Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Bamberg äußerste sich einer der Angeklagten , nennen wir ihn Radu. Der andere schwieg weiterhin. Beide sollen im Herbst 2020 in Bamberg , Ingolstadt und Vöhringen drei ältere Menschen verfolgt, brutal niedergeschlagen und ausgeraubt haben. Ihre arg- und wehrlosen Opfer erlitten lebensgefährliche Verletzungen und kämpfen teilweise noch heute mit den Spätfolgen. Dabei erbeutete man insgesamt gerade einmal 4800 Euro.

„Wo lernt man denn so gut lügen in Bukarest?“ Lange hat Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann der Geschichte zugehört, die Radu erzählt hat. Dass es keinen gemeinsamen Plan gegeben habe. Dass man nicht absichtlich Alte und Schwache ausgesucht hätte. Dass man die Opfer nicht habe töten wollen ...

„Alles verspielt und versoffen“

Wenn man den Worten des redseligen Radu glauben mag, haben sich die beiden Männer, die sich seit ihrer Kindheit kennen, nach Jahrzehnten ganz zufällig wiedergetroffen. Der eine, der nach einer Flucht vor der rumänischen Justiz schon sechs Jahre in Deutschland lebt, hat seinen „Kumpel“ hergeholt, damit der arbeiten kann. Denn Radu braucht nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss und dem Verlust des Führerscheins einen Chauffeur. Einen, der ihn zum Einkaufen und zum Ausrauben bringt. Schließlich soll das Kapitalverbrechen nicht an einer einfachen Verkehrskontrolle scheitern.

Die Beute will Radu auf den Kopf gehauen haben. „Ich habe alles verspielt und versoffen.“ Er sei spielsüchtig, habe sogar das Essensgeld seiner Kinder in die Spielothek getragen und in blinkende Automaten versenkt. Was den Schnaps angeht, so will Radu täglich Wodka und Whisky in medizinisch bedenklichen Mengen in sich hineingeschüttet haben. Von Ausfallerscheinungen bei den Überfällen , etwa Fehlschlägen, ist jedenfalls nichts bekannt. Bis zu zweieinhalb Flaschen sollen es im Laufe eines Tages gewesen sein. Ob das tatsächlich so stimmt, das wird der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Wenske aus Erlangen an einem der nächsten Prozesstage noch zu klären suchen.

Zumindest wird die Stoßrichtung der Verteidigung deutlich. Zum einen möchte man von dem Vorwurf des versuchten Mordes in drei Fällen weg. Denn dafür könnte man nicht nur eine langjährige Haftstrafe verhängen, sondern auch eine anschließende Sicherungsverwahrung . Wenn die Strafkammer zur Überzeugung kommt, dass von Radu und seinem „Kumpel“ eine ernste Gefahr für andere Menschen ausgeht, auch Opfer solch skrupelloser Überfälle zu werden. Dann könnte es sein, dass Radu und sein Landsmann sehr, sehr lange hinter Gittern bleiben, schlimmstenfalls ein Leben lang. Deshalb berichtete Radu auch davon, dass er nicht etwa einen Hammer benutzt hätte, sondern einen Ring mit metallischem Aufsatz. „Ich habe ihn nur genommen, um meine Hand beim Schlag zu schützen.“ Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Manfred Schmidt , warum Radu denn eine 88-jährige Frau, die mit einem Rollator unterwegs war, nicht einfach umgeschubst habe, statt sie mit voller Wucht am Kopf zu treffen, wusste Radu freilich keine Antwort. „Die Rentnerin hätte Sie doch nie verfolgen können.“

Furcht vor der Abschiebung

Zum anderen geht es darum, dass die Taten unter Einfluss berauschender Substanzen begangen worden sein könnten. Was eine bis zu zweijährige Unterbringung in einem Bezirksklinikum nach sich zöge. Solch eine Therapie ist zwar weit davon entfernt, ein Erholungsurlaub zu sein. Aber sie ist immer noch angenehmer als eine Zelle in irgendeiner Justizvollzugsanstalt. Zumal sich Radu ausdrücklich wünschte, nicht in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Was aus der Strafhaft heraus denkbar wäre. Immerhin erwarten Radu in Rumänien zehn Jahre Gefängnis. Seiner Schilderung nach, weil er sich ein Handy gekauft hat. Da hat Oberstaatsanwalt Hoffmann aber ganz andere Erkenntnisse. Auch die werden demnächst noch zur Sprache kommen.

Brutale Attacken

Sein Komplize hinter dem Steuer habe übrigens nichts von der Beute abbekommen, ergänzte Radu. Nur 1000 Euro pauschal für die Fahrerei und das Flugticket, um nach Nürnberg zu kommen. Jener habe noch nicht einmal gewusst, warum man zu zweit wildfremden Menschen nachgestellt habe. Auch das Blut an Radus Hand, nachdem dieser wieder ins Fluchtauto eingestiegen sei, habe jener nicht gesehen. In diesem Zusammenhang mit den brutalen Attacken, die Schädelbrüche und Hirnblutungen zur Folge hatten, sprach Radu von „Dummheiten“.

Zwei der Opfer sind nach derzeitigem Stand nicht dazu in der Lage, ins Landgericht zu kommen. Das hat körperliche Ursachen, die mit dem Alter und den Schäden durch die Straftaten zu tun haben. Es sind aber auch psychische Gründe, wie Maximilian Glabasnia als Nebenklagevertreter erklärte. „Sie haben Angst, die Angeklagten zu sehen“, so der Rechtsanwalt aus Bamberg . Nur die ältere Dame aus Bamberg wird sich in den Zeugenstand wagen.