Fuhr er unter Alkoholeinfluss mit dem Auto in den Graben, oder weil er alkoholisiert fahrend seinem Handy Beachtung schenkte? Für Staatsanwalt Daniel Killinger stellte sich die Frage so nicht, für den Rechtsanwalt des Fahrers schon. Das Verfahren um fahrlässige Trunkenheit im Verkehr sollte sich an diesem Punkt entscheiden.

Der Fahrer gab sich am Dienstag im Amtsgericht schweigsam. Es war Sache seines Verteidigers, Achim Riedel, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die Sache eindeutig: Der 26-jährige Selbstständige aus dem Raum Burgkunstadt kam am 17. Mai 2019 darum in einer Linkskurve von der B 289 ab, weil er knapp ein Promille Alkohol intus hatte. Aber der junge Mann kam nicht nur von der Fahrbahn ab, er überschlug sich dabei auch noch und machte aus seinem 70 000 Euro teuren Auto gegen 19.35 Uhr einen Totalschaden. Er sei durch sein Handy abgelenkt gewesen, mittels dessen er die Musik im Auto steuern wollte, erklärte der Verteidiger und schob noch eine Formel hinterher: "Alkohol und Fahrt ist nicht gleich Trunkenheitsfahrt." Diese Formel aber wurde schon von der Zeugenaussage eines Polizisten geschwächt. Der nämlich entdeckte bei der Unfallstelle an dem Fahrer "gerötete Augen", was ihm nicht geheuer schien. So ordnete er einen Alkoholtest an und der sollte den genannten Promillewert ergeben. Richterin Daniela Jensch ließ sich die Bilder vom Unfallort vorlegen und auch sie bemerkte: "Das Auto ist komplett hinüber." Aber sie sollte auch noch einen weiteren Umstand bemerken und gewichten, den nämlich, wonach die Art und Weise des Unfalls eher alkoholtypisch sei.

"Handy und Unfall - und man wäre raus aus der fahrlässigen Trunkenheit - keine gute Gleichung", kommentierte auch Killinger die Strategie der Verteidigung. Und er legte nach: "Wenn Ihr Mandant besoffen noch gut fährt, dann spricht das dafür, dass er Alkohol gewöhnt ist."

Dabei zeichnete der Staatsanwalt das Geschehen noch deutlicher: "Er ist über mehrere Leitpfosten gefahren und über einen Böschungsschopf." Für seine Überzeugung zog Killinger das Fazit, dass es "zweifelhaft" sei, dass bei diesem Alkoholwert ausschließlich das Handy schuld daran getragen haben soll, dass der 26-Jährige von der Fahrbahn gekommen ist. 2520 Euro Strafe forderte Killinger, überdies den Entzug der Fahrerlaubnis, die vor Ablauf von zehn Monaten nicht wieder erteilt werden dürfe.

In seinem Plädoyer hingegen verwies Achim Riedel darauf, dass die Staatsanwaltschaft mit Vermutungen hantiere und eben nicht klar nachweisen könne, dass hauptsächlich der Alkohol maßgeblich für den Unfall war. "Wenn der Staat jemanden verurteilen will, muss er nachweisen, dass der Straftatbestand verwirklicht wurde." So forderte Riedel Freispruch für den Tatvorwurf und allenfalls ein Urteil wegen Verstoßes gegen die 0,5-Promille-Grenze.

In ihrem Urteil sollte Daniela Jensch vollumfänglich dem Ansinnen der Staatsanwaltschaft folgen, eben weil es sich um eine "eigentlich übersichtliche Straße" gehandelt habe, von welcher der Fahrer in einer Linkskurve abkam. Gerade das sei ein "alkoholtypischer Fahrfehler" gewesen.