Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war die sexuelle Aufklärung in den Schulen ein wichtiger Baustein zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften. "Wir haben unsere ersten Schautafeln und Modelle zur Verhütung selbst gemalt. Erst neulich beim Aufräumen sind die letzten "Skulpturen" im Müll gelandet." Sie lachen über ihre unkonventionellen, aber fantasievollen Anfänge und greifen zum Aufklärungskoffer im Regal. Darin finden sich heute Geschlechtsteile aus Plüsch: Vagina, Penis und Eierstöcke, alles da. Auch noch ein Vorzeigekondom der ersten Kampagne gegen AIDS ist dabei.

"Vieles hat sich verändert", resümiert Tina Kosuch. Was früher die Bravo war, ist heute das Internet. Für alles gibt es YouTube-Videos. "Aber über ihren Körper wissen die Jugendlichen immer noch nicht mehr als früher auch." Insbesondere das Thema Menstruation ist für viele Mädchen schwierig zu verstehen.

"Bei den Jungs gehe es immer um die Größe", schmunzelt Tina Kosuch. Dass es darauf nicht ankomme, das gehöre eben zur Aufklärung dazu.

Mit Schrecken erleben die Frauen, die seit Jahren in die Schulen gehen, wie leicht der Zugang zu "verbotenen" Internetportalen ist. Nahezu jeder Zehnjährige habe schon einen Porno auf dem Handy gesehen, sagt die Sozialpädagogin. Den Jungen klar machen, dass eine ganze Industrie dahinter steckt und keine Realität gezeigt wird, sei wichtig. "Kein Mann hat vier Orgasmen hintereinander. Das müssen die Jugendlichen wissen", macht Tina Kosuch deutlich.

Sexuelle Aufklärung ist gerade wegen der unkontrollierten Mediennutzung ein großes Thema . "Die Mädchen sind sich nicht bewusst, was sie alles ins Netz stellen und wer auf ihre Bilder Zugang hat."

Kulturelle Vielfalt

Die Arbeit in der Beratungsstelle habe in den vergangenen Jahrzehnten auch die gesellschaftlichen Veränderungen gespiegelt, sagt Ulrike Heinze-Zelger. Ob Ausländer, Aussiedler, Asylbewerber oder Flüchtlinge - alle kamen mit ihren Schicksalen zur Schwangerenberatung. "Wir haben viel voneinander erfahren und viel voneinander gelernt", betont Imke Böger-Troll. Es sei spannend gewesen, die kulturelle Unterschiede kennenzulernen. Großfamilien, wie früher aus der Türkei, gebe es heutzutage kaum mehr. Viele der ausländischen Frauen hätten sich dem westlichen Familienbild angeglichen.