Die Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach des Bundes Naturschutz (BN) bereitet eine Vertragsverletzungsanmahnung an die EU-Kommission vor. Grund ist laut einer Pressemitteilung des Kreisgruppenvorsitzenden Helmut König "die mangelhafte Umsetzung von EU-Richtlinien in den bayerischen Staatsforsten - zuletzt durch den Staatsforstbetrieb Forchheim". Der Staatsforstbetrieb Forchheim führte laut BN bis in den April 2017 hinein umfangreiche Holzernteaktionen im Markwald, einem gemeindefreien Gebiet zwischen Röttenbach und Baiersdorf, durch. Auch die Holzabfuhr sei noch nicht abgeschlossen.
Das etwa 2200 Hektar große Waldgebiet sei durch die EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt. Ziel dieser Richtlinie ist es, heimische Vogelarten in ihrem Bestand dauerhaft zu erhalten, schreibt König. Dazu gehört vor allem, dass die Vögel besonders während ihrer Brut- und Aufzuchtzeit weder gestört noch beunruhigt werden dürfen.
Mehrmalige Anregungen des Bundes Naturschutz, die Holzernte wenigstens während der Vogelbrutzeit ab Anfang März auf die restlichen etwa 15 000 Hek-tar des Staatsforstbetriebes zu beschränken, hätten bisher zu keinem Ergebnis geführt.
Im benachbarten Staatsforstbetrieb Nürnberg, zu dem das Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswald gehört, hätten in den vergangenen Jahren solche wiederholten Missachtungen der Vogelbrutzeit zum Beispiel im Naturschutzgebiet Brucker Lache bei Erlangen zu massiven Protesten geführt.
Nachdem dort das "rücksichtslose Vorgehen der Staatsforsten" von der Aufsichtsbehörde (Amt für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft) und der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Mittelfranken unbeanstandet blieben, habe die BN-Kreisgruppe beschlossen, in den kommenden Wochen eine Vertragsverletzungsanmahnung bei der EU-Kommission in Brüssel vorzubereiten. Damit soll erreicht werden, dass die europaweit geltenden Naturschutzregelungen auch im Vogelschutzgebiet Markwald im Bayerischen Staatsforstbetrieb Forchheim eingehalten werden. red