Landwirt? Im Ernst? In der heutigen Zeit? Für Adrian Becker stellen sich diese Fragen nicht. Er arbeitet auf dem Hof der Eltern mit und möchte keinen anderen Beruf haben als den eines Landwirts.

"Mein Ziel ist es, den Hof einmal zu übernehmen und weiter zu führen", sagt er entschlossen. Seit Generationen ernährt dieser Hof die Familie. Vier davon leben heute auf dem Anwesen in Creidlitz. Adrians Urgroßeltern sind über 90, die Großeltern beide 68. Sie haben vor ein paar Jahren erst den Hof an Adrians Vater Andreas übergeben, der den Betrieb jetzt zusammen mit seiner Frau Andrea führt - und mit Adrian, der gerade noch in der Ausbildung steht, aber zu Hause voll mitarbeitet.

Bis er den Meisterbrief in der Hand hat, wird Adrian Becker eine anspruchsvolle und außerordentlich vielseitige Ausbildungszeit von sechs Jahren hinter sich haben. Landwirtschaftsschule mit Abschluss als Wirtschafter, Praxisjahr,Winterschule... Ende 2022 wird es so weit sein. Dass er das auch so schaffen wird, daran hat Mutter Andrea keinen Zweifel: "Er war ja unter den Besten in seinem Jahrgang."

Vielfältige Ausbildung

Landwirt, das heißt am Ende der Ausbildung Kenntnisse in Pflanzenbau, Tierhaltung und Tierzucht zu haben, aber auch kaufmännisches Wissen, technisches Können und vieles mehr. Landwirte können in vielen Bereichen arbeiten. Doch für Adrian Becker ist vollkommen klar, dass die Arbeit auf dem Hof das ist, was er am meisten will. Der Umgang mit den Tieren - die Beckers haben 90 Milchkühe im Stall stehen - das Bewirtschaften der Flächen, das ist es, was den Reiz an der bäuerlichen Arbeit für ihn ausmacht.

Die Gründe, warum viele Altersgenossen wohl den Kopf schütteln würden angesichts seiner Entscheidung, kennt er gut. "Wenn du Tiere hast, dann arbeitest du sieben Tage in der Woche", das weiß er. Urlaub? "Naja, da kannst du halt nicht da weg, wo die meisten fahren, eher mal im Winter ein paar Tage", sagt er. Wie Selbstmitleid klingt es aber nicht. Die tägliche Arbeitszeit: "Du arbeitest acht Stunden", sagt er, grinst und fügt hinzu: "Der Rest ist dann Hobby." Eine nette Umschreibung für eine Arbeitswoche, die in Spitzenzeiten auch mal mehr als 70 Stunden hat.

Sieben Arbeitstage die Woche

Was da an Arbeit auf einen zukommt, das weiß jeder, der in den Beruf einsteigt - schon gar, wenn er auf dem Hof der Eltern aufgewachsen ist. Das ist es dann eben: "Du wächst da halt auch rein", sagt Adrian Becker. Und wie das bei ihm aussah, fügt seine Mutter lachend hinzu: "Der Adrian hat schon mit dem Tretbulldog und seinem Hänger rückwärts rangiert, als hätte er nie was anderes gemacht." Und ja, der Umgang mit den modernen mächtigen Maschinen ist für einen jungen Mann eine der schönen Seiten der Arbeit als Bauer.

Erfüllung aus der Arbeit

Doch da ist mehr. "Wenn du über deine Flächen gehst und siehst, wie viel Leben da ist, wie alles wächst", beschreibt Adrian Becker die tiefe Befriedigung, die er aus dieser Arbeit zieht.

Wenn er mit seinen 21 Jahren trotzdem nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft blickt, dann hat das Gründe jenseits der schweren Arbeit auf dem Hof. Die Beckers arbeiten in einem schon städtisch geprägten Umfeld. Jetzt würden sie gern einen neuen Stall bauen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Eine Investition, die über viele Jahre das Betriebsergebnis belasten wird.

Eine Investition auch, für die über lange Zeit Planungssicherheit wichtig wäre. Doch die gibt es im Augenblick kaum. Politische Vorgaben, gesellschaftliche Ansprüche, wirtschaftliche Unwägbarkeiten - das unternehmerische Risiko ist hoch, im Berufsfeld der Landwirte. Anforderungen an einen Rinderstall, die heute als modern und zukunftsgerichtet gelten, können in wenigen Jahren überholt sein. Einnahmen aus der Arbeit sind schwer auf längere Sicht zu kalkulieren. Im Augenblick bekommen Beckers ungefähr 32 Cent für einen Liter Milch - kein Preis, der Mut für Investitionen macht. Aber über Generationen waren die Preise mal besser, mal schlechter. Soll er sich davon entmutigen lassen? Für ihn ein klarer Fall: Nein.

Reden schafft Verständnis

Mit der fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung, die oft bemängelt wird, hat Adrian Becker noch nicht viel schlechte Erfahrungen gemacht. "Wir hatten Zwischenfrucht auf einer Fläche, da bleiben schon mal Leute stehen und finden, das sieht schön aus. Und wenn ich ihnen erkläre, was wir machen und warum wir das machen, reagieren sie eher positiv", sagt er. Aber abweisende Reaktionen sind ihm auch nicht fremd. Wenn er mal mit der Feldspritze oder einem Güllefass in der Flur unterwegs ist, weiß er, dass ihm viele mit Vorurteilen begegnen. Und da kann er nicht immer anhalten, und den Leuten erklären, was sie offenbar nicht verstehen.

Schließlich muss jeder vor allem mit sich selbst im Reinen sein. Das kann Adrian Becker von sich behaupten. Sicher ist ihm die Liebe zu seinen Tieren und zur Arbeit auf dem Hof. Eine Arbeit, die noch immer und auch in Zukunft dafür getan wird, dass alle etwas zu Essen auf dem Tisch haben - auch die, die angesichts eines Güllefasses den Kopf schütteln.