Zu mehreren Gelegenheiten im Mai 2018 äußerte ein 45-jähriger Mann aus Lichtenfels gegenüber seiner Lebensgefährtin, dass er ihre Tochter umzubringen gedenke. "Die gehört einfach zu Tode gebracht", war dabei noch das Harmloseste. Mitunter ging er auch ins Detail und schilderte Todesarten von ausgesuchter Grausamkeit. Hauptsächlich wegen Bedrohung sollte ihm der Prozess gemacht werden.

Am Ende fand Richterin Daniela Jensch einen Kompromiss, zwischen den Forderungen des Staatsanwalts und des Verteidigers. Jensch sah bei dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit und verhängte 18 Monate Haft auf vier Jahre Bewährung, wobei zwei Jahre unter enger Aufsicht zu verlaufen haben.

Wie ein Häufchen Elend

Im Prozessverlauf gab es einen Moment, da bot der Angeklagte selbst das Bild eines Häufchens Elend. Er weinte und schilderte aus seiner Sicht, wie übel ihm in der Beziehung mit der 48-jährigen Lichtenfelserin mitgespielt wurde. "Ich bin am Abend von der Arbeit gekommen, da hat sie mich gefragt, ,hast du den Kühlschrank gekauft, weil du mich zerstückeln und einfrieren willst?'", berichtete er unter Tränen. Sein Anwalt, Dieter Widmann, sollte schon eingangs des Verfahrens die Einschätzung abgeben, dass sich mit seinem Mandanten und dessen damaliger Lebensgefährtin zwei Personen getroffen hätten, deren Stärken nicht im Lösen von Problemen lägen.

Detailreiche Gewaltfantasien

Die Frau selbst schilderte relativ gefasst und detailreich die ausformulierten Gewaltfantasien gegen ihre 20-jährige Tochter, die darin bestanden hätten, ihr die Zunge rauszuschneiden, ihr die Kehle aufzuschlitzen und sie in eine Mülltonne zu stecken. Insgesamt erstreckten sich Drohungen über Monate. Einmal, so die Mutter, sei der Hase ihrer Tochter von dem Mann mit Abwehrspray eingesprüht worden, ein andermal sei sie auch selbst von ihm angegangen worden. Es sei nach ihrer Trennung passiert und er habe ihr in ihrem Auto die Bewegungsfreiheit genommen.

Im Gegenzug erklärte der Angeklagte aber auch, dass er von seiner Ex-Freundin gewürgt worden sei. Abseits all des wohl schwer zu Klärenden zwischen dem einstigen Paar, gab es aber auch Deutliches.

Mordandrohung am Telefon

Davon wusste ein Bayreuther Diplom-Psychologe zu berichten. Bei diesem nämlich rief der Angeklagte einst an und hinterließ eine beweiskräftige Nachricht auf dem Anrufbeantworter. "Es war unmissverständlich und er sprach davon, dass ihn keiner davon abbringen werde, die Tochter zu töten." Einen persönlichen Eindruck von dem Anrufer hatte der Psychologe vor Eingang des Anrufs auch gewinnen können. Er schilderte den Mann als sympathisch, aber auch als manipulativ, als sehr reflektiert und deshalb umso gefährlicher. "Sie wird sterben, sie hat das Leben nicht verdient, die Tochter sei ein Satan und hat kein Anrecht zu leben. Sie können mich melden, aber ausreden können Sie es mir nicht", habe er von dem Angeklagten zu hören bekommen.

Dabei gab der Zeuge die Einschätzung ab, dass der 45-Jährige unter einer Persönlichkeitsstörung leide. Psychiater Christoph Mattern fungierte in dem Fall als Gutachter, und auch er griff die Einschätzung des Psychologen auf, spezifizierte sie und attestierte eine schwere seelische Erkrankung. Zudem empfahl er eine Betreuung des 45-Jährigen.

Zahlreich verurteilt

Nun sollte sich das Gericht dem Vorleben des Angeklagten zuwenden und das wies zwölf Einträge im Bundeszentralregister aus. Dahinter steckten vornehmlich Verurteilungen wegen Betrug.

In seinem Plädoyer sagte Staatsanwalt Johannes Tränkle, dass es sich bei den begangenen Bedrohungen keinesfalls um Lappalien gehandelt habe. Zwei Jahre Haft auf Bewährung wertete er als "tat- und schuldangemessen" und sprach sich für eine fünf Jahre dauernde Bewährungszeit aus, was einem Maximum entspricht.

Was Rechtsanwalt Dieter Widmann vom Wert einer Bewährung überzeugte, war die im Saal sitzende Bewährungshelferin, die sich optimistisch zu den Besserungschancen seines Mandanten äußerte. Er verwies auch darauf, dass der Angeklagte nun auch ohne Vermögen sei. Auf ein Jahr wollte er das Urteil lauten hören, wobei die gleiche Zeitspanne für eine Bewährungszeit anzusetzen sei.

Das Urteil von Richterin Jensch selbst wirkte dann wie ein Mittelweg zwischen beiden Forderungen.