In gewissen Milieus gilt das Auto als Auslaufmodell; Angehörige dieser Milieus haben wohl noch nie die A3 befahren oder in einer beliebigen deutschen ...
In gewissen Milieus gilt das Auto als Auslaufmodell; Angehörige dieser Milieus haben wohl noch nie die A3 befahren oder in einer beliebigen deutschen größeren Stadt einen Parkplatz gesucht. Gleichwie: Dass Umwelt, Lebensweise, Städtebau, ja Mentalitäten durchs Auto in nur knapp 100 Jahren eine große Transformation erfahren haben, steht außer Frage, ist, so der Kunstdidaktiker Hubert Sowa, „ein gesellschaftlich und kulturell hochbedeutsame[s] Thema[…]“.
Das steht in einem Bändchen „Auto. Plastische Szenen zur Mobilität“, das im Bamberger Erich Weiß Verlag erschienen ist. Recht eigentlich ein Katalog zu Bronze- und Eisengüssen des Bildhauers Adelbert Heil, die er dem „Auto“-Motiv gewidmet hat und verschiedentlich ausgestellt, so in der Villa Dessauer und im Mai dieses Jahres im Garten von Schloss Seehof. Nicht zufällig, denn bei seinen Recherchen zur Geschichte der Bamberger Jesuiten stieß er auf den Kastellan – eine Art Hausmeister – Peter Maser (1732–1802), der im Schloss Ende des 18. Jahrhunderts wirkte und ein Gefährt konstruierte, das man vielleicht mit einem Kettcar vergleichen könnte.
Der Erfinder, der schließlich zum Verwalter des Erthal-Krankenhauses avancierte, fiel dem Berliner Aufklärer Friedrich Nicolai auf, der 1781 auf seiner Deutschlandreise auch Schloss Seehof mit einer Visite beehrte und darüber in seinem einige Jahre danach erschienenen Bericht schrieb.
Seehof und das Landvolk
Dies alles kann man ausgiebig in dem von Hauptkonservator Thomas Gunzelmann verfassten Aufsatz über Schloss Seehof als Reise- und Ausflugsziel im späten 18. Jahrhundert nachlesen, der im Katalog enthalten ist – darin auch volkskundliche Details über die Feier- und Trinkfreude der Bamberger und des Landvolks, das nach saurer Arbeit am Sonntag im Schlossgarten offenbar gerne einmal über die Stränge schlug.
Die Kaskade im Park ziert als Zentralfigur ein Herkules. Inspiriert davon und von der Geschichte des Peter Maser, schuf Heil eine Reihe von Plastiken mit eben dieser antiken mythischen Figur und der Göttin Fama im Rücken.