Die Zukunft des Pfarrzentrums St. Josef sorgt zurzeit für Gesprächsstoff (siehe auch Artikel unten). Da der Herzogenauracher Ortsteil dringend Kindergartenplätze braucht, haben sich Stadt und Kirchenverwaltung entschieden, das an die Kirche angrenzende Pfarrzentrum abzubrechen und einen Neubau zu errichten. Gestern Abend lag das Bauvorhaben dem Planungsausschuss zur Beratung vor. Es sollte ein Empfehlungsbeschluss für den Stadtrat getroffen werden (Bericht folgt).
Der Gesamtkomplex wurde in der Inflationszeit unter großen Anstrengungen gebaut, vor annähernd 95 Jahren konnte das Turmkreuz aufgerichtet werden. Die Niederndorfer hatten schon im 19. Jahrhundert zweimal den Bau einer Kapelle geplant, ohne dass es zur Ausführung gekommen wäre.
Den entscheidenden Vorstoß unternahmen sie im Oktober 1921 bei Dekan Joseph Müller in Herzogenaurach. Sie suchten um die Erlaubnis für den Bau eines Schulhauses mit zwei bis drei Klassenzimmern nach. Eine weltliche und eine oder zwei klösterliche Lehrkräfte sollten den Schulbetrieb sicherstellen.


Bedenken überwogen

Dekan Müller erkannte, dass es mit einem Schulhausbau für Niederndorf allein nicht getan sein konnte und riet zum ganz großen Wurf. Wegen der beginnenden Inflation überwogen zunächst aber die Bedenken.
Dennoch gründeten die Niederndorfer am 11. November 1921 in der Gastwirtschaft Winkelmann einen Kirchen- und Schulhaus-Bauverein. Die anwesenden Haushaltsvorstände erklärten sich bereit, 200 000 Mark durch Spenden aufzubringen. Am 29. November 1921 genehmigten die Haushaltsvorstände von Niederndorf, die Katholiken von Neuses und der Gemeinderat das Projekt. Thomas Fink stiftete den Bauplatz für Kirche, Friedhof und die Gärten. Weitere Grundstücke schenkten Maria Leipold und Johann Winkelmann. Als Architekt für das Bauwerk konnte Fritz Fuchsenberger aus München gewonnen werden. Dessen Pläne sahen den Zusammenschluss der einzelnen Bauteile zu einem Komplex vor. Dadurch sollten eine einheitliche Gesamtwirkung und eine Verringerung der Kosten erreicht werden.
Der Gemeindebau sollte mehrere Funktionen erfüllen. In der Kirche waren 282 Sitzplätze vorgesehen. Das Pfarrhaus sollte durch die Sakristei unmittelbar mit dem Kirchenbau verbunden werden. Im Erdgeschoss waren zwei Zimmer, Küche, WC und Diele, im Obergeschoss drei Zimmer, sowie im ausgebauten Dachgeschoss zwei Zimmer, ein Waschboden und ein Dachraum eingeplant. Für die "Kinderbewahranstalt" hatte Fuchsenberger im Erdgeschoss einen 70 Quadratmeter großen Saal vorgesehen. Im Obergeschoss sollten die Schwesternkapelle und die Lehrerwohnung liegen.
Quer zum Hauptbau liegend war der Schultrakt eingeplant. Drei Schulsäle mit je 70 Quadratmetern sollten übereinander angeordnet werden. Die Lehrerwohnung war im Obergeschoss über dem Kindersaal angesiedelt. Im Dachgeschoss waren zwei weitere Wohnräume vorgesehen. Fuchsenberger drängte auf frühzeitigen Baubeginn, da die Materialpreise und die Löhne ständig stiegen.


Am 21. Juni 1922 ging's los

Mit dem Bau der Schule konnte am 21. Juni 1922 begonnen werden. An den Werktagen arbeiteten die Männer der Ziegelei Gumbmann, an den Samstagen die Bevölkerung. Durch das Engagement von Dekan Müller erhielten die Niederndorfer verbilligtes Bauholz. Nicht einfach waren die Anschaffung des Geläutes für die Kirche, die Eindeckung des Turmes mit Schiefer und der Fußboden in der Kirche. Am Mittwoch den 27. Juni 1923 konnte dem Bauwerk das Turmkreuz aufgesetzt werden.
Die Einweihung nahm am 18. November 1923 Erzbischof Jacobus von Hauck vor. Wichtig war es jedoch auch, den Kirchenkomplex mit geistlichem Leben zu erfüllen. Zur Errichtung einer Seelsorgestelle wurde als Argument die Anzahl von 559 Katholiken in Niederndorf, Lohhof und Neuses angeführt. In Abstimmung mit dem Pfarramt Herzogenaurach wurden daher eine Tochterkirchengemeinde und die Errichtung einer Kirchenstiftung beantragt.


Stiftung gegründet

Zur Versorgung des Pfarrherren sagten die Niederndorfer nach einem Aufruf von Dekan Müller 13 Tagwerk Äcker und Wiesen zu, von denen der größte Teil auch tatsächlich in den Stiftungsbesitz einging. Am 7. November 1923 erfolgte die provisorische Besetzung der Lokalkaplanei Niederndorf durch das Generalvikariat des Erzbistums Bamberg. Kaplan Peter Fleischmann wirkte bis zum 1. September 1935 am Ort. Als Nachfolger kam Johann Raab nach Niederndorf, wo er bis 1982 wirkte. In seiner Amtszeit wurde die Kuratie Niederndorf 1964 zur Pfarrei erhoben. Einen großen Anteil am Erhalt des Gebäudekomplexes hatte Pfarrer Franz Noppenberger, der mit Wirkung vom 1. Mai 1983 zum Nachfolger von Pfarrer Raab bestimmt wurde.
Nach nahezu 60 Jahren waren Renovierungsarbeiten an dem Gebäudekomplex nötig geworden, die 1982 begannen. Der Arbeitseinsatz freiwilliger Helfer senkte die Kosten, wie bereits bei der Erbauung.