Aufrecht bis in den Tod

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Relief von August Bonneß. Am kommenden Donnerstag wird eine Gedenktafel auf der Plasssenburg eingeweiht.
Relief von August Bonneß. Am kommenden Donnerstag wird eine Gedenktafel auf der Plasssenburg eingeweiht.
Wolfgang Schoberth

Gedenken  Das Zinnfigurenmuseum auf der Kulmbacher Plassenburg geht auf die Initiative von August Bonneß zurück. Dies wird nun mit einer Bronzetafel gewürdigt.

Am kommenden Donnerstag wird im Beisein von Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner auf der Plassenburg eine Bronzetafel zu Ehren von August Bonneß eingeweiht. Die Gedenktafel geht auf eine Initiative des Kulmbacher Unesco-Clubs zurück, der vom Rotary Club unterstützt wird. Der Tag könnte nicht besser gewählt sein, da am 27. Januar bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Zu diesen zählt auch der Potsdamer Verlagsbuchhändler, ohne den es das Deutsche Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg nicht gäbe, der sich andererseits dem NS-Regime offen widersetzt hat und seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlen musste.

Kanonen oder Zinnfiguren?

Als leidenschaftlicher Sammler und Vorsitzender der Zinnfiguren-Vereinigung KLIO in Potsdam wird Bonneß von dem Ersten Bürgermeister Hans Hacker nach Kulmbach eingeladen. Als Mitglied eines Ausschusses, der sich am 14. Januar 1928 als der Verein "Freunde der Plassenburg" konstituiert, soll er mitberaten, wie die Plassenburg nach einer 110-jährigen Geschichte als Zwangsarbeiterhaus, Zuchthaus und Gefangenenlager kulturell und touristisch genutzt werden könnte. Doch nicht provinzielles Kleinklein soll es ein, sondern ein Projekt mit überregionaler, ja reichsweiter Ausstrahlung. Neben Bonneß gehören dem 13-köpfigen Vorstand bekannte Fachleute an, zum Beispiel der Kulmbacher Historiker Fritz Limmer, der Architekt und Burgenforscher Bodo Ebhardt, Major Otto Müller (Berlin) und der Kulmbacher Sammler Erhard Wurzbacher. Doch Bonneß gibt von Anfang an die Richtung vor. Er sprüht vor Ideen, ist beredt, freundlich und humorvoll. Als Miteigentümer des größten Potsdamer Verlags verfügt er über viele Kontakte und auch über beträchtliche Geldmittel. Seine Begeisterung für Zinnfiguren, aber auch für Geschütze, ist ansteckend.

Ehrgeizige Pläne

Der Potsdamer, der mit dem Glanz Preußens und des Deutschen Kaiserreichs aufgewachsen ist, verfolgt ehrgeizige Pläne. Zunächst hat er die Vision, auf der Plassenburg ein nationales Artilleriemuseum aufzubauen, vergleichbar mit Paris oder Madrid. Doch der Anlauf scheitert, da eine statische Prüfung ergibt, dass die Decken der Festung einer Belastung durch Geschütze nicht standhielten.

Daraufhin schlägt er der Runde vor, ein nationales Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg einzurichten. Am 29. April 1929 erfolgt der förmliche Beschluss. Während der internationalen Ausstellung kulturhistorischer Zinnfiguren in Leipzig im September 1930 gelingt es Bonneß, renommierte Sammler als Leihgeber für die Plassenburg zu gewinnen. Exakt zwei Jahre später kann das Deutsche Zinnfigurenmuseum mit stolzen 40 Dioramen im Westflügel der Burg eröffnet werden.

Wie die Nationalsozialisten nach 1933 die Burg in Beschlag nehmen, erlebt Bonneß nicht direkt, denn er muss sich um seinen eigenen Verlag Bonneß & Hachfeld kümmern. Der Erfolg des Unternehmens beruht auf seinen "Fernlehrbriefen" nach der Methode Rustin. Zum Selbststudium werden für viele Sparten (moderne Fremdsprachen, Jura, Beamtenrecht, Musikwissenschaft, Technikerschulung, Vorbereitung auf das Abitur) Materialien angeboten. Auch Gastronomieführer, die ersten im Deutschen Reich, bringt Bonneß heraus.

Als die Nazis 1933 an die Macht kommen, weigert er sich hartnäckig, Propagandaschriften zu drucken. Mehr noch: Er kritisiert offen das NS-Regime und macht die braunen Machthaber lächerlich, etwa dadurch, dass er Hitler-Witze erzählt.

Nachdem ihn ein Rechtsanwalt denunziert hat, wird er im August 1943 von der Gestapo verhaftet. Nach monatelangen Verhören erfolgt im Februar 1944 ein Prozess vor dem Oberlandesgericht Brandenburg. Bonneß wird nach dem "Heimtückegesetz" zum Tode verurteilt, "da er durch defätistische Reden den deutschen Selbstbehauptungswillen zu zersetzen versucht hat".

Vor "Blutrichter" Roland Freisler

KLIO-Freunden gelingt es, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken. Dieses findet am 8. Juli 1944 am Berliner Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des als "Blutrichter" bekannten Roland Freisler statt. Seine besondere Perfidie besteht darin, dass er scheinbar auch Entlastendes würdigt. So heißt es im Gerichtsprotokoll: "Bonneß interessierte sich immer für den deutschen Wehrgedanken und schuf das bekannte Zinnsoldatenmuseum auf der Plassenburg ... Bonneß legte Wert auf die Feststellung, dass unter diesen sich ein naturgetreues Schaubild des Nürnberger Parteitags und des Staatsaktes vor der Potsdamer Garnisonskirche befindet."

Andererseits findet Freisler "Beweise", dass der Verleger als Mitglied der Freimaurerloge "Teutonia zur Weisheit" konspirative Kontakte zu jüdischen Sammlern unterhalten habe. Geladene Entlastungszeugen werden eingeschüchtert, bis sie ihre Aussagen der Voruntersuchung zurücknehmen.

Mit dem Fallbeil hingerichtet

Unter den Zuhörern im Gerichtssaal sitzen auch Ewald-Heinrich von Kleist, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Georg-Sigismund von Oppen und Hans Karl Fritzsche, die dem geheimen Widerstand angehören und wenige Tage später am Attentat auf Hitler in der Wolfschanze beteiligt sein werden. Sie bewundern den Angeklagten wegen seiner Haltung und Tapferkeit.

Am 8. Juli 1944 ergeht das Urteil gegen den Verleger: Wegen "Wehrkraftzersetzung" und "Feindbegünstigung" wird er zum Tode verurteilt und am 4. Dezember im Zuchthaus Görden mit dem Fallbeil hingerichtet.Erst Jahrzehnte nach dem Krieg (1998) wird Bonneß rehabilitiert. In Potsdam ist sogar eine Straße nach ihm benannt.