Was die Partner aus Indien über die aktuelle Corona-Situation per Telefon und E-Mail berichten, erschüttert. Die Lage wird täglich dramatischer. Die von der Regierung veröffentlichen Zahlen der Infizierten und Toten spiegeln nicht die Realität wider, da sie versucht, einerseits die Lage zu beschönigen und andererseits überhaupt nicht die Möglichkeit gegeben ist, die vielen Menschen zu testen. Zudem lehnen viele einen Test auf das Virus ab, weil sie Angst vor Isolation und Quarantäne haben.

Überall sind die Krankenhäuser überfüllt, Kranke werden abgewiesen. Es fehlen Medikamente , Sauerstoff, Beatmungsgeräte. Wanderarbeiter, Tagelöhner, Taxifahrer, die grundsätzlich von der Hand in den Mund leben, sind durch den verordneten harten Lockdown komplett arbeitslos und ohne jegliche Einnahmen. Sie und ihre Familien hungern. Und die Impfungen kommen nur schleppend voran: Bisher sollen nur drei Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Dazu kommen viele Impfgegner : Sie halten die Impfung für einen Plan der Regierung, die Bevölkerung zu reduzieren, Frauen unfruchtbar zu machen und Menschen zwei Jahre nach der Impfung sterben zu lassen.

Diese bedrückenden Nachrichten lassen die beiden Stegauracher gemeinnützigen Indien-Vereine nicht kalt. Der Verein „Zukunft für Menschen in Südindien“ und der erst Anfang März 2020 gegründete Verein „Khublei – Hilfe für Nordost-Indien“ haben ihre Mitglieder, Förderer, Freunde mobilisiert. Für „Südindien“ kamen seit einem Aufruf im Mai bisher weit über 50 000 Euro an Spenden zusammen, für „Nordost-Indien“ über 18 000 Euro. „Es geht darum, Menschen in akuter Not zu helfen!“, sagt Vorstandsmitglied Pfarrer Walter Ries vom „Südindien-Verein“. „Wir nehmen uns gegenseitig nichts weg“, betont er im Blick auf eine mögliche Konkurrenz der beiden Vereine.

Keine Rivalität der Vereine

Auch Gerhard Albert, Vorsitzender von „Khublei“, sieht keinerlei Rivalität. Die einen leisten Überlebenshilfen im Süden des Subkontinents, die anderen eben im extrem strukturschwachen Nordosten. In beiden Fällen gelte: „Diese Menschen berühren uns im Herzen. Sie sind der Auslöser, uns mit viel Liebe und Kraft für sie einzusetzen, ihnen in ihrer desaströsen und nahezu ausweglosen Situation Zuversicht und ein Licht der Hoffnung zu geben“, erklärt Albert.

Er hatte vor der Gründung von „Khublei“ etliche Jahre die Projektarbeit des Südindien-Vereins begleitet. Diese Erfahrung nutzt er nun, um seine neu entdeckte Herzensregion Nordost-Indien zu unterstützen. Reisen in diese Region vor Corona brachten Albert auf den Gedanken, die Herausforderung in dem einstigen Missionsgebiet von Pater Otto Hopfenmüller aus Weismain anzunehmen: „Pater Hopfenmüller wird auch nach 130 Jahren in Nordost-Indien sehr verehrt und ist mir ein Vorbild“, sagt Albert.

Er knüpfte Kontakte mit dem Erzbischof Victor in Shillong, mit Pfarrern und der „Jainta Hills Development Society (JHDS)“, die sich als sozialer Flügel der Diözese Jowai versteht. Diese Khublei-Partner sorgen dafür, dass die Corona-Nothilfe wie etwa Lebensmittel auch bei den Armen ankommt. Oder dass die 5000 gespendeten Masken an die Bedürftigsten ausgegeben werden.

Darüber hinaus setzt „Khublei“ auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe: „Jetzt geht es darum, den Wanderarbeitern und armen Menschen zu helfen, eine eigene Tätigkeit aufzunehmen und eine eigene Einnahmequelle aufzubauen“, sagt Vorstand Albert. So wolle der Verein mit spezifischen Schulungen zu Geflügel-, Bienen- und Schweinezucht, zur Kerzenherstellung, zur Verarbeitung von Agrarprodukten die Selbständigkeit fördern, „damit die Menschen künftig unabhängig von anderen sein können“.

Auch Schülerpatenschaften und Schulbau haben die khublei-Vereinsmitglieder übernommen. Den Weg, durch die Förderung von Schulbildung Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu geben, geht mit Erfolg auch der schon in Stegaurach und Gundelsheim etablierte Verein „Zukunft für Menschen in Südindien“. Etwa 1300 Patenschaften verzeichnet er inzwischen, darunter auch für angehende Krankenschwestern und Senioren. Garant vor Ort für den gezielten Einsatz von Geldern aus Franken ist Pfarrer Jeremias George, der seit vielen Jahren regelmäßig die Region Bamberg besucht und Pfarrvertretungen in Gundelsheim, Stegaurach und Adelsdorf leistet.