Es war absehbar, dass Affenpocken auch die Region Bamberg nicht verschonen. „Wir sind relativ spät dran“, stellt Susanne Nick fest. Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheitswesen am Landratsamt vermeldet am Mittwoch den ersten bestätigten Fall. Wie Nick gegenüber dem Fränkischen Tag sagt, ist es aufgrund des sehr „umsichtigen Verhaltens“ des Mannes zu keinem ansteckungsrelevanten Kontakt mit anderen Personen gekommen.

Der Mann mittleren Alters aus der Stadt Bamberg hatte am Montag, 5. September, bei sich Symptome entdeckt, konkret mit Flüssigkeit gefüllte, umrandete Bläschen auf der Haut. Daraufhin hat er seinen Verdacht der Hausarztpraxis gemeldet, in der daraufhin ein Abstrich und PCR-Test gemacht wurde. „Verdachtsfälle werden uns gemeldet“, erklärt die Abteilungsleiterin. Etwas später ging dann die Bestätigung des Labors ein: „Es sind Affenpocken .“ Der erste Fall in der Region Bamberg somit.

„Mit Beginn der Zunahme der Ansteckungen, haben wir damit gerechnet“, rekapituliert Nick vergleichsweise entspannt. Der Blick auf die Zahlen und die Gesamtsituation rechtfertigen das wohl: „Ende August gab es deutschlandweit 3500 Fälle, mehr als die Hälfte davon in Berlin.“ Hohe Anteile hatten auch Köln, Frankfurt und München. Nach bisheriger Analyse war die Zahl der schweren Verläufe relativ gering, berichtet Nick weiter. In Deutschland gab es bislang noch keinen Toten infolge von Affenpocken . Es gebe auch vergleichsweise wenig stationäre Aufenthalte: Stand Ende August hatten von den genannten 3500 Infizierten 200 stationär aufgenommen werden müssen. Nach ihrem Kenntnisstand waren dafür oftmals nicht die Symptome der Anlass, sondern „starke Schmerzen an den betroffenen Hautstellen.“

Dennoch will sie die Affenpocken keineswegs verharmlosen. Susanne Nick unterstreicht dabei erneut die Bedeutung von Hygienemaßnahmen, wie sie seit Corona fest eingeübt sind. Denn Affenpocken verbreiten sich gerade durch sehr engen körperlichen Kontakt. Da genüge es, wenn ein Infizierter einen anderen Menschen berührt und dieser möglicherweise eine leicht verletzte Hautstelle und somit eine „Eintrittsstelle habe“.

Hohe Ansteckungspotenzial berge ungeschützter Sex. Offenbar besonders gefährdet seien dabei Männer, die Kontakte mit Männern haben sowie Menschen mit mehreren (wechselnden) Partnern. Auf Nachfrage empfiehlt Susanne Nick durchaus die Impfung gegen Affenpocken , speziell für gefährdete Gruppen, aber auch für das Personal in Speziallaboren. Das Virus hält sich lange in der Umwelt und stabil auf Oberflächen“, teilt sie den aktuellen Wissensstand.

Auch wenn man selbst Kontakt mit einem Infizierten und den Verdacht oder Nachweis einer Infektion habe, rät sie zur Impfung. Angesichts einer Zeitspanne von fünf bis 21 Tagen zwischen Kontakt und Erkrankung, könne sich durchaus Impfschutz aufbauen, „wenn man die Anfangsphase erwischt“. Allerdings verweist die Fachbereichsleiterin auch darauf, dass es im Bereich Bamberg mit Stadt und Landkreis derzeit keinen Impfstoff gegen Affenpocken gibt.

Kein Impfstoff vorhanden

Die nächsten Einrichtungen mit derartigem Impfstoff finden sich an den Unikliniken sowie an Schwerpunkt-, also Infektiologie-Praxen in Würzburg, Erlangen, Nürnberg und Fürth. Grund, nun eine größeres Ausbruchsgeschehen in der Region Bamberg zu befürchten, sieht die Fachbereichsleiterin nicht. Insgesamt sei bereits ein Abflauen der Infektionswelle zu beobachten. Gleichwohl legt sie der Bevölkerung nahe, weiterhin die eingeübten Corona-Hygiene-Schutzmaßnahmen beizubehalten.

Bei Ansteckungsverdacht zum Arzt

Bei Verdacht, dass man sich angesteckt haben könnte, ist in jedem Fall der Arztbesuch zu empfehlen und sich selbst zu isolieren. Meist ist der Verlauf milde und die Heilung erfolgt, ohne dass ärztliche Hilfe erforderlich wird, gibt Nick den Stand der Erkenntnisse weiter. Schwere Verläufe wurden bei Kindern und Menschen mit Immunerkrankungen festgestellt. Ab Infektion oder Symptomausbruch gilt eine Isolationszeit von 21 Tagen, die sich weiter verlängert, sollten weitere Bläschen auftauchen. „Es muss alles weg sein, Krusten und Schorf“.

Auf der Homepage des Landratsamtes finden sich weitere Informationen zu Fragen, die das Thema Affenpocken betreffen. Mehr Infos gibt es auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts rki.de/affenpocken.