Dürrlauf fühlte sich gut von Priestern begleitet, zu denen er Vertrauen fasste. Er pilgerte nach Rom und lernte bei einer Studienreise Israel kennen. Und fühlte sich zunehmend zu einer Entscheidung fähig, die er wenige Jahre zuvor noch nicht getroffen hätte: Priester zu werden.
Der Weg dahin sei ein langer Prozess gewesen, erinnert sich Dürrlauf. Er habe mit Studienkollegen und Freunden darüber gesprochen, das Für und Wider abgewogen. Schließlich kontaktierte er den damaligen Regens des Würzburger Priesterseminars, Stefan Michelberger. Dieser empfahl ihm, zunächst das Studium der Religionspädagogik abzuschließen und dann die Ausbildung zum Priester anzuhängen. Die Würfel waren gefallen. 2021 trat Dürrlauf ins Priesterseminar ein und studierte bis 2024 im Studienhaus Sankt Lambert in Lantershofen Theologie und Philosophie.
Jeder Priester hat sein eigenes Welt- und Kirchenbild, seine eigene Spiritualität und Gottesbeziehung. Wie alle Getauften. „In dieser Gruppe im Priesterseminar sieht man schon ein Spiegelbild der unterschiedlichen Vorstellungen von Kirche“, sagt Dürrlauf. Traditionen, Reformwünsche, religiöse Prägungen treffen aufeinander und erfordern Kompromissfähigkeit.
Ihm selbst sei es wichtig, authentisch zu sein und sich nicht zu verstellen, unterstreicht er. „Ich habe mich bewusst für die katholische Kirche entschieden, bin hineingewachsen und identifiziere mich damit. Kirche heißt, es geht um ein weltweites Miteinander, und auch wenn in Deutschland vorausgedacht wird, müssen wir darauf achten, dass wir eine Gemeinschaft sind.“
Entscheidend ist aus seiner Sicht nicht die kirchliche Struktur, sondern dass Menschen in der Kirche ihren Glauben feiern können, für ihr Leben und ihren Alltag gestärkt werden. Eine von Richtungskämpfen geprägte Kirche hält er für unattraktiv.
Unverstellt aufzutreten, anderen zuzuhören und sie etwas von Gottes Zuwendung spüren zu lassen, sieht Dürrlauf als Richtschnur seines künftigen priesterlichen Wirkens. Etwas davon umgesetzt hat er bereits seit Beginn seiner Mitarbeit im Pastoralen Raum Bad Kissingen 2024. In Absprache mit seinem Mentor, Pfarrer Gerd Greier, lädt Dürrlauf regelmäßig zum „Night Prayer“ in die Bad Kissinger Kirche Sankt Jakobus ein.
„Night Prayer“ spricht alle an
„Night Prayer“ vereint Schriftwort und Auslegung, Meditation und Anbetung in einer stimmungsvoll illuminierten Kirche, begleitet von Worship-, Taizé- und Gotteslobgesängen. „Das Publikum ist sehr breit gefächert. ,Night Prayer' spricht jede Altersgruppe an und auch Kirchenferne, die nicht mehr in den normalen Gottesdienst gehen“, beobachtet Dürrlauf. „Night Prayer“ soll den Alltag der Menschen durchbrechen und sie spüren lassen: Kirche ist etwas Schönes, das guttut.
Die Entscheidung für den Priesterberuf sei ein Entspannungsmoment gewesen, berichtet Dürrlauf. Das gute Gefühl erleichtere es ihm, ein zölibatäres Leben zu führen und dem Bischof Gehorsam zu versprechen. Die zurückliegenden Jahrzehnte haben Dürrlauf gezeigt, dass er Beziehungen aufbauen und erhalten kann. Auch das Schwimmen bei den „Main-Haien“ in seiner Kinderzeit dürfte ihm für seinen Beruf hilfreich sein. Er weiß, was es heißt, sich ein Ziel zu setzen und dafür zu trainieren.
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Würzburger katholisches Sonntagsblatt