Wenn Achim Wunsch am Abend auf der Couch in seiner Gaustadter Wohnung sitzt und fernsieht, bekommt er oft recht wenig mit vom TV-Programm. Das liegt aber nicht am Programm, sondern am Paludarium. Das schaut der Rentner nach wie vor lieber an, obwohl es schon seit fünf Jahren hier steht.
Palu ... - was? Bei einem Paludarium handelt es sich um eine Sonderform eines Aquariums, das die Wasserwelt mit einem Uferbereich kombiniert. Dass es in Tiergärten vorkommt, ist normal, im privaten Bereich sind Paludarien selten. Das in Gaustadt ist das einzige seiner Art in ganz Franken. Entsprechend stolz ist Achim Wunsch, der 78-Jährige mit dem verschmitzten Grinsen unterm grauen Schnurrbart. Er hat sich das alles selbst erarbeitet.
Los ging es ganz streng genommen schon vor 66 Jahren. Als Zwölfjähriger bekommt Achim Wunsch sein erstes Aquarium. Es war 40 Zentimeter lang, darin lebten - ganz klassisch - Goldfische. Relativ bald stellt er auf tropische Fische um. "Wobei das damals noch viel schwerer war, die Fische überhaupt zu bekommen." Seitdem hat Achim Wunsch, bis auf eine zweijährige Pause mit Terrarium, bis heute immer Fische im Haus gehabt.


Nur nicht aufgeben

Das letzte klassische Aquarium im Hause Wunsch war 1,50 Meter lang und beinhaltete 450 Liter Wasser. Als es kaputtgeht - eine undichte Stelle - will Wunsch seine Leidenschaft eigentlich begraben. Doch mittlerweile war er nicht mehr der einzige begeisterte Aquarist in der Familie: "Damals hat meine Frau noch gelebt", erzählt er, "die hat gesagt: Nein, wir machen weiter." Und Achim Wunsch grübelt: Wäre das wohl möglich? Ein Paludarium im Wohnzimmer? Seiner Frau geht es wie den meisten anderen bis heute: Palu ... - was? Aber sie vertraut ihm. Dabei kennt auch er das Prinzip nur von Bildern und Tiergärten.
Über den Bamberger Aquarienverein, dessen Mitglied Wunsch ist, möchte er Kontakt zu anderen Paludariumsbesitzern herstellen, um Erfahrungswerte einzuholen, sich beraten zu lassen. "Das war gar nicht so leicht", erinnert sich der Rentner und lacht. "Es gab nämlich keinen." Er ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Ein Mann und sein Projekt.
Wunsch liest sich in das Thema ein und erkundigt sich, ob er einen speziell für sich angefertigten Glaskasten bekommen könnte. Eine Art Kombination aus Aquarium und Terrarium, ebenfalls 1,50 Meter lang, aber eben nur zur Hälfte mit Wasser gefüllt und hoch genug für seine geliebten Orchideen. Verschiedene Fragen müssen beantwortet werden, damit aus der Idee Realität werden kann: "Welches Klima ist oben? Wie beleuchtet man? Welche Pflanzen sind geeignet? Und wie macht man das mit dem Felsen?"
Die Frage nach den Pflanzen ist leicht beantwortet. Wunsch ist Orchideen-Fan, sie schmücken auch sein Fenster. Für besonders seltene Sorten fährt er regelmäßig zu einer Gärtnerei im Chiemgau. Schwieriger ist die Umsetzung des eigentlichen Herzstücks im Uferbereich des Paludariums: der Felsen mit Wasserfall.


Ohne Tricks geht es nicht

Er sei regelmäßig gefragt worden, wie er diesen schweren Brocken da reingehievt hätte, erzählt er, und fordert den Besucher auf, mal dagegenzuklopfen, gegen den Stein. "Styropor", sagt Wunsch triumphierend und grinst. Mit einem Lötkolben hat er Furchen in den Klumpen gebrannt, mit Eboxidharz und Sägemehl ist es ihm gelungen, eine realistische Kalksteinoptik herzustellen. Das Wasser aus dem Filter, der sich unten links in der Kommode verbirgt, läuft nicht direkt ins Aquarium, sondern von unten her in den "Stein". Sobald der voll ist, gurgelt das Wasser in Kaskaden hinunter zu den Barben, Welsen und Garnelen.
Auch wenn er während der Arbeit immer wieder auf Hindernisse gestoßen ist, Achim Wunsch wusste: Es könnte, nein, es müsste klappen. Das Paludarium ist die ideale Kombination seiner beiden Leidenschaften, Aquaristik und Botanik. Vor sechs Jahren hat er sich dieses Ding in den Kopf gesetzt - und dann einfach gemacht. Es steht noch heute und bleibt interessanter als der Fernseher.
Im Aquarienverein gibt es mittlerweile Kollegen, die sich das ebenfalls vorstellen können. Doch scheuen sie den vermeintlichen Mehraufwand. Dabei mache das Paludarium, so Wunsch, wegen des vereinfachten Wasserwechsels im Endeffekt weniger Arbeit als ein normales Aquarium. Wenn es nach ihm geht, muss sein Exemplar nicht das einzige in Franken bleiben. Für eventuelle Nachahmer steht er gerne als Berater zur Verfügung.