Es war mehr als ein Handgemenge, was einem Beikoch aus dem Kulmbacher Raum in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Lichtenfels vorgeworfen wurde. So viel mehr, dass daraus eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung wurde.

Der Angeklagte selbst sollte sich einsichtig zeigen. Er nahm das Urteil an: neun Monate Haft auf Bewährung wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung.

Richterin Daniela Jensch machte in ihrer Urteilsbegründung klar, dass das, was sich der 41-Jährige am 28. April des vergangenen Jahres geleistet hatte, gleich zwei Tatvergehen waren. Zuerst war da das Handgemenge mit einem Gastwirt gegen 21.45 Uhr - und dann wandte er sich einem Manne zu, der schlichten wollte. Diesem begegnete er mit einem Dosenlocher, also mit einem spitzen Gegenstand. Dieser hinterließ auf der Brust des Schlichtwilligen eine sieben Zentimeter lange Wunde.

Doch mehr noch: Im Eifer eines weiteren Handgemenges zückte der damals Enddreißiger ein Pfefferspray und sprühte dem 51-Jährigen in die Augen.

Es waren die Erinnerungen der Zeugen gefragt, um den damaligen Vorfall einzuordnen. Der ebenfalls 51-jährige Wirt erklärte, dass damals Fußball im Fernsehen lief und man mitfieberte. Doch in Ruhe gelassen geworden sei man von dem Beikoch nicht. "Da ging es schon los, da wurden Äußerungen gemacht, die schon komisch waren." So soll der Angeklagte sogar betont haben, dass er Hitler möge. Ein Satz, der auch dadurch an Kuriosität gewinnt, weil der Mann Türke ist. Jedenfalls kam es zu einer Schubserei - und ab da nahm alles Fahrt auf.

Bier und Wodka

Staatsanwältin Anna Saam interessierte sich für die Höhe der Zeche, um Rückschlüsse auf den Alkoholpegel des Mannes ziehen zu können. Auf 17,50 Euro belief sich die Rechnung, die Summe kam durch Biere und Wodka zustande. Eigentlich sei der Streit zunächst eine Sache zwischen Wirt und Gast gewesen, doch weil "die Theke gewackelt und Krüge runter gefallen" seien, habe sich der später mit dem Dosenlocher verletzte Gast eingemischt, hieß es.

"Ich habe ihm gesagt, er soll sich mal anständig aufführen (...) und er hat mich Hurensohn genannt und mit dem spitzen Gegenstand rumgefuchtelt." Zwei Tage später sei man sich zufällig wiederbegegnet, und da habe der gewalttätige Gast glatt die nach Drohung riechende Bemerkung fallengelassen: "Du bist mir bekannt."

Aufmerksam hörte der neben Verteidiger Rolf Pittroff sitzende Angeklagte den Schilderungen zu und schien selbst über sich zu staunen. "Es tut mir leid (...) und ich würde mich freuen, wenn Sie meine Entschuldigung annehmen würden", so der Mann gegenüber dem gegen ihn aussagenden Zeugen. Dieser zögerte nicht und signalisierte sofort seine Verzeihung.

Große Erinnerungslücken

Ein weiterer Zeuge war keine wirkliche Quelle zu mehr Erkenntnis. "Ich habe am nächsten Tag Urlaub gehabt, und daher war ich ziemlich betrunken", erklärte der 52-Jährige seine vergleichsweise wenigen Erinnerungen. Allerdings habe er die auf Brusthöhe liegenden und durch den Dosenlocher verursachten Verletzungen beim Zeugen bemerkt.

"Das war meine letzte Gerichtsverhandlung, das verspreche ich Ihnen", sollte der Angeklagte später gegenüber Richterin Daniela Jensch bekunden. Er räumte ein, mit Alkohol Probleme zu haben und erzählte von seinem Traum: "Ich möchte nur arbeiten gehen und meine Steuern zahlen." Und weiter: "Ich habe keine Lust mehr auf dieses Leben."

Zu diesem Leben gehörten laut Bundeszentralregister schon Bedrohung, Hausfriedensbruch und eine vorsätzliche Körperverletzung. Eben darum war das Urteil auch mit allerlei Verpflichtungen versehen.

Wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn Daniela Jensch zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Drei Jahre wird die Bewährungszeit dauern und ein Jahr davon wird der Mann unter Aufsicht gestellt sein. Außerdem hat er sich "sofort in eine Suchtberatung" zu begeben.