von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Blaich — Eine Baumaschine gräbt mit einem riesigen Bohrer an der nördlichen Seite der Flutmulde Löcher in den Untergrund - an den Stellen, an denen später Spundwände elf Meter tief bis in den Sandstein getrieben werden. Es ist das Bild, das sich all denen zeigt, die derzeit einen Blick auf die Großbaustelle werfen.
2014 wurde der Deich entlang der B 289 zurückverlegt, um dem Hochwasser mehr Raum zu geben. Auch das Pumpwerk am Rande der Pörbitscher Au wurde errichtet. 2015 wird nun auf der Seite der Blaich gebaut. Mit einer temporären Spundwand wurden die Baugruben für die Sickerleitung schon gesichert. Nachdem vor wenigen Tagen der große Strommast beim Umspannwerk entfernt worden ist, werden jetzt die richtigen Spundwände bis in den Sandstein getrieben. Spundwände, die der Untergrund-Abdichtung und der Gründung einer großen Schutzmauer dienen.
Die Hochwasser-Schutzmaßnahme an der Flutmulde ist die größte Baustelle in der Stadt Kulmbach. Sie verschlingt Gesamtkosten von 15,5 Millionen Euro und soll dafür Gewähr tragen, dass die Stadtteile Blaich und Pörbitsch künftig auch vor einem hundertjährigen Hochwasser geschützt sind. Ängste, die die Anwohner zuletzt 2006 hatten, als der Wasserpegel an Pfingsten immer weiter gestiegen war, soll es nicht mehr geben. Es wäre da fast zur Katastrophe gekommen: Die Deiche, die vor 80 Jahren noch mit Muskelkraft errichtet worden waren, drohten zu brechen - die Blaich wäre überflutet worden.

Stadt zahlt 460 000 Euro

"Die Anwohner haben ein Recht darauf, wenn sie fordern, dass die Stadt Berechnungen anstellt und alles dafür tun muss, damit nichts passiert", sagte OB Henry Schramm (CSU), der gestern zu einer Baustellen-Besichtigung die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf begrüßen konnte. Scharf machte deutlich, dass die Kosten von anfänglich 12,5 auf nunmehr 15,5 Millionen Euro gestiegen sind, sich der Anteil der Stadt Kulmbach aber nicht wesentlich erhöht hat. Die Stadt muss statt 365 000 nun rund 460 000 Euro beisteuern. "Ein Anteil, mit dem wir leben können", sagte OB Schramm. Er verwies darauf, dass bei seinem Amtsantritt 2007 noch von einem städtischen Anteil von 4,7 Millionen Euro die Rede war.
Dass die 15,5 Millionen in eine überaus sinnvolle Maßnahme investiert werden, machte Ministerin Scharf deutlich. In das Projekt fließen auch EU-Mittel
Auf 1,5 Kilometern Länge bringt der Freistaat zusammen mit der Stadt die Flutmulde zwischen B 85 und Berliner Brücke auf den neuesten Stadt und gestaltet die Pörbitscher Au großzügig um. Die soll zu einer Art Naherholungsgebiet werden. Dem Main wird mehr Platz eingeräumt. Er wird sich künftig durch die Flutmulde schlängeln, Brücken sowie ein neuer Fuß- und Radweg werden geschaffen. "Die Blaich, die gesamte Stadt wird profitieren", ist Henry Schramm überzeugt.

Anwohner klagen nicht

Wie Schramm dankte auch Bruno Stehler, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, den Anwohnern, "die die Unannehmlichkeiten, die mit der Baustelle einhergehen, klaglos hinnehmen".