Vier große Plakatwände voller höchst unterschiedlicher Anregungen, Ideen, Wünsche und Visionen, die vom Shuttle-Bus für eine gemütliche Einkehr im Schmölzer Biergarten bis hin zum autonomen Liefer-Roboter für gekaufte Waren reichten, standen am Ende des Workshops "Nahversorgung und Daseinsvorsorge" zu Buche. Mit der Veranstaltung in der Küpser Schulaula endete am Donnerstagabend die Workshop-Reihe im Rahmen der derzeit erarbeiteten Küpser Entwicklungskonzepte. Dieses nennt sich KEK³, weil darin das städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), die vorbereitenden Untersuchungen (VU) und das Gemeinde-Entwicklungskonzept (GEK) parallel zueinander laufen.

Das oberfrankenweit einmalige Konzept zielt darauf ab, Strategien für Küps zu entwickeln, um die Folgen des demografischen und sozioökonomischen Wandels aktiv zu gestalten und somit für die Zukunft gerüstet zu sein. Einige Aspekte zu wichtigen Zukunftsfragen waren bereits in verschiedenen Veranstaltungen sowie Expertenrunden, einer Haushalts- und einer Online-Befragung aufgenommen und vertieft diskutiert worden.

Die Versorgungsinfrastruktur

Beim nunmehr abschließenden Workshop ging es um Nahversorgung und Daseinsvorsorge mit wichtigen Dienstleistungen. Dieses Thema betreffe alle, wie Bürgermeister Bernd Rebhan in seiner Einführung erklärte.

"Was Nahversorgung bedeutet, merkt man erst, wenn man etwas braucht und nicht bekommt", meinte Rebhan. Viele dächten bei den beiden Schlagwörtern sicherlich erst einmal an die Versorgung mit Lebensmitteln. Die Themenfelder umfassten jedoch viel mehr. Es gehe dabei gerade auch um Gesundheit, Ärzte und Apotheker vor Ort. Auf seine Ankündigung in den neuen Medien, dass sich eine Kinderärztin in Küps ansiedle, habe er 500 Likes erhalten - für ihn ein aussagekräftiges Beispiel, was die Bevölkerung unter Nahversorgung versteht.

Dem konnte sich Tobias Preising vom Büro Planwerk aus Nürnberg nur anschließen. Die wohnstandortnahe Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs stelle eine wesentliche Grundstruktur der Daseinsvorsorge dar. Einfach ausgedrückt, gehe es dabei um die Fragen: Wie werde ich satt, gesund und - Stichwort Bildung - klug? Aufgrund der Verteilung des Marktes Küps auf seine verschiedenen Ortsteile stelle sich die Versorgungsinfrastruktur sehr unterschiedlich dar.

"Der Hauptort ist grundsätzlich gut versorgt. In den Ortsteilen dünnt sich dies entsprechend aus", erklärte der Stadtplaner. Bei den Befragungen beurteilten 89 Prozent der Teilnehmer die Versorgungssituation in Küps mit Lebensmitteln als sehr gut oder gut. Verbesserungsbedarf sahen sie dagegen im sonstigen Einzelhandel und in der Gastronomie.

Diese Aussagen bestätigten auch die Anwesenden, die in einer ersten Themenrunde die ihrer Meinung nach größten Herausforderungen des Markts in den besagten Themenfeldern nennen sollten. Apotheker Heinrich Hofmann erachtete die hausärztliche Versorgung als ein anstehendes Problem, da von den drei ansässigen Hausärzten zwei über 60 Jahre alt seien.

Herausforderung für Einzelhandel

Eine große Herausforderung sei für den Einzelhandel die Abwanderung in Online-Kanäle. Ein Problem beim Einkauf vor Ort stelle, wie Zweiter Bürgermeister Thomas Meyer erklärte, der Transport der eingekauften Waren dar, was ohne eigenes Auto meistens nicht zu machen sei. Hier nütze auch das neue Mobilitätskonzept nichts.

Thomas Kneitz, Geschäftsführer der CIK Campus Innovations Kultur GmbH, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Verdichtung der Verteilzentren von Amazon entlang der A 9 und A 6. Die beispielsweise in Hof, Bindlach und Pommersfelden entstehenden Verteilzentren lieferten auf den Tag genau. "Das sind Fakten. Da können wir trefflich über Einzelhandelsstrukturen diskutieren. Wünschen können wir uns vieles, aber wir müssen von der Realität ausgehen", fand er klare Worte.

Die Stärken des lokalen Einzelhandels sah Preising in der Beratung, Kundenfreundlichkeit und im persönlichen Kontakt. Leider habe man, entgegnete Corinna Wolf, mittlerweile oft den gleichen Einheitsbrei an Geschäften: Einheitsbäcker, Einheitsmetzger, gleiche Läden. Ein Beispiel hierfür sei die Küpser Rewe. Nach 30 Jahren befinde sich diese in einem spürbaren Wandel, bei dem viel vom bisherigen persönlichen Charakter verloren gegangen sei. Gefragt seien Geschäfte, die sich von anderen abheben, durch ein besonderes Angebot, besondere Aktionen usw.

In zwei Gruppen setzten sich die Teilnehmer in den folgenden Workshops mit den Fragen auseinander, was man sich hinsichtlich der beiden Themenfelder wünsche und was man davon beeinflussen könne - für den Hauptort als auch für die Ortsteile.

Hauptort und Ortsteile

Der Hauptort-Workshop wurde von Christiane Werthmann vom Büro für Städtebau aus Bamberg und Nicola Völkel vom Büro Planwerk thematisch unterstützt. Im Wesentlichen wurden dabei Angebote für mehr Mobilität sowie Aktionen der Geschäfte im Sinne eines Erlebniseinkaufs gewünscht.

Preising betreute den Ortsteil-Workshop. Hier wurden unter anderem kundenorientiertere Öffnungszeiten genannt, klug platzierte ÖPNV-Haltestellen, der Mut, Neues zu wagen, die Unterstützung der Gemeinde bei der Nachfolgersuche sowie Unternehmensgründungen, eine kontinuierliche Beratung bestehender Geschäfte wie auch beispielsweise ein Shuttle zum Schmölzer Biergarten.

Fakt sei, dass die Leute auf den Weg zur Arbeit mit ihrem Auto einkaufen, meinte Kneitz, der unter diesem Gesichtspunkt eine durchaus provokative konträre These einbrachte: Vielleicht wäre es für eine attraktive Innenentwicklung sogar von Vorteil, weniger Geschäfte im Ort zu haben? Denn weniger Geschäfte bedeuteten weniger Verkehr, weniger Lärm und mehr Wohnqualität.

"Noch große Brocken im Weg"

Die Ergebnisse werden gebündelt im KEK³ festgehalten. Im Frühjahr soll das Entwicklungskonzept im Gemeinderat vorgestellt und dann umgesetzt werden. Bürgermeister Rebhan zeigte sich erfreut darüber, dass der seit zwei Jahren laufende Prozess in die Endphase gehe. Dennoch lägen, insbesondere mit der Festlegung des Sanierungsgebiets, noch große Brocken im Weg. "Das ist ein Riesenvorhaben", konstatierte er. Aber auch die längste Reise beginne mit einem kleinen Schritt.