Die Namen der Dörfer klingen eigentlich nach Fränkischer Schweiz: Plankendorf, Mädchendorf, Sophiendorf, Schönborn, Pausching. Und doch liegen diese Orte in der Ukraine. Genauer gesagt in der „Oblast Transkarpatien“ im äußersten Westen des Landes. Die Region grenzt an Polen, die Slowakei, Ungarn und Rumänien. Die etwa 3500 Bewohner dieser Dörfer bei Mukachevo mit so typisch deutschen Namen eint ihre Herkunft: Sie sind Nachfahren der Handwerker- und Bauernfamilien aus dem Hochstift Bamberg , die im frühen 18. Jahrhundert dort siedelten. „Schönborn-Franken“ werden sie genannt nach ihrem einstigen Landesherrn.

50 Familien aus Franken

Auf Geheiß von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn brachen rund 50 Familien aus Burgwindheim, Lauf, Scheßlitz, Schlüsselfeld, Thüngfeld, Forchheim und Weilersbach im Jahr 1731 in das heutige Transkarpatien – damals Oberungarn – auf. Sie sollten das von Kriegen verwüstete Land des Bamberger und Würzburger Fürstbischofs wieder aufbauen. Was die Siedler aus dem Frankenland auch erfolgreich taten. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die „Karpaten-Ukraine“ zur Tschechoslowakei, nach dem Zweiten Weltkrieg zur Sowjetunion, und seit 1989 ist die „Oblast Transkarpatien“ eine Verwaltungseinheit der Ukraine, seit 1991 ihr integraler Bestandteil mit rund 1,3 Millionen Einwohnern, größtenteils Ruthenen.

„Wir wollten unsere Verwandten in den Schönborndörfern nicht alleine lassen“, erinnert sich Adam Bucher an den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Bucher, Vorsitzender des Arbeitskreises Ukraine der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in der Erzdiözese Bamberg , verweist auf den Waischenfelder Journalisten Anton Sterzl, der bei einer Reise in die Ukraine auf die „vergessenen Schönborn-Franken“ stieß. Dessen Artikel in der Bamberger Kirchenzeitung „Heinrichsblatt“ in den 1990er Jahren habe die KLB alarmiert, blickt Adam Bucher zurück. Der Diözesanvorstand habe eine Delegationsreise in die Karpaten beschlossen. Maßgebliche Organisatorin dieser Reise sei Elvira Eckschmidt gewesen, die zwei Jahre zuvor aus der Bistumsstadt Mukachevo nach Baunach gezogen war: „Sie konnte für uns wichtige Kontakte vor Ort knüpfen“, erzählt Bucher.

Deutsche Sprache gepflegt

Was die Bamberger Delegation in den Schönborndörfern antraf, verblüffte die Teilnehmer: „Die Bewohner pflegen die deutsche Sprache und deutsche Kultur in entsprechenden Vereinen.“ Mit den Verantwortlichen der Dörfer wurden Vorschläge für die künftige Partnerschaft mit der KLB Bamberg erarbeitet. Wichtige Themen waren dabei humanitäre Hilfe, Begegnung, Schaffung von Arbeitsplätzen und wirtschaftliche Kontakte, Kulturaustausch und mehr.

Längst sind die partnerschaftlichen Beziehungen keine Einbahnstraße mehr: Auf Studienfahrten der KLB mit Dutzenden Franken nach Transkarpatien folgen Gegenbesuche im Erzbistum Bamberg . An „Deutschen Kulturtagen“ in Mukachevo oder den Schönborndörfern wirken fränkische Stubenmusiker mit, Schüleraustausch , Begegnung von sportbegeisterten Jugendlichen, neue Arbeitsplätze durch Firmen aus der Region Bamberg in Transkarpatien, Aupairmädchen aus den Schönborndörfern in Franken.

Die Liste beiderseitiger Kontakte ist lang und sollte eigentlich durch eine Reise von Bambergern nach Transkarpatien im kommenden September vertieft werden. Pläne, die der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zunichte gemacht hat. mkh