von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Bad Staffelstein/Annaberg-Buchholz — Adam Ries(e) lebt. Nur nennt er sich heute anders. In Bad Staffelstein verkörpert ihn Ulrich Schmitt bei offiziellen Anlässen wie dem Altstadtfest. In Annaberg-Buchholz schlüpft der Stadtführer Peter Herschel hin und wieder in den Talar des Rechenmeisters. Und außerdem lebt Adam Ries natürlich durch seine Werke fort, denn er hat den Deutschen wie kein anderer das Rechnen beigebracht.
1492 ist Adam Ries in Staffelstein zur Welt gekommen. Die Schreibweise seines namens variiert: Rieß, Riess, Riß oder Rys - keineswegs aber Riese. Dennoch hat sich diese volkstümliche Variante im Westen der Republik eingebürgert, wohl durch die Redensart "das macht nach Adam Riese..."
Über den jungen Adam Ries wissen wir wenig. 1509 hielt er sich in Zwickau auf, doch wann er weitergezogen ist, bleibt im Dunkeln, schreibt Walter Rein in einer Biographie.


Wohnung bei einem Staffelsteiner

Auf seiner Wanderschaft gelangte er 1515 nach Annaberg im Erzgebirge. In der aufstrebenden Bergarbeiterstadt boten sich dem begabten Rechner und Techniker interessante Aufgaben. Gewohnt haben dürfte er im Haus des Lateinschulenrektors Andreas Weidner, der ebenfalls aus Staffelstein stammte. Ab 1518 hielt sich Adam Ries in Erfurt auf, wo er eine Rechenschule für Kinder und Erwachsene betrieb. 1523 kehrte er nach Annaberg zurück und ließ sich endgültig dort nieder. Er heiratete und kaufte ein kleines Haus in der Johannisgasse, in dem heute das Adam-Ries-Museum untergebracht ist.


Herzoglicher Hofarithmeticus

1525 wurde er zum herzoglichen Rezess-Schreiber ernannt, dessen Aufgabe es war, die Rechnungen der Bergwerke zu revidieren und Buch über die Ausbeute in den verschiedenen Gruben und Flözen zu führen. Daneben arbeitete er an seinen Rechenbüchern, an der erst 1550 erschienenen "Practica", seinem größten und bekanntesten Werk, und an der nur handschriftlich überlieferten "Coß", einem Lehrbuch der Algebra. 1539 wurde er wegen seiner Verdienste zum Hofarithmeticus des Herzogs ernannt. Adam Ries gelangte zu einem gewissen Wohlstand und erwarb 1539 in der Nähe der Stadt ein Vorwerk, die spätere "Riesenburg". Hier lebte er mit seiner Frau Anna und den acht Kindern. Gestorben ist der Rechenmeister am 30. März oder 2. April 1559 vermutlich in Annaberg oder Wiesa.
In Bad Staffelstein zeugen heute vom großen Sohn vor allem die Tafel an Adam Ries' mutmaßlichem Geburtshaus (heute Filiale der Raiffeisen-Volksbank) am Marktplatz, die Bronzeplastik in der Bahnhofstraße, die Adam-Riese-Straße und der Wirtshausausleger des leider geschlossenen Gasthofs "Adam Riese".
Annaberg-Buchholz und Adam Ries sind zwei Seiten der selben Medaille. Mit seinen Rechenbüchern und seiner Rechenschule verstand es der Gelehrte, Mathematik dem "gemeynen Mann" nahezubringen. Mancher bezeichnet ihn als "Luther der Rechenkunst".
Annaberg-Buchholz fühlt sich als Adam-Ries-Stadt deshalb besonders der Bildung verpflichtet. 1498 begründete die neu eröffnete Lateinschule die Bildungstradition der Stadt. Heute prägen zahlreiche Schulen den Bildungsstandort.


Originale der Rechenbücher

Seit 1984 befindet sich im ehemaligen Wohnhaus des Rechenmeisters das Adam-Ries-Museum. Es zeigt Leben und Werk dieser bedeutsamen Persönlichkeit, außerdem alte Maße und Gewichte, das "Rechnen auf der Linien" wie zur Zeit Adam Ries'. Ein besonderes Zeugnis der Mathematikhistorie ist die "Schatzkammer der Rechenkunst". In ihr sind Originalausgaben aller Rechenbücher von Adam Ries ausgestellt.
Eng mit dem Museum verbunden ist die Tätigkeit des Adam-Ries-Bundes. Als Betreiber des Museums, der Annaberger Rechenschule und der Adam-Ries-Bibliothek, aber auch mit länderübergreifenden Adam-Ries-Schülerwettbewerben, einem genealogischen Kabinett sowie der Adam-Ries-Nachfahrenforschung bewahrt dieser Verein das Erbe des Rechenmeisters.


Bergwerk unter dem Museum

Wer sich aber für Annaberg und Buchholz interessiert, sollte das Erzgebirgsmuseum besuchen. Das Haus ist im Untergeschoss noch ein Bau aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Hier erfährt man einiges zur Zeit des "Bergbau-Booms" anhand originaler Zeugnisse und sieht wirkliche Besonderheiten wie das Annaberger Richterschwert.
Empfehlenswert ist der Besuch des unter dem Museum befindlichen Silberbergwerks "Im Gössner", das den fürs 16. Jahrhundert typischen Schachtbergbau zeigt. Dieses Bergwerk war von ca. 1495 bis 1525 in Betrieb, und der Besucher taucht hier ins 16. Jahrhundert ein.