Kinder und Jugendliche werden oft dafür kritisiert, zu viel Engagement in der digitalen Welt und zu wenig Motivation in der analogen zu zeigen. Wer das sagt, der war am vergangenen Donnerstagabend nicht in Scheßlitz bei der Jungbürgerversammlung dabei. Da zeigten Oliver Schulze-Mayr von der kommunalen Jugendarbeit des Landkreises Bamberg und Johannes Rieber, Geschäftsleiter des Kreisjugendrings Bamberg-Land, dass es auch anders geht. Und das sogar in einer Schule.

Gut gefüllt war die Aula der Mittelschule schon lange vor Beginn. Fast 50 Jungbürger waren der Einladung gefolgt. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in Scheßlitz und die zweite der beiden Moderatoren des Abends nach Oberhaid, begleitet von den Jugendbeauftragten der Kommune.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Roland Kauper ( CSU ) gab es erst mal was zum Naschen. Doch was da noch keiner wusste: Die Süßigkeiten gab es nicht etwa, um heimische Zahnarztbesuche anzukurbeln. Es handelte sich auch keineswegs um eine Bestechungsaktion, sondern diente der Aufteilung in drei Gruppen. Denn je nachdem, was ausgewählt wurde, hatte man sich unwissentlich für die erste der drei Themenstationen des Abends entschieden. Nach jeweils 15 Minuten wechselten die Gruppen dann von einem Haltepunkt zum nächsten. Und kaum wurde das Zeichen zum Start gegeben, rannten die Jugendlichen auch schon voller Elan zu den Themen-Inseln.

Einmal König sein und dann …

Die erste hieß: „Wenn ich König von Schäätz wäre ...“ Hier durfte jeder auf einer großen Papierrolle aufschreiben, was er sich für Scheßlitz wünschen oder in der Stadt ändern würde. Dort fanden sich im Laufe des Abends viele gleichlautende Einträge, wie zum Beispiel der Wunsch eines Dirt- oder Pumpparks, Glasfaserausbau und Ausbau der Infrastruktur, insbesondere Busverbindungen nach Bamberg. Ganz so weit wie Herbert Grönemeyer mit „ Kinder an die Macht“ ging man in Scheßlitz zwar nicht, aber der Wunsch nach einem „Kinderbürgermeister“ ist hier schon vertreten.

Natürlich fanden sich da auch Themen, die zwar nicht im Ermessen einer Kommune liegen, wie Schule oder Proben, die aber offensichtlich mehrere Jugendliche belasten. Und es stellt sich in dem Zusammenhang generell schon die Frage für Eltern und Erwachsene , ob das im 21. Jahrhundert noch so sein muss? An allen erdenklichen Stellen sollten beim hier gleich mehrmals auftauchenden Begriff „Mobbing“ sofort die Alarmglocken läuten.

Der neue Jugendtreff

An der zweiten Station ging es um den bereits im Rahmen des innerstädtischen Entwicklungskonzepts (ISEK) verabschiedeten Platz für einen Jugendtreff . Wie der Bürgermeister sagte, sei dafür ein Platz, auf den man sich geeinigt habe, gefunden worden. Doch was wollen die jungen Leute von Scheßlitz dort haben? Klar, vorn lag auch hier wieder der Wunsch nach einem Dirt-/Pumptrack. Aber auch ein Basketball- und Volleyballfeld wurden genannt, ein Schachbrett, Kicker sowie eine Tischtennisplatte, neben einer Unterstellmöglichkeit bei Regen. Aber auch Bäume fehlten in der Auflistung nicht.

Was in Scheßlitz fehlt

Interessant ist auch, was dem Nachwuchs in Scheßlitz fehlt und an der dritten Station thematisiert wurde. Neben den bereits genannten Themen wurden hier eine Kinder- und Jugenddisco genannt, aber auch öffentliches WLAN, ein Christopher Street Day (CSD), Toiletten in Einkaufsläden, Ampeln, Zebrastreifen sowie ein Freizeit- und/oder Naturpark.

Doch es sollte an dem Abend nicht nur ums Reden, Wünschen und Meckern gehen – die Jungbürger sollen sich auch aktiv ins Gemeindeleben einbringen. Wo machen sie in Scheßlitz bereits mit und wann haben sie noch Zeit für Aktivitäten? Hier konnten sie entsprechende Angaben machen.

Anschließend erhielt jeder Jungbürger fünf Punkte, mit denen er seine Schwerpunkte markieren konnte. Das dient den Veranstaltern dazu, zu erkennen, wo der Schuh am meisten drückt und was zuerst angegangen werden soll. Denn natürlich geht nicht alles auf einmal, zumal einige Vorschläge auch richtig viel Geld kosten.

Die Veranstalter und Jugendbeauftragten werden sicher noch einige Zeit benötigen, um die Wünsche und Kritik der Jugend zu sondieren und aufzubereiten, bevor das Ergebnis des Abends dann bei einer Stadtratssitzung offiziell vorgestellt wird.

Veranstalter wollen nachkontrollieren

Aber auch das soll noch nicht den Schlusspunkt setzen, wie die beiden Veranstalter versicherten. In regelmäßigen Abständen wollen sie sich vor Ort erkundigen, was aus den Vorschlägen geworden und wie weit deren Umsetzung inzwischen gediehen ist.

Nach getaner Arbeit gab es Pizza für alle und obendrein noch eine Verlosung von Pizzagutscheinen sowie zwei Dauerjahreskarten für das Scheßlitzer Freibad , diese freilich nicht mehr für 2021, wie einer der Moderatoren scherzhaft meinte, sondern schon für nächstes Jahr.