geht vor.“

Um für diese Sicherheit zu sorgen, werde bei den Einsätzen auch immer ein Rettungswagen speziell für die Feuerwehrleute bereitgestellt. Zudem achten die Einsatzkräfte darauf, immer genug zu trinken. Dafür hätten auch alle Einsatzwagen mindestens einen Getränkekasten dabei.

Bei verschiedenen Bränden wird unterschiedliche Schutzkleidung getragen. Die schwerste Variante kommt bei Wohnungsbränden zum Einsatz. „Beim Wohnungsbrand besteht die Gefahr einer Stichflamme. Dort brauchen wir die Ausrüstung mit der besten Schutzwirkung“, sagt Stefan Püls.

Schutzkleidung wichtig

Während einer Hitzewelle könne eine solche Schutzkleidung unangenehm sein. „Bei Einsatzpausen setzen sich die Kolleginnen und Kollegen immer schnell in den Schatten und öffnen die Kleidung sofort.“ Um die Feuerwehrleute zu entlasten, würden bei Hitzewellen die Einsatzzeiten verkürzt: „Wir wechseln dann öfter durch als sonst und planen mehr Pausen ein. Wir haben das Glück, auf viele Einsatzkräfte zurückgreifen zu können“, sagt Sebastian Sorge.

Auch Übungsprogramme würden angepasst. „Wir trainieren grundsätzlich bei jedem Wetter. Es brennt ja nicht nur bei 20, sondern auch bei 30 Grad, wir löschen bei jeder Temperatur. Wir verlegen aber Übungen zum Beispiel in die Abendstunden oder sorgen mit Sprühnebel für Kühlung.“

Kühlende Kleidung

Das macht die Feuerwehr nicht nur für die eigenen Kräfte. „Beim Samba-Fest haben wir so auch für Abkühlung gesorgt“, sagt Stefan Püls.

Bei Wald- und Feldbränden oder bei Übungen könne auch leichtere Schutzkleidung getragen werden. „Da kann zum Beispiel keine Stichflamme entstehen. Welche Schutzausrüstung getragen wird, entscheidet der Einsatzleiter von Fall zu Fall“, sagt Püls. Die Schutzkleidung wird stetig verbessert. „Gefühlt ist die moderne Ausrüstung dicker als noch vor 20 bis 30 Jahren“, sagt Sebastian Sorge. „Das wirkt erst einmal widersprüchlich, aber die Schutzwirkung ist besser und die neuen Materialien gleichen die Dicke wieder aus. Die Hersteller sind mittlerweile sehr weit.“ Ein Hersteller erklärt auf der Firmenwebsite, wie die Feuerwehr in Zukunft noch besser vor Hitze geschützt werden könnte. In der Entwicklung befänden sich Schutzanzüge mit einer aktiven Kühlung. Die soll ähnlich wie ein Kühlschrank funktionieren. An solchen Projekten arbeiten mehrere Hersteller und Einrichtungen. Einen Schritt weiter gehen Forscher mit intelligenten Feuerwehrjacken. Laut Website ingenieur.de hat die Universität Salzburg eine Jacke mit Hitzesensoren entwickelt. Die schlagen bei Überhitzung Alarm und aktivieren die Kühlung. Prototypen wurden getestet, noch gibt es die Ausrüstung aber nicht in Serie.

Auch die vorhandene Ausstattung ist nicht billig. „Pro Person kann man mit 2500 bis 3000 Euro rechnen“, sagt Sorge: „Die freiwillige Feuerwehr engagiert sich ehrenamtlich für eine Pflichtaufgabe zum Schutz einer jeden Kommune. Die Kommune muss die Feuerwehr auch bestmöglich ausrüsten. Die Stadt Coburg macht das sehr gut und schützt uns in jeder Hinsicht.“