"Wir haben heute Vormittag mit dem BFV in München telefoniert, unsere Abmeldung aus der Landesliga ist dort bereits angekommen. Wir werden nächste Saison in die B-Klasse eingeteilt", klärt Christian Tremel, Sportlicher Leiter des VfL Frohnlach, am Freitag recht emotionslos über den aktuellen Stand beim Traditionsverein auf.

Und die Fakten haben es in sich: Seit dieser Woche ist klar, dass einer der traditionsreichsten Vereine Oberfrankens in den Niederungen des Fußballs verschwindet. "Wir haben offiziell beim Verband unseren Verzicht auf höherklassigen Fußball erklärt und werden ans Tabellenende der Landesliga gesetzt." Damit bewahrheitet sich das, was sich schon länger angebahnt hatte: Eine große, mehr als 40 Jahre andauernde Ära endet.

Vier Jahrzehnte für Furore gesorgt

Vier Jahrzehnte sorgten die "Blau-Weißen" weit über die Landkreisgrenzen hinaus für Furore. Ob in der Regionalliga, als Bayernliga-Dino oder zuletzt in der Landesliga - der VfL war eine große oberfränkische Nummer. Diese Erfolgsstory war ganz eng mit dem Hauptsponsor und Stadion-Namensgeber Willi Schillig verbunden. Der Polstermöbelfabrikant steckte viel Geld und jede Menge Herzblut in den kleinen, zwischen Coburg und Kronach beheimateten Klub.

Der Anfang vom Ende

Als sein Sohn und stellvertretender VfL-Vorsitzender Klaus Schillig, der nach dem Tod von "Wischi" das sportliche Erbe antrat und einige Jahre den Klub im Sinne seines Vaters weiterführte und finanziell unterstützte, im Sommer 2020 den Rückzug des Hauptsponsors erklären musste, war das bereits der Anfang vom Ende. Dabei gab bis zuletzt Hoffnung und teils emsige Bemühungen, um den Fußballverein doch noch vor dem Gang in die unterste Spielklasse zu retten. Doch mehrere Offerten lehnten die VfL-Verantwortlichen dankend ab, weil sie aus ihrer Sicht nicht umsetzbar sind.

Einen "Rettungsanker" bot der Partnerverein TBVfL Neustadt/Wildenheid an. Mit dem betreibt die Frohnlacher Reserve seit Sommer 2019 eine Spielgemeinschaft. "Wir haben uns nicht geeinigt", sagt Tremel, der nach eigenen Angeben ebenso wie Vorsitzender Ulrich Kossack wenig Freude am finalen Vorschlag der Neustadter hatte.

Bieberbach: "Drei Vorteile für den VfL"

Bastian Bieberbach, Vorsitzender des TBVfL, wollte die Spielgemeinschaft, von der bisher alle profitiert hätten und die rückblickend eine tolle Sache war, unbedingt aufrechterhalten. Mindestens eine weitere Saison hätte er gerne mit den "Blau-Weißen" weitergemacht.

Sein Plan sah sogar zwei gemeinsame Teams im Spielbetrieb vor. Die "Erste" in der Kreisklasse und die Reserve sollte in der A-Klasse auf Torejagd gehen. "Die Frohnlacher hätten drei wesentliche Vorteile gehabt", ist Bieberbach überzeugt.

Erstens hätte der VfL in einem Konsolidierungsjahr genügend Zeit gefunden, um neue Kräfte im Ehrenamt und neue Spieler zu finden. Auch hätte der Klub die Ablösesumme für den Großteil seiner Spieler generieren können. Drittens kam aus Neustadt der Vorschlag, mehrere Heimspiele - vor allem die Derbys gegen die Reserven aus Sonnefeld oder Ebersdorf - im Willi-Schillig-Stadion über die Bühne gehen zu lassen. "Dass die Heimspiele zur Hälfte in Frohnlach und in Wildenheid ausgetragen werden, war für uns allerdings keine Option", räumt Bieberbach auf Nachfrage ein.

Trainergehälter teilen

Die einzige Forderung des TBVfL sei eine gerechte Aufteilung der Trainerkosten gewesen. "Also etwa 500 Euro im Monat", rechnet der Neustadter Funktionär vor. Mit etlichen Punkten waren die Frohnlacher jedoch nicht einverstanden. Tremel und Kossack fiel die Absage an den bisherigen Partner leicht, weil die Forderungen für den VfL undiskutabel seien. Gerade bei der künftigen Spielstätte und der Aufteilung der Kosten gab es keinen Konsens.

Ablösesummen werden fällig

Tremel vertritt auch die Auffassung, dass die sogenannten Ausbildungsentschädigungen für die nun wechselnden VfL-Spieler nicht zwingend wegfallen. Schließlich verschwinde der Verein nicht komplett von der Bildfläche. Da künftig eine VfL-Mannschaft in der B-Klasse spiele, werden Ablösen fällig.

Der Sportliche Leiter erklärt in diesem Zusammenhang, dass man fair mit allen Nachbarklubs umgehen wird und nach vernünftigen Lösungen suchen werde. Die kurze, gemeinsame Zeit mit dem TBVfL Neustadt/Wildenheid bezeichnet er als "absolut sinnvoll" und für alle Beteiligten fruchtbar, schließlich steige der TBVfL auch dank der Frohnlacher Spieler jetzt auf.

Er vermutet allerdings, dass die Neustadter zum Schluss nicht ernsthaft an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert waren. "Auch beim TBVfL gab es sicher sehr unterschiedliche Meinungen und die Vorschläge waren für uns nun mal nicht akzeptabel."

Keine gemeinsame Sache mit der IFA

Das Angebot aus Neustadt war nicht das einzige, mit dem sich Frohnlach zuletzt beschäftigte. Nach einem intensiven Meinungsaustausch sei bereits vor zwei Wochen die Idee verworfen worden, eine Kooperation mit der Internationalen Fußball-Akademie (IFA) in Ebern einzugehen. Die IFA ist seit gut einem Jahr auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Ebern zu Hause. Dort entsteht ein neues, modernes Trainingszentrum.

IFA-Organisator Thomas Kastler will dort junge Fußballtalente ab 18 Jahren aus Deutschland und aller Welt für eine Profikarriere ausbilden. Dafür sucht die IFA derzeit Partnervereine, bei denen ihre unter Vertrag stehenden Talente spielen können. Die Talente trainieren in Ebern und sollen möglichst höherklassig in Punktspielen zum Einsatz kommen.

Absage auch aus Ebersdorf

Kastler hätte sich mit dem kriselnden VfL Frohnlach eine Zusammenarbeit gut vorstellen können. Doch er erhielt - wie übrigens auch vom Frohnlacher Nachbarverein SC Sylvia Ebersdorf - eine Absage. "Die Idee an sich ist ja nicht schlecht, aber für uns keinesfalls umsetzbar", sagt Tremel zum Angebot der IFA. "Wir haben ja gar keine Spieler mehr. Dann wären wir komplett von der Akademie abhängig gewesen und hätten die eigene Identität hergegeben."

Die Vorstellung, dass 20 Spieler per Bus anreisen, im Waldstadion kicken und wieder wegfahren, fand bei keinem VfL-Funktionär Gefallen. Eine derartige Kooperation sei nicht realistisch.

Künftig mit einer Stammtisch-Truppe

Der Ball wird trotzdem künftig im Waldstadion rollen. Mit dem Landesliga-Aus ist ein Neuaufbau in der untersten Liga verbunden. "Wir wollen keine kommerzielle Truppe mehr stellen, sondern einfach eine Mannschaft auf die Beine stellen, die sich von Kopf bis Fuß mit dem VfL identifiziert", sagt der 53-jährige Tremel, der sich nach der Abwicklung der VfL-Saison von seiner Funktionärstätigkeit zurückziehen und sich verstärkt seiner Familie widmen will.

Die neue B-Klassen-Truppe werde keine allzu große Qualität haben, doch darum gehe es auch nicht, so Tremel. Vielmehr gäbe es bereits Bemühungen, alte Haudegen oder auch Jungs, die Lust aufs Kicken im großen Waldstadion haben, zu einem Team zu formen. Da sei das gemeinsame Bierchen nach dem Spiel im vereinseigenen Sportheim und der Zusammenhalt wichtiger als der große sportliche Erfolg.