Einmal im Jahr treffen sich Eltern mit ihren Kindern zum Familientag. Auf den ersten Blick ist es nichts besonderes, wenn sich Kinder und Erwachsene im Kletterwald am Baggersee vergnügen. Doch die Gruppe, die scheinbar unbeschwert den Tag verbringt, vereint ein gemeinsames Schicksal. Die Mädchen und Jungen haben alle Vater oder Mutter verloren.
Manche Eltern starben plötzlich, andere nach langer Krankheit. Um die alleinerziehenden jungen Mütter und Väter zu unterstützen, bietet die Christian Presl-Stiftung den „Begegnungsraum“ an. Begleitet werden die Erwachsenen von der Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin Maritta Düring-Haas. Während die Eltern sich im geschützten Raum austauschen, besuchen die Kinder ihre Gruppe.
Zu wissen, dass es den anderen ähnlich geht, verbindet und entlastet zugleich. Im Kletterwald erleben alle, dass es schwierigere und leichtere Passagen gibt wie im Leben auch.
Für vieles braucht es Mut aber auch Zuspruch. Und so sind es an diesem Tag oft die Kinder, die ihre Eltern anfeuern und voraus klettern. Stolz sind am Ende alle, unabhängig davon, welchen Schwierigkeitsgrad sie geschafft haben.
Die Kletteraktion hat Parallelen zum Leben: Es ist nicht alles leicht und unbeschwert. Wenn Herausforderungen auftauchen, braucht es Zeit, Geduld und Zuspruch, um sich wieder zurecht zu finden. Jeder Mensch in seinem Tempo. Die Familien tasten sich schrittweise an ihre neue Lebenssituation heran.
Und so sprechen sich alle am Anfang des Kletterns durch den gemeinsamen Anfeuerungsruf „Wir schaffen das!“ Mut zu. Zum Abschied bemalen die Kinder einen Stein, den sie auf das Grab oder an die Gedenkecke ihres verstorbenen Elternteils legen können.
Trauer und Freude liegen eng beieinander. Und so wird an diesem Tag viel gelacht. Gemeinsame Aktionen stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das Picknick und die Abkühlung im See sorgten für einen guten Abschluss.