Ausflug am Tag der Deutschen Einheit

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Blick vom Turm der Burg Zwernitz, Sanspareil.Egbert Haut
Blick vom Turm der Burg Zwernitz, Sanspareil.Egbert Haut

64 Mitglieder und Gäste des Münnerstädter Rhönklub-Zweigvereins starteten am 3. Oktober in die Fränkische Schweiz nach Sanspareil, wo neben der Burg Zwernitz, die auf einem schmalen Dolomitfelsen ruht, auch der Morgenländischen Bau, in dessen Mitte ein Baum wächst, besichtigt wurde. Diesen sehenswerten Bau und den Felsengarten hat 1744 die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth anlegen lassen und wurde durch den Ausruf einer Hofdame, die ganz verzückt rief „C‘est sans pareil“ (zu deutsch: Dies ist ohnegleichen), künftig so genannt. Für die Einheimischen ist es einfach „Sambarell“.

Der anschließende Spaziergang durch die natürlichen Felsengruppen bis zum Felsentheater mit seinen Kulissen rundete den Besuch der ersten Station auf der Tagesreise ab. Weiter ging die Fahrt ins Vogtland nach Hof an der Saale, industriell neben Plauen durch die Textilherstellung geprägt. Eine Altstadtbegehung gewährte einen kleinen Einblick in eine der kältesten Regionen Bayerns. Erwähnenswert sind die internationalen Hofer Filmtage, die jährlich Ende Oktober stattfinden, und die Ankunft des Zuges mit den damaligen DDR-Flüchtlingen aus Prag 1989.

Danach war es nicht mehr weit zum letzten Tagesziel „Little Berlin“, wie es die Amerikaner nannten. Hier war sogar einmal George H.W. Bush 1983 als Vizepräsident zu Besuch. Das kleine Dorf Mödlareuth mit 55 Einwohnern liegt je zur Hälte in Bayern und Thüringen und wird historisch seit 1810 durch den Tannbach getrennt, der mitten durchs Dorf fließt. 1945 war die bayerische Seite von den Amerikanern besetzt und Thüringen von den Russen beziehungsweise DDR, die 1952 mit dem Bau eines übermannshohen Bretterzauns begann, der 1958 durch einen Stacheldrahtzaun und 1966 schließlich durch eine Betonmauer mit Sichtblende ersetzt wurde.

Der Stand der Mauer wurde im Gelände durch Bodenmarkierungen nachgezeichnet beziehungsweise markiert. Außerhalb des Ortes bestand die Grenze aus dem bekannten Metallgitterzaun, an dem bis 1983 Selbstschussanlagen montiert waren. Nach dem Abriss der Mauer 1990 blieb ein Teilstück als Mahnmal und Teil des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth seit 1994 erhalten und die Sperranlage wurde nachgebaut.

Ende 2025 entstand ein neues Gebäude mit vergrößerter Ausstellungsfläche, das die Gruppe aus Münnerstadt besuchte. Natürlich waren an diesem Feiertag Veranstaltungen und Kundgebungen geboten. Die Münnerstädter erwartete ein Meer aus Autos mit allen möglichen östlichen und westlichen Kennzeichen, durch die sich der Reisebus schlängeln musste, um – nachdem alle ausgestiegen waren – im Nachbardorf parken zu müssen. Tausende Besucher begingen den Einheitstag mit den vielfältigen Angeboten und den lautstarken Kundgebungen von der AfD. Auf thüringischem Gebiet wurde im Festzelt der bayerische Ministerpräsident erwartet.

Auch Gegenkundgebungen und musikalische Darbietungen machten auf sich aufmerksam. Es war ein Tag Wiedervereinigung mit gelebter Demokratie, dem die Rhönklubler für wenige Stunden beigewohnt haben. Zufrieden kam man abends wieder daheim an.

 Hubert Neiber