Am neuen Unicampus stehen Professor Kai Purnhagen von der Fakultät "Food Quality and Safety" vier Doktoranden zur Seite. Einer von ihnen ist Elijah Granet. Geboren im sonnigen San Diego in Kalifornien, machte er seinen Master in Politikwissenschaften an der Universität Cambridge, bevor er seine "Law Qualification", also sein Juradiplom, in London anschloss. Seit rund zwei Wochen lebt der 25-jährige Amerikaner nun in Kulmbach und ist fasziniert von seinem neuen Zuhause. "Mir gefällt es, in einer kleinen und einzigartigen Gemeinde zu leben, und man stelle sich vor: Das Haus, in dem ich wohne, ist älter als die Vereinigten Staaten!" Der Geschichtsfan gerät ins Schwärmen und war von der Stadtführung begeistert, die für ihn und seine Kollegen organisiert wurde.

"Natürlich wird es noch eine Herausforderung sein, Deutsch zu lernen, aber da bin ich zuversichtlich." Dazu hofft er, dass es Corona bald wieder zulässt, dass er seinen Fechtsport betreiben kann.

"Kein echter Verbraucherschutz"

An seiner neuen Position gefällt ihm besonders der interdisziplinäre Ansatz, "Recht, Politik, Psychologie - all das findet Einzug in meine Forschungsarbeit." Er untersucht aktuell, wie zum Beispiel Lebensmittelkennzeichnungen das Konsumentenverhalten beeinflussen. "Verbraucherschutz und Konsumentenwahl stehen im Zentrum, um das es einen rechtlichen Rahmen zu schaffen gilt, der beiden Seiten - Verbraucher und Erzeuger - gerecht wird."

Aktuell sei es doch so, dass 70 Prozent der Verbraucher die Etiketten auf den Produkten gar nicht lesen. "Gerichte und Behörden legen zahlreiche Kennzeichnungsanforderungen fest, aber praktizieren keinen echten Verbraucherschutz." Gerade im Lebensmittelbereich sei aber dieser Verbraucherschutz wesentlich, denn nirgendwo sonst werde ein Produkt so schnell konsumiert.

"Das ist das Einzigartige an diesem neuen Campus, wir designen das Lebensmittelrecht neu", erklärt Elijah Granet. Doch das spannende Studien- und Forschungsfeld war nicht das Einzige, was ihn nach Kulmbach lockte. Vermutlich spielte auch sein angeborener amerikanischer Pioniergeist eine Rolle, denn "es passiert nicht oft, dass man einen ganz neuen Studienbereich von Anfang an mit aufbauen darf."

"Aufregende Atmosphäre"

Hier seien sie alle neu, und die Atmosphäre sei unglaublich kollaborativ und aufregend. "Man hat eher das Gefühl, in einem Start-up zu arbeiten als an einer Universität." pra