Es war ein Blick in die Vergangenheit im Schloss: Bei der Vernissage zur Ausstellung der Thurnauer Schuhproduktion wurde sichtbar, welche Bedeutung diese Branche einst für den Markt hatte. Über 100 Beschäftigte zählte in den Glanzzeiten die Firma, die Elisabeth Becker gleich nach dem Krieg gründete und 42 Jahre lang bis 1987 den Ort mitprägte.

Diese Zeitreise machte die Universität Bayreuth möglich, die unter anderem die Industriekultur in Nordbayern erforscht. Und da waren "Schuhe made in Thurnau" ein guter Ansatzpunkt. Der Historiker Dr. Marcus Mühlnikel vom Institut für fränkische Landesgeschichte schwärmte von den über 60 Originalexponaten. "Meine Lieblinge sind weiße Kinderstiefel aus den 1960er Jahren." Aber man konnte ebenso leichte Sommerschuhe aus der Anfangszeit, Winterstiefel aus Seehundfell und Stiefel aus Wildleder bestaunen. Benedikt Erl von der Universität sagte, die Ausstellung hätte die Besucher mitgenommen in eine Welt, "wie die Menschen aus Thurnau und Umgebung früher ihr Brot verdienten".

Glanzzeit für Thurnau

Zu ihnen gehört die gebürtige Hutschdorferin Gabriele Förster, die zwölf Jahre in der Schuhfabrik tätig war als Sachbearbeiterin für Aufträge und das Marketing. "Wir hatten deutschlandweit Kunden und lieferten auch nach Österreich und in die Schweiz - Orthopädie-Fachhändler und Sanitätshäuser eingeschlossen." Sie denke gerne an diese Zeit zurück, die Glanz nach Thurnau brachte und den Leuten aus der Umgebung eine nahe Beschäftigung bot.

Auch Bürgermeister Martin Bernreuther sieht in der Ausstellung ein Stück Arbeitskultur, das in dieser Form in eine längst vergessene Ära führt. "Thurnau hatte oft mit einem Strukturwandel zu kämpfen und die Leute sind gut damit umgegangen." Die Schuhproduktion in dieser Form sei nicht mehr überlebensfähig gewesen. Und wie Strukturwandel gelinge, zeige sich jetzt mit dem neuen Industriegebiet, nicht weit entfernt von der Ausstellung. "Wir werden auch künftig neue Wege beschreiten, ohne das Alte zu vergessen."