"Unverfrorenheit" ist noch ein harmloser Ausdruck, der Gerhard Albert über die Lippen kommt. "Die AfD hat uns genannt, ohne uns zu fragen!", beklagt der Vorsitzende des Stegauracher Vereins "Khublei - Hilfe für Nordost-Indien". Ganz davon abgesehen, sei "Khublei" politisch neutral. Und das Anliegen, dass die "Seebrücke" vertrete, "ist ganz in unserem Interesse", betont Albert nachdrücklich.

Auch Werner Kinkel ist entsetzt: "Wir distanzieren uns ausdrücklich von der AfD !", sagt der Vorsitzende des in Bamberg ansässigen Vereins "Brot und Bücher ", den seine Tochter, Bestsellerautorin Tanja Kinkel , ins Leben gerufen hat. Seit dessen Gründung 1992 hilft "Brot und Bücher e.V." gerade auch Flüchtlingskindern , zu menschenwürdigen Lebensumständen und zu Schulbildung zurückzufinden.

Dass die Fraktion der AfD im Landkreis Bamberg mit dem Hinweis auf diese beiden gemeinnützigen Vereine ein veritables Eigentor geschossen hat, könnte fast erheitern. In ihrem Antrag vom 4. Februar an den Kreistag - namentlich gezeichnet von Michael Genniges - wirbt die AfD-Fraktion für die "Unterstützung von Hilfsorganisationen, die auch im Raum Bamberg zahlreich vertreten sind. Neben den Organisationen der christlichen Kirchen sei hier beispielhaft auf die Organisationen ‚Brot und Bücher ‘ und ‚Khublei‘ hingewiesen. Der Antrag der Seebrücke Gruppe Bamberg dagegen ist abzulehnen", heißt es wörtlich.

Die "Seebrücke Gruppe Bamberg" hatte bereits im vergangenen Jahr Landrat Johann Kalb ( CSU ) und die Vorsitzenden der Fraktionen im Kreistag dazu aufgerufen, den Landkreis Bamberg bald als "Sicheren Hafen" für Flüchtlinge bekannt zu machen. Die "Seebrücke" bittet die Angeschriebenen darum, sich dafür einzusetzen, dass "der Landkreis Bamberg bereit ist, eine Gruppe von zum Beispiel 15 minderjährigen Geflüchteten aufzunehmen, beispielsweise aus einem Lager auf den griechischen Inseln". Dies sei ein "wichtiges wie auch politisches Zeichen für die Bewohner des Landkreises einerseits und für das Bundesministerium des Inneren andererseits", so die "Seebrücke". Auch die Stadt Bamberg habe sich bereits zum "Sicheren Hafen" erklärt und ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Geflüchteten in einer Stadtratssitzung vom 30. September 2020 ausgedrückt.

Der Antrag der AfD wurde im Kreistag noch nicht behandelt. "Der Landrat spricht die Themen der Sitzungen in der Regeln zunächst mit den Fraktionsvorsitzenden vor", erklärt Landkreis-Sprecher Frank Förtsch auf Anfrage. Zusätzlich zu den gesetzten Themen gebe es immer auch eine Reihe von Anträgen verschiedener Fraktionen oder Kreisräten .