Das Altstadtfest hat sich verändert: Früher beteiligten sich die Geschäfte und lockten die Kunden mit Spezialangeboten und mit Aktionen. Als Straßenzugbeauftragter war damals noch Adi Dörnhöfer aktiv, der selbst ein großes Haushaltswarengeschäft im Herzen der Innenstadt hatte, und kümmerte sich darum, dass auch die Händler in Feststimmung gerieten. Doch wie sieht es inzwischen aus? Tische und Bänke stehen in der Fußgängerzone längst nicht mehr. Viele Ladengeschäfte sind verwaist. Die Feiermeile konzentriert sich auf die Altstadtgassen, in der Oberen Stadt und auf dem Marktplatz. Immerhin: In diesem Jahr gab es etwas abseits vom Trubel noch einen Crêpes-Stand - in der Fußgängerzone.

Wer profitiert vom großen Rummel?

Haben die Händler auch etwas vom großen Rummel oder verhagelt der Parkplatzmangel ihnen sogar das Geschäft? "Wir haben offen. Und wir bieten unseren Kunden Bowle als Extra an", sagt Gudrun Stübinger vom Wäschetraum am Marktplatz. Stübinger lässt sich von der positiven Stimmung in der Stadt anstecken. "Wir sind ja ein sehr beratungsintensives Geschäft. Natürlich kommen jetzt nicht massenweise Menschen, um neue Wäsche zu kaufen, wenn draußen gefeiert wird. Aber es ist für uns ein guter Samstag. Und man muss ja auch mal sagen, dass das Altstadtfest gut für das Image der Stadt ist. Nach der harten Pandemiezeit darf doch die Gastronomie mal was verdienen", so Stübinger. Ihre Kunden kommen sogar von weit her. Ulrike Schmidt reiste aus Berchtesgaden an, Michael Peschka aus Hannover. "Wir wollten vor allem Bratwürste essen. Aber dann haben wir etwas gesehen", sagt Michael Peschka. "Seit 14 Tagen ist Kulmbach wieder aufgewacht. Es ist richtig viel los. Die Leute haben Lust zu feiern. Viele kaufen neue Dirndl fürs Bierfest", sagt Karin Herold und fügt hinzu, dass sie eigentlich bis spät abends arbeiten könnte. Auch bei den Bräuten stehe Tracht hoch im Kurs. "Es ist so viel los, dass ich Termine für Anproben ausmache", sagt Herold und freut sich. Am Altstadtfestnachmittag passt Karin Herold ihrer Kundin Franzi Bohl ein neues Dirndl an. Dass draußen überall Feststimmung herrscht, beflügelt die Kauflaune. Endlich geht das Leben weiter.

"Bei uns läuft der Verkauf nicht schlecht. Wir bieten den Gästen Pfefferminztee mit Orangensaft als Erfrischung an. Und zum Altstadtfest gibt es Angebote - die SchoKUlade und den Kulmbacher Kaffee", sagt Birgit Igler vom Weltladen. Sie erinnert sich noch daran, dass sich früher fast alle Einzelhändler etwas einfallen ließen. Beim Altstadtfest 2022 hatten nicht einmal alle geöffnet. Manche schlossen am Samstag bereits um 13 Uhr den Laden. "Das ist schade. Aber wir lassen auf - und es läuft super", sagt Peter-Alexander Hegedüsch von berries and cream. Jeder sei in guter Stimmung, jeder habe Lust, Geld auszugeben. "Bei Spartan war es ruhiger in der Innenstadt, aber auch, weil es einfach zu heiß war", sagt Hegedüsch.

Auch Sabine Ruppert von Hunkemöller freut sich über kauflustige Kunden. "Wir lassen am Altstadtfest bis 17 Uhr offen", sagt sie. Bademoden und Wäsche seien nicht zu sperrig, da greifen die Kunden gerne zu.

Die Buchhandlung Rupprecht ist ebenso offen. "Am Vormittag war richtig viel los. Aber auch nachmittags geht das Geschäft ganz gut. Auf jeden Fall nicht schlechter als an einem normalen Samstag", sagt Rupprecht-Filialleiterin Anna Nordt. Die Buchhändlerin freut sich, dass auch viele Touristen in der Stadt sind. Außerdem kommen viele Altstadtfest-Fans von außerhalb.

Die Kunden bummeln zum Festplatz oder nutzen die Zeit, um einfach mal zu schauen. "Ich warte auf den Auftritt des Nachwuchses auf der Marktplatzbühne", verrät beispielsweise Patrick Hofmann. Und in der Zwischenzeit bummelt er mit seiner Mutter durch die Fußgängerzone und hält Ausschau nach etwas Kaufbarem: vielleicht ein neues Outfit fürs nächste Fest?