Von weit unten aus den Tälern ist das Läuten der Kirchenglocken aus Wildflecken und Oberbach zu hören. In dieser Kulisse denkt er an seine Vorfahren, die hier einst lebten und arbeiteten, bevor das Jahr 1938 mit der Zwangsabsiedlung für den Bau des Truppenübungsplatzes alles veränderte. In der Stille dieses Ortes wird das oft erzählte Heimweh seiner Mutter plötzlich greifbar und tief nachempfindbar. Das Gefühl des Verlusts, aber auch der tiefen Verwurzelung, ist hier oben im Boden verankert, schreibt er weiter.
Trotz des typisch wechselhaften Novemberwetters war das Interesse auch in diesem Jahr spürbar. Die RK Wildflecken konnte an Allerheiligen rund 60 Personen zählen, die den Weg in das militärische Sperrgebiet auf sich nahmen. Dass dieser Tag so reibungslos durchgeführt werden konnte, nimmt der RK-Vorsitzende David Baer zum Anlass, um sich im Namen der gesamten Reservistenkameradschaft ausdrücklich bei der Bundeswehr und der Geländebetreuung für die Ermöglichung des Zugangs und die hervorragende Vorbereitung zu bedanken. Die Fahrwege waren gut befahrbar und die Friedhöfe präsentierten sich in einem sehr gepflegten Zustand.
Die Besucher lobten die auf Initiative der RK Wildflecken in letzter Zeit auf den Friedhöfen durchgeführten Sanierungsmaßnahmen ausdrücklich; dieser unermüdliche Einsatz für den Erhalt der Erinnerungsstätten verdient großen Respekt und Anerkennung.
Persönliche Begegnung
Einen fest durchgetakteten Rundgang gab es nicht – vielmehr stand die persönliche Begegnung im Vordergrund. Am Reußendorfer Friedhof wurden die Besucher von Thomas Helfrich in Empfang genommen. Helfrich, der selbst noch in Reußendorf geboren wurde, stand den Gästen Rede und Antwort und erteilte Auskünfte über die Geschichte der Orte und Familien.
Bei den Gästen handelte es sich zumeist um Nachfahren der ehemaligen Bewohner, aber eben nicht nur: Andere Besucher hatten keinen familiären Bezug zu den abgesiedelten Ortschaften, sondern zeigten schlichtweg großes Interesse an der Region und den historischen Friedhöfen. Unter den vielen Gästen traf Helfrich vor Ort auf zahlreiche alte Bekannte, durfte aber auch in viele neue Gesichter blicken.
Für die Nachfahren und Interessierten sind diese Gespräche am Grabstein auch emotionale Einblicke in Stammbäume und nachbarschaftliche Verflechtungen vor der Absiedlung.
Am Ende des Tages zog der RK-Vorsitzende David Baer zufrieden Bilanz über einen rundum gelungenen Allerheiligen-Tag. Solange Menschen hierher zurückkehren und den Geschichten lauschen, bleiben Altglashütten und Reußendorf unvergessen, heißt es weiter. red