Der „Party-Schiri“ ist zurück: Warum Sebastian Linz wieder Fußballspiele auf Kreisebene pfeift
Nach einigen Jahren Pause schreitet er wieder energisch über den Platz, kaum zu übersehen mit den langen Schritten und einer Körpergroße jenseits der 1,90 Meter. Sebastian Linz pfeift wieder. Der 42-jährige Gastronom, Pächter des Fässla-Kellers in der Bamberger Wunderburg und des Kachelofens in der Sandstraße, ist nach einer längeren Pause erneut als Schiedsrichter aktiv.
Aber nur noch auf Kreisebene – oder bei besonderen Anlässen wie dem Benefizspiel zwischen dem FC Sternstunden und der Traditionsmannschaft des FC Eintracht Bamberg am Samstag um 16 Uhr im Fuchsparkstadion. Dann wird er an der Seitenlinie als Assistent fungieren, die Spielleitung übernimmt mit Landrat Johannes Maciejonczyk ein langjähriger Schiedsrichter-Kamerad aus der Steigerwälder Gruppe.
„Den Spaß am Pfeifen hatte ich nie verloren. Außerdem fühle ich mit 42 Jahren zu jung, um bereits den sportlichen Ruhestand einzuläuten“, erklärt Linz sein Comeback an der Pfeife. Als Schiedsrichter hat er einen beachtlichen Weg hinter sich: Insgesamt sechs Jahre pfiff Linz in der Landesliga, eine Saison war er in der Bayernliga aktiv, acht Jahre lang war er als Assistent in der Regionalliga unterwegs, unter anderem an der Seite von Christopher Schwarzmann, Christian Dietz und Florian Bad-stübner.
In diese Sphären kann und will Linz als Schiedsrichter aber nicht mehr vorstoßen, wird nur noch Spiele auf Kreisebene leiten. In der vergangenen Saison leitete er zehn Partien, einige mehr sollen es in dieser Spielzeit werden. „Wann immer die Zeit es zulässt“, sagt der vielbeschäftigte Gastronom.
Im Sportheim übernachtet
Als junger Referee hat er sich den Ruf als „Party-Schiri“ erarbeitet, die sogenannte dritte Halbzeit in den Sportheimen der Region wurde regelmäßig zelebriert. „Das durfte von meinen Obmännern damals keiner wissen, aber es kam nicht nur einmal vor, dass ich im Sportheim geschlafen habe und erst am nächsten Tag nach Hause bin“, sagt Linz: „Das waren legendäre Abende in Abtswind oder Trogen.“
Auch heute legt er weiterhin Wert auf die Zeit nach dem Spiel, betont aber, dass ihm die ersten beiden Halbzeiten mindestens genauso wichtig sind. „Damals war ich ehrgeiziger und wollte hoch hinaus. Jetzt will ich einfach Leistung bringen und unauffällig meine Spiele leiten“, sagt er. Dazu gehöre, ruhig zu bleiben, mit den Spielern zu kommunizieren, konsequent zu sein und auch einmal Fehler zuzugeben.
Der Zuspruch vor Ort bestätige ihn jedenfalls darin, dass die Rückkehr an die Pfeife die richtige Entscheidung gewesen sei. „Wenn die Leute wie kürzlich in Frimmersdorf zu einem kommen und sagen: ‘Schön, dass du wieder bei uns bist‘, dann macht das einen schon stolz“, sagt Linz, der meistens kleine Präsente für die Kinder dabei hat: „Ich nehme mehrere Gelbe und Rote Karten mit und schenke sie den Kids. Die freuen sich immer tierisch“, sagt Linz.
Mit Kießling in Auswahl
Vor seiner Schiedsrichter-Karriere spielte Linz selbst Fußball. Als Mittelfeld- oder Abwehrspieler durchlief er die Jugendmannschaften des FC Bamberg, des TSV Eintracht und vom SV Hallstadt, spielte auf Bayernliga-Niveau. 1998 gehörte er zum oberfränkischen Talentkader des Jahrgangs 1984, in dem auch Stefan Kießling stand, der beim 1. FC Nürnberg zum Profi und später zum Nationalspieler reifen sollte.
Am Samstag begegnen sich beide auf dem Platz wieder: Kießling läuft für den FC Sternstunden auf, Linz fungiert als Assistent. „Der Kreis schließt sich dann“, sagt Linz.
Gastronom statt Postbote
Sein Vater Friedrich, früher selbst Schiedsrichter bis zur Landesliga, brachte ihn einst zum Pfeifen. Mit nicht ganz 14 Jahren legte er die Prüfung ab. Damals wusste der heute 42-Jährige aber noch nicht, welchen Weg das Leben für ihn bereithalten würde. „Eigentlich wollte ich Zimmermann werden“, schildert Linz. „Das hat aber nicht geklappt, weswegen ich eine Ausbildung zum Postboten angefangen und abgeschlossen habe.“
Die große Leidenschaft war aber eine ganz andere gewesen: das Kellnern. „Seit ich 14 bin, bediene ich im Kachelofen. Ich kenne hier mittlerweile jede Fliese persönlich“, so Linz. „Es ist ein Knochenjob, der aber unglaublich viel Spaß macht“, sagt Linz. Er hat sich hochgearbeitet, führt zwei erfolgreiche Lokalitäten und engagiert sich auch karitativ: Seine Verlosungen bringen jährlich mehrere tausend Euro, der komplette Betrag kommt bedürftigen und kranken Kindern zugute. Auch am Samstag im Stadion wird es die Möglichkeit geben, Lose zu ersteigern.
100 Lose zu je 40 Euro stehen je Ziehung bereit, rund die Hälfte sind Gewinne in Form von Konzertkarten, Gutscheinen und dergleichen. „Ich bin dankbar, dass es mir gut geht und ich gesund bin, und möchte auch jene Menschen zumindest ein wenig unterstützen, die es im Leben schwerer haben.“