"Volksfest in der Rosenau - das Schaustück des Sonneberger Handelsvereins für die Londoner Weltausstellung von 1851", so lautet der Titel eines Beitrags, den die Initiative Stadtmuseum Coburg und die Eisenbahnfreunde Steinachtalbahn zur Ausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" im Puppenmuseum Coburg leisteten. Mit Freude brachte Bürgermeister Marco Steiner (FW) in seiner Eröffnungsrede zum Ausdruck, dass dieser Teil der Ausstellung nun für weitere vier Wochen im Foyer des Rathauses von Rödental gezeigt werden kann, natürlich auch wegen des besonderen Bezugs zur Rosenau und zur Stadt Rödental.

Einführend gab Rupert Appeltshauser, Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg, einen Überblick über die Geschichte dieses Schaustückes. Auf einer Grundfläche von etwa 4,5 mal drei Metern wurde in einem Seitenflügel des "Crystal Palace" vor dem Hintergrund des Schlosses Rosenau eine typisch deutsche Kirchweihszene dargestellt mit Kirmesbaum, Dorfwirtshaus, Dorfmusik, Kasperltheater, Spielbuden, Bratwurstständen und Tanzgruppen, die durch eine komplizierte Mechanik beweglich waren. Eine wesentliche Zielsetzung lag darin, im Ausland ein Zeichen des hohen Standes deutscher Handwerkskunst zu setzen.

Anders als der ebenfalls gezeigte "Gulliver" ist dieses Schaustück leider verschollen. Für die Eisenbahnfreunde Steinachtalbahn eine Herausforderung - auch wenn keine Nachbildung in Originalgröße möglich war -, anhand der Entwurfsskizzen zumindest in verkleinerter Form ein Modell zu schaffen, das einen Eindruck vermitteln kann, wie das Original ausgesehen hatte. Nach den Worten von Ulrich Finsterer von den Eisenbahnfreunden sei dies eine Aufgabe gewesen, die Hunderte von Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die Beschaffung des Materials und die historische exakte Gestaltung gekostet habe. Dies sei durchaus lohnenswert gewesen.

Gegensatz zur Wirklichkeit

Wie Rupert Appeltshauser im Rundgang durch die Ausstellung betonte, hatte die Kirchweihszene auch eine politische Zielrichtung. Sie sollte mit ihren volkstümlichen Szenen und dem harmonischen Miteinander der Stände das Bild eines offenen und freien Deutschland vermitteln, um damit manchem im demokratisch fortgeschrittenen England bestehenden Vorurteil entgegenzuwirken. Allerdings stand hier - wie zahlreiche Bild- und Textdokumente der Ausstellung beweisen - der Wunsch in krassem Gegensatz zur Wirklichkeit. Feste auf der Rosenau wurden zwar in der Zeit zwischen 1820 und 1843 regelmäßig, manchmal sogar zweimal im Jahr durchgeführt. Aber bis auf den Abendschmaus mit Tanz nach dem Rückzug der Herrschaft ins Schloss war hier von Volksfest wenig zu spüren. Es waren Veranstaltungen, bei welchen ausgesuchte Vertreter der ländlichen Bevölkerung nach strengstem Reglement und genauer Kleiderordnung gegen kleine Geschenke mit Vorführungen und Huldigungsgedichten aufzuwarten hatten. Und genau dieser spätabsolutistische Charakter war einer der Gründe, weshalb der liberal gesinnte Herzog Ernst II. nach seinem Regierungsantritt auf eine solche Art von Festen ab 1844 verzichtete.

Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist bis zum 25. Oktober 2019 geöffnet. ra/red