Die hausärztliche Versorgung und die Sanierung der Steinachstraße beschäftigten das Gremium.
Die mögliche Sanierung der Steinachstraße war jetzt Thema in der Gemeinderatssitzung in Marktgraitz. Udo Weber vom Ingenieurbüro Kittner & Weber hatte einen ersten Sachstand dazu erstellt und machte deutlich, dass nicht nur die Steinachstrasse sanierungsbedürftig sei, sondern auch der Kanal eine Erneuerung bräuchte. Bei einer Komplettsanierung müsste die Straße auf einer Länge von knapp 1000 Metern erneuert werden. Auch müssten die Seitenränder mitgenommen werden. Auch sollten gleich Leerrohre für Glasfaser mitverlegt werden.
Achim Gagel (FW) fragte nach der Nachhaltigkeit einer derartigen Sanierung. Diese sollte ca. 60 Jahre halten, meinte Weber und führte weiter aus, dass die Kosten derartiger Projekte in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt seien. Dies liege am fehlenden Personal in der Baubranche. Es sei nichts sicher, bevor fertige Planungen auf dem Tisch liegen, dennoch würden die Kosten ersten Schätzungen zufolge wohl bei über 3,6 Millionen Euro liegen. Die Finanzierung über den Haushalt würde einen für die nächsten 50 Jahre laufenden Kredit bedeuten. Die Pro-Kopf-Verschuldung, die durch sparsames und solides Haushalten auf 635 Euro heruntergefahren wurde, würde auf über 3200 Euro steigen.
Gegen eine Umlage
Gegen eine Umlage auf die Bürger setzte sich vehement Bürgermeister Jochen Partheymüller ein, der eher den Staat in der Pflicht sah. Uwe Bornschlegel, CSU, war der Meinung, dass man noch nichts übers Knie brechen sollte. Jedoch müsse auch der neue Gemeinderat in der Sache am Ball bleiben.
Einen längeren Zeitraum nahm auch der Vortrag von Regierungsrat Oliver Legler in Sachen ärztliche Versorgung ein, der die hausärztliche Versorgung gefährdet sah. Schlagworte wie "Der alte Arzt hat ausgedient", "Junge Ärzte wollen lieber im Team arbeiten", "Junge Ärzte wollen keine 60 Stunden Woche", "Ärzte - Vereinbarkeit von Familie und Beruf" zeigten die Schwierigkeiten für Landarztpraxen auf. Jeder dritte Hausarzt sei inzwischen über 60 Jahre, mit der Folge, dass es insbesondere im ländlichen Bereich bald zu wenige Praxen gebe.
Legler zufolge wird es neue Strategien brauchen, um hier zu Lösungen zu kommen. Dabei seien die Möglichkeiten, dass ein Arzt in Marktgraitz eine Praxis oder eine Filiale einrichtet, durchaus gegeben. Dies sehe etwa der vertragsärztliche Bedarfsplan vor. Auch für Augen-, Haut-, Kinder-, Jugend- und Nervenärzte bestünden theoretisch Niederlassungsmöglichkeiten. Und unabhängig davon könnte grundsätzlich auch eine Filiale gegründet werden. Mit dem alten Schulhaus in Marktgraitz wäre ein optimaler Platz für eine Arztpraxis gegeben. Wenn sich ein Arzt für mindestens fünf Jahre hier niederlässt, fördert der Staat dies mit 60 000 Euro. Auch vom Amt für ländliche Entwicklung stünde eine Förderung in Aussicht. Nun gelte es einen geeigneten Arzt zu finden.
Bürgermeister Jochen Neumann sagte dazu, dass er schon mit verschiedenen Stellen in Erlangen Kontakt aufgenommen habe, um einen jungen Arzt zu finden. Legler bat in diesem Zusammenhang, auch in den Portalen des bayerischen Hausarztverbandes und in ärztlichen Zeitschriften Werbung für einen Arzt vor Ort zu machen.