Überall in der Landschaft türmen sich Berge von Baumstämmen. Das wird wohl noch eine Weile so bleiben, wenn auch die Bayerischen Staatsforsten eine gewisse Entwarnung geben können, was den Befall mit dem gefürchteten Borkenkäfer angeht. Bayernweit, so BaySf-Sprecher Jan-Paul Schmidt, gab es in diesem Jahr rund ein Viertel weniger Schäden als 2019.

Die landesweite Bilanz profitiert vor allem vom Süden des Freistaats. Dort war auch in den Dürrejahren 2018 und 2019 immer noch mehr Regen gefallen als in Nordbayern. So heißt es auch im Bericht der BaySf: "Der Frankenwald ist Bayerns Borkenkäfer-Hotspot 2020." Die Prognose für das kommende Jahr ist optimistisch. Es wird mit einem weiteren Rückgang der Schadholzmengen gerechnet.

Die absoluten Zahlen sind dennoch enorm. 2019 verzeichneten die BaySf 1,14 Millionen Festmeter Borkenkäferholz, in diesem Jahr "nur" 848 000 Festmeter. In großen Teilen Bayerns hatte es der Borkenkäfer nicht so leicht wie in den beiden Vorjahren. Es war kühler. "In der Saison 2020 lag jeder Monatswert unter den Werten des Vorjahres. Im Oktober verzeichneten die Bayerischen Staatsforsten bereits den sechsten Monat in Folge deutlich weniger Borkenkäferschäden als in den Vergleichsmonaten des letzten Jahres", soJan-Paul Schmidt.

Für ihn ist das "ein großartiger Erfolg unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das gesamte Jahr ununterbrochen durchgearbeitet haben". Gleichzeitig beton Jan-Paul Schmidt aber, dass die Aufarbeitung konsequent fortgesetzt werden muss. Vom Käfer befallene Bäume müssen entfernt werden, ehe der Käfer im Frühjahr ausfliegen kann.

Genau da, bei der konsequenten Aufarbeitung, liegt das Problem in den Privatwäldern. Das weiß Manfred Herter als Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Coburger Land nur zu gut. Rund die Hälfte der Wälder sind in privater Hand. "Da gibt es viele Kleinwaldbesitzer, die oft nicht einmal mehr in der Region leben", sagt Manfred Herter. Solche Eigentümer sind auch in aller Regel nicht in der WBV organisiert. "Unsere Mitglieder beraten wir, dass sie ihre Schadbäume entfernen lassen", erklärt er. So können gemeinsame Einsätze von Erntemaschinen wie Harvester und Forwarder organisiert werden.

Hackschnitzel satt

Dazu ist dennoch oft Überzeugungsarbeit nötig. Denn, das verschweigt Manfred Herter nicht, verdient ist kaum noch etwas mit dem Schadholz aus den Fichtenbeständen. "Je nach Stärke der Stämme bleiben vielleicht sechs bis zehn Euro je Festmeter übrig, bei schwächerem Holz geht es in Richtung der schwarzen Null", stellt er fest. Zwar ist der "Holzflow", wie es Herter nennt, im Gange, das heißt, es wird ständig auch Holz nachgefragt, doch es fließt eben auch immer weiter neues Holz auf die Lagerplätze zu. Das schwache Holz aus Ästen und Wipfeln ist praktisch nicht mehr abzusetzen, denn "der Markt für Hackschnitzel ist tot", sagt Manfred Herther. Daher wird das schwache Holz im Bestand gehäckselt und bleibt als Biomasse zur Zersetzung dort. Wer Brennholz für die Heizung verwendet, kommt derzeit günstig zu seinem Energieträger. Vor allem, wenn er das Holz als Selbstwerber auch noch eigenhändig aus dem Wald holt. Dabei geht es nicht nur um Äste. Auch die starken Stücke am untersten Ende der Stämme bleiben oft als Brennholz zurück, weil sie beispielsweise durch Rotfäule hohl geworden sind.

Selbst forstwirtschaftlichen Laien entgehen die vielen dürren Fichten in den Wäldern nicht. Doch teilweise müssen diese Bäume schon nicht mehr vordringlich gefällt werden. Der Käfer ist mit ihnen fertig und weitergezogen. Sie bergen keine Gefahr mehr. Dringend müssen dagegen die frisch befallenen Bäume aus dem Bestand heraus. Dass dies bei allen gelingt, erwartet auch Manfred Herter nicht. Hoffnung schöpfen die privaten Waldbesitzer und ihre Vertreter in der WBV aus verschiedenen Umständen. Einerseits gehe die Käferpopulation mit dem Verschwinden der Fichte ebenfalls zurück. Andererseits sorge das inzwischen feuchte Wetter - je nach Boden - für einigermaßen brauchbare Bedingungen, um neu anzupflanzen. Das schreibt übrigens das Waldgesetz vor. Und letztlich gibt es für gute Laubholzstämme immer noch gutes Geld, mit dem Aufarbeitung und Nachpflanzungen finanziert werden können. Schon jetzt zeichne sich ab, dass bei der Laubholzsubmission der WBV Coburger Land ein gutes Angebot auf dem Gelände bei Oberwohlsbach aufgelegt werden kann. Und wenn der Winter doch wieder einmal Wasser in den Boden brächte, dann könnten sich die überlebenden Fichten auch wieder mit Harz gegen den Käfer wehren.