Der Kissinger Orgelzyklus ist eröffnet

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Stadtkantor Burkhard Ascherl an der Orgel.
Stadtkantor Burkhard Ascherl an der Orgel.
Brigitte Ascherl

„Virtuos und gefühlvoll“ lautete der Titel des Eröffnungskonzertes des 38. Bad Kissinger Orgelzyklus am vergangenen Wochenende in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche. Stadtkantor Burkhard Ascherl hatte ein abwechslungsreiches Programm mit Orgelkompositionen aus vier Jahrhunderten zusammengestellt, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Präludium und Fuge e-Moll des norddeutschen Barockkomponisten Nicolaus Bruhns war der virtuose Auftakt eines kurzweiligen Konzertabends. Ascherl nutzte die Vielgliedrigkeit des Stückes, um die zahlreichen Registerfarben seiner Schuke-Orgel zur Geltung zu bringen. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts freudiger Kirchen-Sonate C-Dur KV 336 – im Original für Streicher und Orgel-Solo komponiert – zauberte er ein Lächeln auf die Gesichter der Konzertbesucher.

Ohne Übertreibung kann man Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in D-Dur als Meisterwerk des jungen Bach in dessen frühen Weimarer Jahren bezeichnen. Im strahlenden Präludium lässt Bach Anklänge von Komponisten seiner Zeit einfließen: Norddeutsches Laufwerk im Pedal, französischer Ouvertüren-Rhythmus direkt im Anschluss und italienischer Konzertsatz im Mittelteil.

Ascherl ließ seiner Spielfreude freien Lauf; selbst schwierige Pedalpassagen in der Fuge gelangen ihm mühelos und mit stupender Sicherheit.

César Franck gilt als Vater der französischen Orgelsymphonik; mit dessen ausdrucksstarkem Cantabile H-Dur aus den 1878 komponierten „Trois pièces“ entführte Ascherl die zahlreichen Zuhörer in die Klangwelt des späten 19. Jahrhunderts. Im Anschluss daran interpretierte er einfühlsam das Andante cantabile, voller Spielwitz das dahin huschende Scherzo und zupackend das Finale der 4. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor.

„Cloche du soir“ („Abendglocke“) von Charles-Alexis Chauvet geriet zum meditativen Ruhepol des Konzerts. Man spürte förmlich die Stille, die nach hektischem Treiben des Tages abends beim Angelus-Läuten ganz allmählich einkehrt.

Henri Mulets Toccata „Tu es petra“ („Du bist Petrus, der Fels“) aus den Byzantinischen Skizzen steigerte Ascherl vom düsteren Pochen zu Beginn über ein groß angelegtes Crescendo hin zum glänzenden Fis-Dur Schlussakkord. Für den begeisterten Schlussapplaus bedankte er sich mit Hans-André Stamms mitreißendem „Dancing Pipes“. red