Charlotte Wittnebel-Schmitz Ohne Strom funktioniert unser modernes Leben nicht: Technische Geräte laufen nicht, die Glühbirne bleibt dunkel und eine Vielzahl alltäglicher Arbeiten sind nicht möglich. Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe in Fukushima hat die Bundesregierung 2011 eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen: Weg von der Kernkraft, hin zu erneuerbaren Energien. Dafür gibt es in der Bevölkerung einen riesigen Zuspruch von 89 Prozent, wie die jährliche Studie der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zuletzt im Oktober 2019 zeigte. Aber die Energiewende hat Folgen: "Das Netz ist für diese Herausforderung nicht gerüstet", sagt Axel Puttkammer, Projektleiter für die P43 bei Tennet. Energie aus Windkraft oder Photovoltaik bringt Schwankungen bei der Stromerzeugung mit sich, abhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Wind weht. Durch den Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohle seien konstante Energielieferanten zurückgegangen. Der Schwerpunkt der Ökostromerzeugung liege in Nord- und Ostdeutschland. Es bestehe ein erheblicher Importbedarf nach Süddeutschland.

Verlauf der geplanten Stromtrasse

Tennet plant deshalb eine Wechselstromtrasse, die "Fulda-Main-Leitung" (P43). Sie soll von Mecklar (Hessen) über Dipperz (Hessen) nach Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt verlaufen.

Ein Großprojekt, das Folgen für Mensch und Umwelt hat. Eine Schwierigkeit ist: Die Stromleitungen sollen größtenteils über 65 Meter hohe Masten verlaufen. Diese benötigen einen freien Schutzstreifen von rund 30 Metern. Eine Kabelführung unter der Erde ist nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur in Teilabschnitten in einer Länge von etwa drei bis sechs Kilometern realisierbar.

Mitarbeiter von Tennet reisten in den vergangenen Tagen durch alle betroffenen Landkreise, um sich mit regionalen Vertretern über die Planung auszutauschen. Am Donnerstag trafen sie sich im Hotel Frankenland in Bad Kissingen. "Wir sind noch ganz am Anfang des Projekts. Wir haben noch die grüne Wiese", sagt Puttkammer. Die Anwesenden sollten Ideen und Hinweise zum Projekt auf Karten vermerken. Diese bündelt Tennet anschließend mithilfe eines geographischen Informationssystems.

Die Haltung der Politiker aus dem Landkreis und der Vertreter von Bürgerinitiativen ist eindeutig: Sie lehnen die P43 ab.

Fridolin Zehner, 1. Bürgermeister (CSU) der Gemeinde Rannungen erhoffte sich von dem Planungsdialog "aus erster Hand zu erfahren, was es noch für andere Möglichkeiten gibt".

"Ich bin nicht überzeugt, ob es die P43 überhaupt braucht", sagte Matthias Klement, 1. Bürgermeister vom Markt Maßbach (CSU) und Vorsitzender des Vereins Rhönlink. Nico Rogge, 1. Bürgermeister von Oerlenbach (CSU), findet, die Region sei bereits durch Südlink belastet. Für Landrat Thomas Bold (CSU) ist es nicht nachvollziehbar, dass die Kapazitäten des Südlink und des Südost-Link nicht ausreichen sollen und eine Versorgung Bayerns angeblich nur mit der zusätzlichen Wechselstromtrasse von Dipperz nach Bergrheinfeld sichergestellt werden könne. "Wenn dies stimmt, muss man sich schon fragen, ob bei der Planung der Milliarden-Projekte Südlink und Südost-Link alles mitbedacht wurde", so Bold. "Ich erwarte, dass Alternativen vorrangig geprüft werden", sagte Mottens Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos). Sie sehe den Bedarf für die Trasse noch nicht. Ähnlich äußerten sich auch Mario Götz, Bürgermeister von Oberthulba (CSU), und Andreas Trägner, 2. Bürgermeister aus Münnerstadt (FW).

Elke Müller, bayerische und hessische Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Sinntal, kritisierte, es werde zu wenig über Speicherkapazitäten gesprochen. Sie sprach von einer Unterhöhlung der Demokratie und fragte: "Was passiert mit Grundstückseigentümern, die nicht einverstanden sind?"

Jakob Euba, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse", sagte nach einem ersten Informationsvortrag: "Das was ich heute gehört habe, sind Wiederholungen, die ich bereits von Südlink kenne." Über die Starkstromleitung Südlink war in Vorjahren bereits viel diskutiert worden.

Wie geht es weiter?

Nach der Bündelung der nun eingegangenen Hinweise will Tennet ab September die breite Öffentlichkeit in Form von Infomärkten informieren und einen ersten Planungsentwurf eines Korridornetzes vorstellen.