Die Corona-Pandemie schränkt zwar das gesellige Leben vieler Vereine ein, bei den Freunden der Plassenburg tut sich hinter den Kulissen aber trotzdem einiges. So haben die Verantwortlichen kurz vor Weihnachten die Gemäldesammlung des Vereins um ein Werk des Künstlers Johann Carl Hetz bereichern können.

Im Münchner Kunsthandel war eine der seltenen Aquarellarbeiten des aus Kulmbach stammenden Malers aufgetaucht. Das Bild zeigt eine bayerische oder fränkische Bauernstube mit Kachelofen, Holzbänken und eine Reihe von Alltagsgegenständen. Es misst 30 mal 24 Zentimeter.

Das Aquarell ist auf Papier gemalt und ohne Rahmen. Das Gemälde ist vom Künstler selbst datiert auf den 30. März 1883. "Wir haben damit ein weiteres Werk von Johann Carl Hetz in seine Heimat nach Kulmbach holen können", freut sich Vorsitzender Peter Weith.

Von großer Exaktheit

Die Freunde der Plassenburg stellen seit Jahrzehnten mit Ankäufen wie diesem sicher, dass Kulmbacher Künstler von beachtlichem Niveau und Können nicht der Vergessenheit anheimfallen und mit ihren Werken auch in ihrer Heimat vertreten sind.

Die Exaktheit, die den Künstlern der Münchner Schule vermittelt wurde, zeigt sich auch in dem jüngst erworbenen Bild. Der zu sehende Ausschnitt einer Bauernstube zeigt einen Ofen mit grünen Kacheln sowie Bänke, Fachwerk und Holzdecke, wie sie in älteren Häusern in Franken und Altbayern auch heute noch zu finden sind. Das Bild war stellvertretendem Vorsitzenden Holger Peilnsteiner während seiner Recherchen zu Hans von Kulmbach in München aufgefallen. Es wurde dort im Rahmen einer Auktion angeboten. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit vereinbart.

Es ist laut Peilnsteiner sehr selten, dass ein Gemälde mit dem exakten Entstehungsdatum, in diesem Fall dem 30. März 1883, versehen ist. Dies, die Zuordnung von Hetz als Vertreter des Realismus und die genaue Darstellung des Interieurs lassen darauf schließen, dass hier eine tatsächlich existierende Bauernstube wiedergegeben wurde. Es liege im Bereich des Möglichen, dass der Raum in Bayern oder Franken noch existiert. Das Aquarell ist in einem bemerkenswert guten Zustand und soll nicht im Depot verschwinden. Peter Weith: "Es soll nach einer vorher durchzuführenden Restaurierung bereits in einigen Monaten für Ausstellungen zur Verfügung stehen - am liebsten auf der Plassenburg."

Nur kleine Schäden

Die Schäden sind überschaubar: ein kleiner Riss, zwei Knicke und von Nadeln oder Nägeln stammende Löcher. Dazu wurden Reste von Klebstoff auf der Rückseite festgestellt. Die Freunde der Plassenburg wollen dies von Fachleuten restaurieren lassen.

Johann Carl Hetz wurde am 11. November 1828 in Kulmbach als Sohn eines Schreiners und Instrumentenbauers aus Mainleus geboren. Er war ein Maler, Kunsterzieher und berufener königlich bayerischer Professor an den Kunstgewerbefachschulen in Neuburg an der Donau und München. Hetz war ein Vertreter des Realismus und der Genremalerei und gehört zu den Malern der Münchner Schule. Auf ausgedehnten Studienreisen durch Südeuropa fand es ebenso wie in Bayern und Franken die Motive für seine zahlreichen Landschafts- und Tierbilder sowie Porträts Einheimischer in ihrer jeweiligen Tracht. Die Schwerpunkte des Kulmbacher Malers waren Genrebilder und romantische Landschaften sowie Veduten. Viele seiner Ölbilder zeigen Menschen aus dem bäuerlichen oder bürgerlichen Milieu. Seine Bilder sind keiner Fantasie entsprungen, sondern geben exakt Gebäude, Landschaften, Trachten, Tiere, Mobiliar und Alltagsgegenstände wider.

Hetz starb am 5. August 1899 in München. Seine Werke sind in einer Reihe von Museen in Deutschland, der Schweiz, den USA und Kanada vertreten. In Kulmbach finden sich Werke von ihm in den Sammlungen der Stiftung Landschaftsmuseum Obermain, der Freunde der Plassenburg und im Bayerischen Brauereimuseum. red