Ängste nehmen und zur Vorsorge ermutigen, das tat Dr. Hildrun Schättin, Chefärztin an den Haßberg-Kliniken, bei ihrem Vortrag zum Thema Darmkrebs im VdK-Gesundheitsforum. Bei keiner anderen Krebs-Art trage die Vorsorge so nachgewiesenermaßen zur Verringerung der Zahl der Erkrankungen bei wie beim Darmkrebs, weil bei der Darmspiegelung gleich auch Polypen entfernt werden. "Und ein Polyp wird irgendwann zum Krebs", erklärte die Chirurgin.
Auch beim Darmkrebs gilt wie bei den meisten Krebsarten, dass Symptome meist erst im fortgeschrittenen Stadium eines Tumors auftreten. Beim Darmkrebs sind das zunächst Blut im Stuhl oder auch das Auftreten von heftigen Blähungen, überraschendem Durchfall oder massiver Verstopfung, wie Hildrun Schättin schilderte.
Die Darmspiegelung sei das probate Mittel, den Darm auf Polypen zu untersuchen, erklärte sie. Jeder Polyp, der dabei gefunden wird, werde auch gleich entfernt, um einer Entartung zuvorzukommen. Die Darmspiegelung empfahl sie dringend ab 55 Jahren, wie sie auch die Kassen finanzieren. "Wenn nichts gefunden wird, genügt eine Wiederholung nach zehn Jahren", erklärte sie.
Werden Polypen gefunden, sollte die nächste Spiegelung nach fünf Jahren angesetzt werden. "Wenn jemand unter 40 an Darmkrebs erkrankt, dann sollte sich die gesamte Familie untersuchen lassen", empfahl Schättin, denn dann müsse man mit einer genetisch veranlassten Krebserkrankung rechnen.
Sie erläuterte die Formen der Operation, je nachdem, wo im Darm der Tumor sitzt. Wie viel Darm dabei entfernt wird, sei für die Lebensqualität des Patienten meist nicht ausschlaggebend, denn ein Mensch könne auch ganz ohne Dickdarm leben. Anderes sehe das mit dem Dünndarm aus, der wesentlichen Anteil an der Verdauung hat - aber auch extrem selten von Krebs betroffen ist.
Grundsätzlich werden Darm und umgebendes Lymphgewebe großzügig entfernt, so die Ärztin. Unter besonderer Beobachtung stehe dabei die Leber, denn ein großes Blutgefäß führt vom stark durchbluteten Darm direkt in die Leber, die daher anfällig für Metastasen ist. Wenn es sich um eine einzelne Leber-Metastase handelt, sei aber auch das meist relativ problemlos zu operieren, erklärte die Ärztin.


Hoher Fleischkonsum riskant

Schwierig werde die Operation, je näher der Tumor am Schließmuskel liegt, denn "für den Patienten ist der Verlust der Kontinenz immer das Schlimmste", weiß die Chirurgin. Deshalb sei es für die Operateure immer von hoher Priorität, den Schließmuskel zu erhalten, doch manchmal sei es eben nicht möglich, ein Stoma zu vermeiden, landläufig künstlicher Ausgang genannt.
Schättin versuchte jedoch, ihren Zuhörern die Angst vor dem künstlichen Ausgang zu nehmen. Zum einen komme es sehr auf die richtige Platzierung an, damit das Stoma vom Patienten gut versorgt werden könne. Außerdem sei der Umgang damit mittlerweile sehr komfortabel. "Es gibt für Damen sogar Badeanzüge, die dafür ausgerüstet sind. Anfangs ist es aber schon ein Geduldsspiel", erzählte die Ärztin, die auf sehr gute Stoma-Therapeutinnen verwies, die die Patienten unterstützen. Wenn es um Krebs geht, arbeiten die Haßberg-Kliniken mit dem Tumorzentrum Schweinfurt zusammen, wo alle Fälle mit verschiedenen Spezialisten besprochen werden.
Natürlich fragten Zuhörer nach Risikofaktoren und Vorbeugungsmöglichkeiten. "Es gibt nichts, was Sie zu sich nehmen können, um Darmkrebs sicher zu verhindern, aber hoher Fleischkonsum erhöht das Risiko auf jeden Fall", erklärte Schättin dazu. Auch zahlreiche Fragen zu entzündlichen Darmerkrankungen und verschiedenen Untersuchungsmethoden beantwortete sie.
Die Kreisvorsitzende des VdK Haßberge, Maria Watzka, dankte Hildrun Schättin für diesen gut verständlichen Vortrag, der gleichzeitig das diesjährige Gesundheitsforum abschloss. Das Programm für 2017 werde vermutlich im Januar erscheinen, kündigte Watzka an.